TA-Swiss-Studie zur Hirnforschung
Verführend schöne Hirnbilder
publiziert: Montag, 8. Mai 2006 / 07:05 Uhr / aktualisiert: Freitag, 16. Aug 2013 / 10:12 Uhr

Forscher erzeugen mit Hightech-Geräten und komplexen Berechnungen farbige Bilder des Gehirns. Was taugen solche Hirnbilder? Welche Folgen haben sie? Erstmals erscheint dazu ein umfassender Bericht. Das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-Swiss und die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften veröffentlichen heute die Studie «Impact Assessment of Neuroimaging».

Bildgebende Verfahren in der Hirnforschung, oder kurz Neuroimaging, ermöglichen das nicht-invasive Untersuchen eines aktiven Gehirns.
Bildgebende Verfahren in der Hirnforschung, oder kurz Neuroimaging, ermöglichen das nicht-invasive Untersuchen eines aktiven Gehirns.
1 Meldung im Zusammenhang
Fazit: Hirnbilder bieten ein grosses Potenzial, um Krankheiten festzustellen und besser zu verstehen, wie das Gehirn funktioniert. Hirnbilder erfordern aber auch einen sorgsamen Umgang mit den untersuchten Personen und den erhobenen Daten. Neuroimaging beeinflusst viele Anwendungsbereiche. So etwa die biomedizinische Forschung, die Neurochirurgie, aber auch die Konsumforschung, das so genannte Neuromarketing. «Es ist möglich, dass wir die Aussagekraft von Hirnbildern überschätzen und gleichzeitig die Grenzen der Verfahren unterschätzen». So fasst Bärbel Hüsing vom Fraunhofer Institut in Karlsruhe die neueste TA-Swiss-Studie zusammen.

Neuroimaging: Was ist das?

Bildgebende Verfahren in der Hirnforschung (oder kurz Neuroimaging) ermöglichen das nicht-invasive Untersuchen eines aktiven Gehirns. Mit grossem technischem Aufwand werden in Experimenten Rohdaten zur Hirnstruktur und -funktion erfasst. Diese Daten können nach komplexen Berechnungen als farbige Hirnbilder dargestellt werden. Das Gehirn steuert menschliches Verhalten wie Sprechen, Lernen, Empfinden. Deshalb können Erkenntnisse aus der Hirnforschung weit reichende Folgen haben, denn dabei werden sensible Informationen über untersuchte Personen offen gelegt, ähnlich wie bei der Gentechnik. Das Neuroimaging hat zahlreiche Anwendungen: Biomedizinische Grundlagenforschung, klinische Diagnostik, Neurochirurgie und Pharmaforschung. Weiter auch die kognitiven Neurowissenschaften sowie eine Vielzahl neuer Disziplinen wie Neuropädagogik oder Neuromarketing.

Schöne Bilder, irreführende Annahmen

Heute lassen sich farbige Bilder vom aktiven Gehirn erstellen. Dies eröffnet ganz neue Möglichkeiten für Hirnuntersuchungen. Sei es in der medizinischen Diagnostik, der Neurochirurgie, der biomedizinischen Forschung - oder - seit kurzem gar im Neuromarketing und der Neuropädagogik. Dabei wird erforscht, was im Gehirn vorgeht, wenn der Mensch einkauft oder lernt. Leider entsteht oft der Eindruck, die Methoden des Neuroimaging seien exakter und deshalb psychologischen Tests oder anderen Methoden überlegen. Zwar sind die Neuroimaging-Messmethoden genau und verlässlich. Doch die Auswertung und Interpretation der erhobenen Daten ist schwierig und erfordert grosse Fachkenntnis. Sogar manche Fachleute täuschen die so eingängigen und ästhetisch ansprechenden Bilder darüber hinweg, was für komplizierte Experimente dahinter stecken. Sie verleiten zu überzogenen Erwartungen und unbegründeten Befürchtungen. So dürfte heute beispielsweise der Nutzen des Neuroimaging für die Marktforschung weit überschätzt werden. Aber auch die Angst, durch Hirnbilder könnten tatsächlich Gedanken gelesen oder Rückschlüsse auf die Persönlichkeit gezogen werden, sind unbegründet.

Potenziale ausschöpfen und Missbrauch verhindern

Die Autorinnen und Autoren sehen Handlungsbedarf, um das Potenzial für die Forschung und die medizinische Diagnostik noch besser auszuschöpfen: Wissenschafter brauchen Zugang zu den Geräten in den Kliniken auch ausserhalb von Randstunden. Vermehrte Anreize für den schnellen Transfer der Forschungsergebnisse in die Klinik wären hilfreich. Zum Schutz von Patienten, Versuchspersonen und Personal müssen hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards in der alltäglichen Anwendung eingehalten werden.

Empfehlungen der Autorinnen und Autoren

Der Politik empfehlen die Autorinnen und Autoren, das Bundesgesetz zur Forschung am Menschen auf den Weg zu bringen. Dieses Gesetz würde auch den Umgang mit dem Neuroimaging in der Forschung regeln und könnte Missbräuche verhindern. Für das Neuroimaging sind insbesondere einheitliche Bestimmungen zur informierten Zustimmung von untersuchten Personen, zum Vorgehen bei unerwarteten Krankheitsbefunden und zum Datenschutz erforderlich, die internationalen Anforderungen entsprechen müssen. Auch sollte die Gesellschaft breit informiert werden. Nur so kann sie aktiv über Ziele, Potenziale, Folgen und Grenzen des Neuroimaging diskutieren.

Studie als Buch erschienen

Im Auftrag von TA-Swiss untersuchte Bärbel Hüsing vom Fraunhofer Institut in Karlsruhe zusammen mit Lutz Jäncke, Professor für Neuropsychologie, und Brigitte Tag, Professorin für Strafrecht, beide an der Universität Zürich, umfassend die Potenziale und Folgen der Techniken bildgebender Verfahren in der Hirnforschung. Der vollständige Bericht ist als Buch in englischer Sprache erschienen. Darin behandeln die Autorinnen und Autoren neben den verschiedenen Techniken der bildgebenden Verfahren folgende Anwendungsbereiche: Neurochirurgie, Alzheimersche Krankheit, Medikamentenforschung, kognitive Neurowissenschaften, Steigerung der Gehirnleistung. Weitere Kapitel behandeln wirtschaftliche, rechtliche und philosophische Fragen.

(pd)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Ich melde mich für ein Probetraining in einer «Neurofeedback-Praxis» inmitten der ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
-
Publinews Papiliorama  Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Tiere und Pflanzen: erleben Sie das bunte Ballett der exotischen Schmetterlinge, welche frei um Sie herumfliegen, die bizzaren Kreaturen der Nacht, die Regenbogentukane und einheimischen Schmetterlinge, die Gliederfüsser mit ihren aussergewöhnlichen Formen und die Wollschweine, welche sich als Landschaftsgärtner betätigen. Das Papiliorama in Kerzers nimmt Sie mit auf eine spannende Entdeckungsreise. mehr lesen  
Medizinische Forschung  Bern - Das Inselspital nimmt mit der «Liquid Biobank Bern» das derzeit modernste Tiefkühllager für Blut und andere flüssige Bioproben ... mehr lesen  
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere Forschungsprojekte und einem grösseren Forscherkreis zur Verfügung.
Wegen Zika - Acht Wochen nur geschützt  Genf - Touristen sollen nach ihrer Heimreise aus Zika-Gebieten mindestens acht Wochen auf ungeschützten Sex verzichten. Das riet die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag. mehr lesen  
Die Knochendichte eines Frühchens ist geringer.
Erhöhtes Osteoporose-Risiko  Trondheim - In den letzten Wochen der Schwangerschaft gehört die Weitergabe von Kalzium an den Fötus zur Förderung der Knochenentwicklung zu den wichtigen Vorgängen. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 8°C 12°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Basel 10°C 13°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 7°C 11°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Bern 7°C 11°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Luzern 7°C 12°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Genf 8°C 12°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Lugano 3°C 8°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen anhaltender Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten