Versagen im Kampf gegen Internetkriminalität
publiziert: Freitag, 15. Aug 2008 / 13:43 Uhr / aktualisiert: Freitag, 15. Aug 2008 / 16:20 Uhr

Washington - Die USA haben es nicht geschafft, dem rasant zunehmenden Problem von kriminellen Aktivitäten im Internet einen Riegel vorzuschieben.

Cyberattacken wie Spyware und Pishing werde meist gar nicht bemerkt.
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Obwohl die Konsumenten mittlerweile ein stärkeres Bewusstsein für die Gefahren im Web entwickelt haben, wird von politischer Seite grossteils viel zu wenig getan, um diese besser vor Internetkriminalität zu schützen. Zu diesem Ergebnis kommt ein kürzlich veröffentlichter Bericht des Center for American Progress und des Center for Democracy and Technology.

Den beiden Organisationen zufolge seien bei den zuständigen Staatsanwaltschaften in den USA in den Jahren 2006 und 2007 Tausende Konsumentenbeschwerden bezüglich krimineller Online-Aktivitäten eingetroffen. In Anbetracht dieser Unmenge an negativen Vorfällen sei es sehr verwunderlich, dass davon lediglich eine Handvoll tatsächlich auch vor Gericht verhandelt worden seien, heisst es in dem Bericht.

Zuwachs verzeichnet

Verwiesen wird dabei auf Zahlen der unabhängigen US-Handelsbehörde Federal Trade Commission (FTC). Demnach haben die 50 Staaten der USA im vergangenen Jahr 221'226 Fälle von Internetkriminalität an die FTC gemeldet. Im Vergleich zu 2006 ist das ein Zuwachs von 16'000 und zu 2005 ein Anstieg um 24'000 Vorfälle. «Das sind alarmierende Zahlen», erklärt Reece Rushing, Leiter des Bereichs Regulierung und Informationspolitik am Center for American Progress. Letztendlich seien sie aber immer noch eine Untertreibung des tatsächlichen Problems.

«Viele Konsumenten merken gar nicht, dass sie von Cyberattacken wie Spyware oder Phishing betroffen sind», erläutert Rushing. Unter der rasanten Steigerung der kriminellen Internetaktivitäten würde dabei vor allem der Online-Handel leiden, der mit einem Vertrauensverlust auf Konsumentenseite zu kämpfen habe. «Wir müssen endlich härter gegen derartige Bedrohungen im Internet vorgehen, um den Konsumenten zu schützen und sein Vertrauen in den Online-Handel wieder herzustellen», fordert Rushing.

Ärger mit Online-Handel

«Aufgrund der mittlerweile sehr grossen Bandbreite an E-Commerce-Angeboten im Netz ergeben sich grosse qualitative Unterschiede im Bereich Online-Handel», erklärt Georg Wittmann, Leiter des Projekts E-Commerce-Leitfaden am Beratungs- und Forschungsinstitut ibi Research. Eine entsprechende Untersuchung habe erst kürzlich ergeben, dass 56 Prozent der deutschen Online-Shopper schon einmal schlechte Erfahrungen beim Interneteinkauf gemacht haben.

Häufigste Gründe für die Unzufriedenheit der Kunden seien dabei zu lange Lieferzeiten, falsche Produkte oder zu frühe Abbuchungen des Kaufpreises. «Um unliebsame Vorfälle zu vermeiden, sollten Nutzer vor allem auf die Bekanntheit eines Online-Shops und entsprechende Gütesiegel achten. Ein weiterer Tipp wäre, auf Empfehlungen aus dem persönlichen Freundeskreis zu hören», rät Wittmann.

Meist Belästigungen und Kinderpornographie

Laut dem aktuell vorgelegten Bericht hat die Mehrheit der von den US-Staatsanwaltschaften strafrechtlich verfolgten internetbezogenen Fälle mit sexuellen Belästigungen von Minderjährigen oder Kinderpornografie zu tun. Derartige Delikte haben in den Jahren 2007 und 2006 rund 60 Prozent der behandelten Internetkriminalitäten ausgemacht. Lediglich 15,5 Prozent der staatsanwaltschaftlich verfolgten Fälle sind in den Bereich des Online-Handels gefallen.

Die meisten Beanstandungen gab es dabei bezüglich ausständiger Lieferungen und irreführender Werbung von im Netz angebotenen Produkten. Mit 8,9 Prozent waren aber auch Verletzungen des Datenschutzes vertreten. Hierbei wurden vor allem der Missbrauch vertraulicher Informationen und der Diebstahl persönlicher Konto- und Identitätsdaten verfolgt.

(ht/pte)

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