Verfall einer Vaterfigur: Scharon seit einem Jahr im Koma
publiziert: Freitag, 29. Dez 2006 / 09:12 Uhr

Tel Aviv - Der ehemalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon, eine der markantesten und umstrittensten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, liegt seit einem Jahr hilflos in einem tiefen Koma.

Experten halten eine Genesung Ariel Scharons für praktisch ausgeschlossen.
Experten halten eine Genesung Ariel Scharons für praktisch ausgeschlossen.
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Die dramatischen Ereignisse des Jahres 2006 in der Nahost-Region - insbesondere der Wahlsieg der radikal-islamischen Hamas-Bewegung in den Palästinensergebieten und der Libanonkrieg - hat der 78-Jährige nicht bewusst miterlebt.

Am Vorabend einer geplanten Operation zur Behebung eines kleinen Herzfehlers hatten am 4. Januar 2006 massive Hirnblutungen eingesetzt. Zwei Wochen zuvor hatte Scharon bereits einen leichten Schlaganfall erlitten, die Ärzte hatten jedoch abgewiegelt und ihm öffentlich einen guten Gesundheitszustand bescheinigt.

Die schweren Hirnblutungen konnten nur mit mehreren Notoperationen gestoppt werden. Das letzte Foto zeigt Scharon im Krankenwagen, der ihn in der Schicksalsnacht von seiner Farm in der Negev-Wüste in die Klinik in Jerusalem gefahren hatte.

Aus dem Bewusstsein verschwunden

Für die israelische Öffentlichkeit ist das politische Schwergewicht mit der schillernden Vergangenheit, das sich von der Galionsfigur der Siedlerbewegung zum Vollstrecker des Abzugs aus dem Gazastreifen gewandelt hatte, nicht mehr präsent.

Viele sehen den dramatischen körperlichen Verfall der nationalen Vaterfigur als besonders tragisch an, weil er zu einem Zeitpunkt einsetzte, an dem Israelis sich von ihm eine umfassende Friedensregelung in der Region erhofften.

Sollte einer die politische Durchsetzungsfähigkeit haben, «schmerzhafte Kompromisse» intern durchzuboxen, dann der «Teflon-Mann» Scharon, so glaubten viele. Zwar ist umstritten, ob Scharon damals wirklich weit reichende Veränderungen plante. Doch vieles deutete darauf hin.

Vom Likud zur Kadima

Kurz vor seinem Schlaganfall hatte Scharon, der vier Jahre lang als Regierungschef amtierte, seine rechtsorientierte Likud-Partei verlassen und die gemässigtere Kadima gegründet. Er plante einen weiteren Teilabzug im Westjordanland und wollte die Grenzen des israelischen Staates endgültig festlegen.

Im April 2006 beschloss die israelische Regierung, Scharon nach mehr als drei Monaten Koma für amtsunfähig zu erklären. Neuer Ministerpräsident wurde Ehud Olmert, sein weit weniger charismatischer Stellvertreter. Die jetzige Regierung wirkt blasser und geniesst nicht wie Scharon das tiefe Vertrauen der Bevölkerung.

Söhne am Krankenbett

Medizinische Experten halten eine Genesung Scharons für praktisch ausgeschlossen. Doch sein Sohn Omri hat immer noch grosse Hoffnung, dass sein Vater aus dem Koma erwachen wird. Er und sein Bruder Gilad seien täglich am Krankenbett Scharons, sagte er der Deutschen Presseagentur (dpa).

Einzelheiten über den gesundheitlichen Zustand seines Vaters möchte der 42-jährige Landwirt und ehemalige Parlamentarier, der seinem Vater sehr ähnlich sieht, nicht nennen.

Die Sprecherin des Schiba-Spitals bei Tel Aviv, in dem Scharon seit einem halben Jahr behandelt wird, erklärte, der Zustand des Patienten sei seit Monaten unverändert. Eine medizinische Prognose will sie nicht wagen. «Bin ich Gott? Nur er kann wissen, was weiter passiert.»

(Von Sara Lemel, dpa/sda)

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