Verloren im Reich der Eindrücke
publiziert: Donnerstag, 19. Jan 2006 / 12:12 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 19. Jan 2006 / 12:56 Uhr

Wien - Nach Aktionen in Reykjavik, Neuhardenberg bei Berlin und Lüderitz in Namibia ist Christoph Schlingensiefs begehbare Installation «Animatograph» nun im Burgtheater gelandet.

Schlingensief verweigert sich auch in Wien den üblichen Regeln des Theaterbetriebs.
Schlingensief verweigert sich auch in Wien den üblichen Regeln des Theaterbetriebs.
Weiterführende Links zur Meldung:

schlingensief.com
Schlingensiefs Animatograph.
www.schlingensief.com/projekt.php?id=t052

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Christoph SchlingensiefChristoph Schlingensief
Schneidend kreischt eine Stimme: «This is a world announcement». Die kleine Drehbühne im Parkett dreht sich unermüdlich, ein Schwarzer im Beuys-Anzug sitzt gähnend am Tisch hinter der Folie mit der Aufschrift «City Radio».

Eine Asiatin mit Prinz-Eisenherz-Perücke wirft ihrem Kollegen eine Kusshand zu: «Tschüss, bis morgen!». Müde und ohne wirkliches Ende verebbt die erste medienöffentliche Vorstellung von «Area 7 - Matthäusexpedition von Christoph Schlingensief» am Mittwochagabend im Wiener Burgtheater.

Nichts Festes

Schlingensief verweigert sich den üblichen Regeln des Theaterbetriebs: Es gibt weder eine definierte Premiere noch einen endgültigen Titel, keine traditionelle Bühne, keinen festgefügten Ablauf des Abends.

Schlingensief nahm sich auch einmal mehr die Freiheit, das anfangs angepeilte Thema seinen Assoziationen und eigenen Projekten zu unterwerfen. Aus dem angekündigten Abend «Sadochrist Matthäus» zu Bachs Matthäus-Passion ist eine weitere Reisestation seines «Animatographen» geworden.

Klingende Namen sind zum Projekt gestossen, die amerikanische Punkrock-Poetin Patti Smith und Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Der Berliner Underground-Star Klaus Beyer ist dabei und die bekannten Figuren der «Schlingensief-Familie» um Irm Hermann und Karin Witt.

Stück zum Selberbasteln

Doch die Schlingensief-Anarchie geht nicht ohne Didaktik ab: So lauschen die Besucher erst einmal einem Vortrag des Regisseurs. Auf einem grossen «Stadtplan» führt der Theatermacher in den Abend ein.

In rasenden Begriffskaskaden springt der 45-Jährige von Bayreuth nach Island, vom Parsifal in den nordischen Sagen- und Mythenkreis, von der Urmutter zum Parallel-Universum und von Paula Wessely zu Joseph Beuys. Der Besucher wird aufgefordert, seinen eigenen Film zusammenzusetzen - aus Begegnungen, Aktionen und der Expedition in die verschlungen angelegten Wege des «Animatographen».

Im Parkett und im Bühnenraum erwartet den Besucher in gewaltiger Geräuschkulisse ein labyrinthartiges Konstrukt provisorischer Räume aus Latten, Absperrband, Leintüchern und Pappe. Mit Megaphon ausgestattet, leiten Helfer durch Schlingensiefs reich der Assoziationen.

Viele werden fahnenflüchtig

Gut eine Dreiviertelstunde dauert die Führung, in der die Besucher nach geraumer Wartezeit in kleinen Gruppen die Schlingensief-Welt erkunden: Im aufklaffenden Mund der «Original-Totenmaske von Joseph Beuys» flimmert ein Video, das den verwesenden Hasen aus dem Bayreuther «Parsifal» zeigt.

Ein komplettes Schiff, das die Truppe von den Dreharbeiten zu «The African Twin Towers» in Namibia mitgebracht hat, im Geburtszimmer eine Reihe von Kinderwagen, darin Baby-Videos: Andy Warhol mit Suppendose und Leni Riefenstahl mit Hakenkreuz-Schnuller.

Die Wartenden trösten sich mit kurzen Konzert-Einsprengseln von Patti Smith, die immer und immer wieder von ihrer Begegnung mit «Christoph» in Namibia erzählt und von der «langen, unergründlichen Reise», auf die sie sein Parsifal-Projekt geschickt habe.

Für einen Grossteil der Zuschauer blieb Schlingensiefs «Matthäusexpedition» ein kürzeres Abenteuer - das anfängliche Amüsement und die erwartungsfrohe Stimmung verlor sich zunehmend in Gleichgültigkeit, das anfängliche Gedränge löste sich recht bald auf.

(Irmgard Schmidmaier/dpa)

 
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