
«Der gesunde Menschenverstand» ist eine äusserst schwer fassbare Quantität und Qualität, und er wird vor allem dann erwähnt, wenn davon ausgegangen wird, dass er fehlt und gewisse Personen seiner verlustig gegangen sind. Zu behaupten, dass dies der Fall ist, erfordert in der Regel eine gute Begründung. Doch diese sollte im Angesicht einer drohenden Weltwirschaftskrise durchaus zu erbringen sein.
Hoppla.
Doch seien wir nicht unfair gegenüber säumigen Schülern. Schliesslich mangelt es diesen an Lebenserfahrung und angeblich seien die Hirne von Kindern und Pubertierenden auch nicht in der Lage, die Auswirkungen ihrer Handlungen in langfristigen Zeitdimensionen zu erfassen.
Dies im Gegensatz zu Erwachsenen, von denen es in der Finanzwirtschaft und der Politik ja jede Menge gibt. Oder zumindest geben sollte. So darf man sich getrost Fragen, nach welcher Logik Ratingagenturen mitunter arbeiten, wenn sie mit ihren Drohungen und Downgrades es schaffen, die von Ihnen attakierten Länder genau in jene Bredouille zu bringen, vor der sie zu warnen vorgeben. Sie rücken dabei Risiken in den Fokus, die sie schon seit Jahren kennen müssten, aber erst jetzt, nachdem ihr Versagen in der Finanzwelt offensichtlich geworden ist, alarmistisch hinaus posaunen,als müssten Sie beweisen, dass sie nicht taub und blind sind.
Doch sie sind nur ein Teil dieses Reigens der Idiotie. Auch am Tanz beteiligt sind natürlich die Politiker, welche während Jahren, teils Jahrzehnten mit dem Wissen der Unmöglichkeit der nachhaltigen Finanzierung, trotzdem immer wieder neue Geschenke verteilten, um ihre Wähler und Schmierer glücklich zu machen, in der Hoffnung, dass mal jemand anderes die Rechnung bezahlen würde.
Oder die Banken selbst, Konzerne voller Finanzexperten, die eigentlich sehr genau wissen müssten, dass Geld alleine kein neues Geld erzeugen kann, wenn dieses auch für Werte in der wirklichen Welt stehen sollte. Denn es sollte jedem Geldbetrag, rein theoretisch, ein Sach- oder Arbeitswert gegenüber stehen. Doch die im Umlauf befindliche Geldmenge auf der Welt übersteigt die erbrachten Wirtschaftsleistungen in der Realwelt um das zig-fache. Sprich: Es gibt jede Menge Geld, mit der kein Gut, keine mögliche Arbeit gekauft werden könnte. Ein solches System aber verpfändet bereits die Arbeit unserer Kindeskinder an irgendwelche Spekulanten oder droht, dem Geld seinen Wert zu entziehen, sobald die Realität als solche in der Allgemeinheit anerkannt wird.
Manche Spezialisten haben schon seit Jahrzehnten auf diese logischen Fallen im Ökonomischen System aufmerksam gemacht. Doch noch 2007 wurden diese verlacht, obwohl bereits die Immobilienblase sichtbare Risse bekam und die Kreditkrise am Horizont auftauchte.
Genau wie ein Schüler, der findet, «he, diese Prüfung ist ja noch echt lange nicht», mussten schliesslich auch die Banken und die Politiker realisieren, dass sich die Realität zwar eine gewisse Zeit ignorieren lässt, aber irgendwann dafür umso gnadenloser in die Welt einbricht.
Das erschütternde dabei ist - und hier zeigt sich, dass der «gesunde Menschenverstand» scheinbar nachhaltig auf der Verliererseite ist - die Tatsache, dass in den Führungsetagen nach dem erschütternden Scheitern dieses Systems immer noch nicht von einem grundsätzlichen Umbau gesprochen wird, dass sich gewisse Kreise mit Händen und Füssen gegen die Abschaffung jener Mechanismen wehrt, die offensichtlich die Krise verursacht haben.
Die Realität hämmert momentan lautstark an die Türen der Welt. Doch von den Mächtigen ist scheinbar noch kaum einer bereit, auch auf dieses Hämmern zu hören. Oder gar die Türe zu öffnen. Auch wenn es absehbar ist, dass diese schon bald aus den Angeln gehoben wird und die Schäden dann viel grösser sein werden.
(Patrik Etschmayer/news.ch)
Neoliberalismus, dieser wird sich bald einreihen in Formen wie Nationalsozialismus oder Kommunismus.
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