Verbranntes Brot
publiziert: Montag, 21. Apr 2008 / 12:22 Uhr / aktualisiert: Montag, 21. Apr 2008 / 13:11 Uhr

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Zwar ist es nicht wirklich wahrscheinlich, dass die letzten Schreckensprognosen zur Energiezukunft schon ausreichen, es auch dem Letzten noch klar zu machen, dass Strom nicht aus der Steckdose kommt, Tankstellen nicht Benzin herstellen und Heizungen nicht einfach Wärme abgeben, weil man sie aufdreht. Aber langsam bildet sich ein Bewusstsein für das Problem.

Im Angesicht dieser Prognosen wird verzweifelt nach neuen Energiequellen gesucht und für eine gewisse Zeit schienen sie auch gefunden zu sein: Biotreibstoffe. Doch diese Hoffnung ist ziemlich schnell von der an dieser Stelle prophezeiten Horrorvision eingeholt worden. Die drohende Energiekrise geht momentan Hand in Hand mit einem schon beginnenden Nahrungsmittelnotstand in der dritten Welt.

Doch immer noch halten manche Behörden und Regierungen den Erst-Generations-Biosprit für einen Klimaretter, wobei es sich viel eher um einen Klimakiller handelt. Vor allem ist er nur eine Ausrede dafür, sich immer noch Energiekonzepte leisten zu können, die auf dem Luxus der Verschwendung aufbauen. Dies beginnt schon bei den durch die Zersiedlung der Landschaft immer länger werdenden Arbeitswegen, die das immense Verkehrsaufkommen zwischen der «Agglo Mittelland» und den Erwerbszentren erklären.

Es geht weiter bei den zur Überwindung dieser Distanzen eingesetzten Fahrzeuge, die sich immer noch dadurch auszeichnen, dass sie einen desaströsen Wirkungsgrad haben. Schon im Verbrennungsmotor selbst geht auf jeden Fall mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie verloren: Dieselaggregate kommen momentan auf maximal 45%, Benziner auf 37% Wirkungsgrad, wobei sich dies auf die Effizienz bei Vollgas bezieht – sie fällt bei Teillast auf unter 10% ab. Der Rest geht als Wärme verloren. Dazu kommen noch weitere mechanische Verluste im Getriebe auf dem Weg zu den angetriebenen Rädern.

Rechnet man noch alle anderen Verluste wie Luft- und Rollwiderstand mit ein, wird ein Auto mit Verbrennungsmotor geradezu zu einem Symbol der Ineffizienz, das kaum ja mehr als einen Zehntel der eingesetzten Energie in Fortbewegung umsetzt.

Vergleicht man diesen Wirkungsgrad mit dem eines elektrisch betriebenen Fahrzeuges, dürfte die Verblüffung gross sein. Vor allem wandelt ein Elektromotor bis über 90% der eingesetzten Energie in Bewegung um und die Bremsenergie kann im Schubbetrieb zudem zurückgewonnen werden. Neue Batterietechniken machen jetzt endlich auch grössere Reichweiten und stärkere Motoren bei annehmbaren Gewicht möglich. Doch wie würde sich das in der Praxis auswirken?

Der Lightning GT, ein britischer Elektro-Sportwagen, der in diesem Jahr auf den Markt kommen soll, beschleunigt in weniger als 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h bei Höchstgeschwindigkeit von über 200 km/h und einer Reichweite von gut 400 km. Und das soll dieser Wagen mit einem Verbrauch von umgerechnet unter einem Liter Diesel auf 100 km vollbringen.

Bei weniger dramatischen Leistungsanforderungen könnte der Wert noch um einiges besser sein. Der Wermutstropfen: Der Wagen wird gute 400'000 Franken kosten. Doch das sollte einen nicht allzusehr erschrecken: Pioniertechnik, die in Kleinstserie hergestellt wird, ist immer teuer. Vor allem zeigt dieser Wagen eines auf: Wie grausam verschwenderisch selbst «sparsame» Autos sind. Das Beste was die Industrie bisher hingekriegt hat, waren die Sparversionen des Audi A2 und des VW Lupo mit 2,99 Liter Diesel/100 km.

Wenn die Autoindustrie hingegen so weitermacht (schon die neuen SUV-Wuchtbrummen Mercedes GLK und Audi Q5 gesehen?), wird sie weiterhin in einer durch Energieverschwendung geprägten Gesellschaft als Sündenbock da stehen und dafür verantwortlich sein, dass vielleicht nicht verbrannte Erde aber sehr wohl verbranntes Brot ihr Erbe sein wird.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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