200-Jahre Kanton Wallis
Vereinigungs-Akte in Sitten ausgestellt
publiziert: Mittwoch, 5. Aug 2015 / 19:55 Uhr
Zur 200-jährigen Jubiläumsfeier zeigt das Wallis die originale Vereinigungs-Akte.
Zur 200-jährigen Jubiläumsfeier zeigt das Wallis die originale Vereinigungs-Akte.

Sitten - Am 4. August 1815 trat das Wallis als 20. Stand der Eidgenossenschaft bei. Im Vorfeld der 200-jährigen Jubiläumsfeier am Freitag zeigt das Wallis in einer Ausstellung die originale Vereinigungs-Akte und erneuerte das Bekenntnis zur Schweiz.

1 Meldung im Zusammenhang
Der Beitritt wurde in einer kurzen Einleitung und lediglich fünf Artikeln besiegelt. In der Einleitung beschrieben die Verfasser eine Vereinigung, «welche für beyde Theile gleich vortheilhaft und geeignet ist, die seit Jahrhunderten gegenseitig bestandenen freundschaftlichen Verhältnisse durch eine völlige Gemeinschaft der Schicksale und Interessen immer mehr zu befestigen.»

Für die Walliser war der Beitritt Anfang des 19. Jahrhunderts aber nur eine von mehreren Optionen. Davon erzählt die Ausstellung «Passez à l'Acte» in der Mediathek Wallis in Sitten, die von Freitag an bis Ende Oktober zu sehen ist.

Bereits 1252 ging das Wallis mit Bern angesichts der Expansion der französischen Herrscher von Savoyen bis vor die Tore von Sitten ein Bündnis ein, welches gegenseitige Hilfe im Konfliktfall zusicherte.

Während der Reformation ging das Wallis Verträge mit katholischen Kantonen ein, erneuerte aber auch das Bündnis mit Bern. Mit Frankreich wurden im Vertrag von Thonon 1569 die endgültigen Grenzen des künftigen Kantons am oberen Ende des Genfersees festgelegt.

Zudem ging das Wallis mit dem Herzogtum von Mailand ein Bündnis ein, welches die Freiheit des Handels über die Alpenpässe sowie die Sicherheit der Transporte regelte. Dabei zeigte sich das Wallis stets pragmatisch, wenn es darum ging, seine Unabhängigkeit zu wahren.

Sechs Staatsformen in 17 Jahren

Auch die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen gegenüber seinen mächtigen Nachbarn wurden stets gesichert, wie die Ausstellung in Sitten nachzeichnet. Ein Teil ist der turbulenten Zeit von 1798 bis 1815 gewidmet, in der das Wallis sechs verschiedene Staatsformen innehatte.

Die unabhängige Republik (1802 bis 1810), das französische Departement Simplon (1810 bis 1813) und der sogenannte Übergang (1813 bis 1815) waren nur einige davon. Nach dem endgültigen Fall Napoleons im Juni 1815 drängten die Alliierten Siegermächte das Wallis dazu, der Eidgenossenschaft beizutreten.

Der Bergkanton wählt schliesslich diesen Weg, auch wenn das deutschsprachige Oberwallis lieber zur früheren Ordnung zurückgekehrt wäre. Danach folgt eine schwierige Integration in die Eidgenossenschaft.

Immer wieder gegen den Rest der Schweiz

Noch heute wird den Wallisern nachgesagt, dass sie anders ticken als der Rest der Schweiz. In den fast 500 eidgenössischen Abstimmungen zwischen 1910 und 2012 stimmte das Wallis bei jeder fünften anders als die Mehrheit, wie aus dem Historischen Lexikon der Schweiz hervorgeht.

Besonders viel beachtet wurde der Ja-Stimmenanteil von 70,1 Prozent - der höchste in der Schweiz - bei der Volksinitiative «Recht auf Leben» von Abtreibungsgegnern. Landesweit legten 1985 nur 30,1 Prozent der Schweizer ein Ja ein.

Umgekehrt war das Wallis der einzige Kanton überhaupt, der 2013 das revidierte Raumplanungsgesetz verwarf und wies auch bei der Zweitwohnungsinitiative 2012 mit 73,8 Prozent den höchsten Anteil von Nein-Stimmen aus.

Heute «überaus zufriedene Schweizer»

Obwohl das Wallis sich nach diesen empfindlichen Niederlagen an der Urne unverstanden fühlte, gibt sich die Kantonsregierung zum Jubiläum des Beitritts versöhnlich. Der Gesamtstaatsrat unterzeichnete deshalb vor Ort eine offizielle Deklaration der Erneuerung.

Die in den fünf kurzen Artikeln der Vereinigungsurkunde enthaltene Sichtweise komme den beiden Vertragsparteien noch immer zugute, hielt der Staatsrat darin fest und schloss mit den Worten: «Walliserinnen und Walliser sind heute überaus zufriedene Schweizerinnen und Schweizer.»

(nir/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Sitten - Mehr als 80'000 Menschen haben am Freitag und Samstag den Beitritt des ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Private Radio- und Fernsehveranstalter werden mit 30 Millionen Franken aus der Radio- und Fernsehabgabe direkt unterstützt.
Private Radio- und Fernsehveranstalter werden mit 30 ...
57.5 Millionen Franken für entgangene Werbeeinnahmen  Bern - Die Coronavirus-Pandemie trifft die Medien hart. Ihre Werbeeinnahmen sind bereits drastisch gesunken. Aufgrund der besonderen Bedeutung der Medien für die Demokratie hat das Parlament in der ausserordentlichen Session breit abgestützte Motionen überwiesen, um finanzielle Soforthilfe im Umfang von 57.5 Millionen Franken zu leisten. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 20. Mai 2020 zwei entsprechende Notverordnungen verabschiedet. mehr lesen 
Auch die Online Medien sollen profitieren  Bern - Die Medien sind für unsere direkte Demokratie von zentraler Bedeutung. Sie informieren die Bevölkerung und ermöglichen dadurch wichtige Debatten. Sinkende Erträge machen ... mehr lesen
Um die Medienbranche bei der digitalen Transformation zu unterstützen, sollen neu auch Online-Medien gefördert werden.
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 15°C 32°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig vereinzelte Gewitter
Basel 18°C 34°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 17°C 29°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig vereinzelte Gewitter
Bern 15°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Luzern 16°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig vereinzelte Gewitter
Genf 17°C 33°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Lugano 22°C 33°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig vereinzelte Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten