Flexibler Metabolismus als Grundlage für die menschliche Evolution
Verdauung passt sich an Gift und Antibiotika an
publiziert: Donnerstag, 25. Jun 2015 / 21:31 Uhr
Darmbakterien spielen eine wesentliche Rolle für die Gesundheit.
Darmbakterien spielen eine wesentliche Rolle für die Gesundheit.

Mailand - Die im menschlichen Verdauungsapparat enthaltenen Mikroorganismen können vor den Auswirkungen von Mangelernährung und toxischen Substanzen schützen. Das haben Forscher des zum Nationalen Forschungsrat CNR gehörenden Istituto di Tecnologie Biomediche herausgefunden.

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Ausgangspunkt der Studie waren die Bakterienstämme im Darm der tansanischen Volksgruppe der Hazda, eine der letzten Populationen weltweit, die sich noch überwiegend aus ihrer Tätigkeit als Jäger und Sammler ernähren. Diese wurden mit denen der Einwohner von Bologna verglichen. «Unsere Studie hat gezeigt, dass die Darmbakterien eine entscheidende Rolle bei dem für unsere Gesundheit notwendigen energetischen Gleichgewicht spielen», erklärt Projektleiterin Clarissa Consolandi.

Die bei den Hazda entdeckten Darmbakterien sind in der Lage, die in für sie weitgehend fremden Nahrungsmitteln wie Milch und Eiern vorkommenden essenzielle Aminosäuren zu erzeugen. Umgekehrt können die bei den Bolognesern untersuchten Darmbakterien in bei ihnen weniger üblichen Lebensmitteln wie Soja und Reis enthaltene essentielle Aminosäuren synthetisieren. Eine weitere überraschende Entdeckung: «Die Darmbakterien der Italiener besitzen die Fähigkeit, toxische Substanzen wie das aus der Ölproduktion stammende Naphtalen und die zur Lebensmittelkonservierung verwendete Benzoesäure abzubauen.»

Antibiotika-Resistenz ergründet

Die vielfältigen Eigenschaften des menschlichen Darms sind eine adaptive Reaktion auf xenobiotische Einflüsse, denen vor allem die städtische Bevölkerung ausgesetzt ist. Ausserdem gibt es den Wissenschaftlern nach eine Spezialisierung in dem Sinne, dass die Darmflora der Hazda auf Polisacharide aus faserreichen Pflanzen und die der Italiener eher auf Einfachzucker, wie in Nudeln oder Brot, eingestellt ist.

Die Studie wurde zusammen mit dem Max-Planck-Institut und der University of Nevada durchgeführt. Auch wurde die in den vergangenen 20 Jahren in den Industrienationen stark zunehmende Resistenz gegen Antibiotika untersucht. Anhand der Darmvergleiche mit den Hazda konnte nachgewiesen werden, dass die starke Verwendung von Antibiotika nicht nur zur Bildung neuer Bakterienstämme, sondern auch zur Mobilität zwischen Mikroorganismen führt und die Entwicklung wirksamer Antibiotika erschwert.

(nir/pte)

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