Versetzt vom Virus
publiziert: Montag, 2. Nov 2009 / 10:47 Uhr / aktualisiert: Montag, 2. Nov 2009 / 14:22 Uhr

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Die Fähigkeit, sich angemessen auf eine mögliche Gefahr vorzubereiten, zeichnet den Menschen vor allen anderen Lebewesen aus. Wir sind in der Lage, nicht nur zu reagieren, sondern zu antizipieren. So gurten wir uns im Auto an, geben Geld für Hausratversicherungen aus, schliessen die Wohnung ab, auch wenn kein potentieller Dieb im Treppenhaus wartet. Dies sind alles Sicherheitsmassnahmen, die wir gegenüber alltäglichen Gefahren ergreifen, die jederzeit zuschlagen können und es auch immer wieder tun. Wohnungseinbrüche, Wasserschäden, Autounfälle – sie sind ein Teil des Alltags: Zwar meist dessen anderer Menschen, aber nahe genug an uns, um in unserem Bewusstsein eine Realität zu sein.

Dann gibt es andere, ausserordentliche Gefahren, solche, die nur periodisch auftreten und selten zuschlagen: Unwetter, Epidemien oder Tsunamis. Diesen Gefahren gegenüber müssen wir nicht immer wachsam sein, können dies auch gar nicht. Die Gefahr, die von diesen Ereignissen ausgeht ist vielfach sehr gross, der Stress der alleine der Gedanke daran auslöst, ist hoch. Auf solche Ereignisse bereitet man sich nur vor, wenn sie einem zuverlässig angekündet werden. Wenn Hurricanewarnungen ausgesprochen werden, ist es Zeit, die Fenster zu vernageln und ins Landesinnere zu flüchten (eine Standardmassnahme für Millionen von Küstenbewohnern in tropischen und subtropischen Breiten). Bei einer Tsunamiwarnung heisst es einfach: so schnell wie möglich weg vom Meer. Und bei Epidemien und Pandemien sollte man sich mit Schutzmasken vorbereiten und sich so früh wie möglich impfen lassen.

Wenn auf die Warnungen hin hingegen nichts oder nur sehr wenig passiert, kehrt Frust ein: Die Fenster sind vernagelt, aber der Himmel bleibt blau, der Tsunami ist nichts als eine etwas grössere Welle, die es einfach 10 Meter weiter den Strand rauf schafft und im Schrank stapeln sich die Atemmasken aber niemand niest auch nur.

Aus dem Frust entwickelt sich sodann Wut. Wut auf jene, die einen in die Panik versetzt haben, welche einen dazu brachten, zu hämmern, zu flüchten und sich vor Virenangst mit Desinfektionsmittel einzureiben. Es spielt dabei keine Rolle, ob sich die Prognostiker nur etwas in der Zeit geirrt haben, oder unvorhersehbare Variablen die Katastrophe verhinderten oder abschwächten. Der Gewarnte kommt sich vor wie einer, der von der Angebeteten beim grossen Date versetzt wurde und mit einem Blumenstrauss vor einem Glas Wasser in dem sich langsam leerenden Restaurant sitzt, immer noch wartend, obwohl sie schon vor drei Stunden hätte auftauchen sollen.

Das Date, dass bis jetzt nicht aufgetaucht ist, heisst «Schweinegrippe» und nach Monaten der Medienbeackerung ist es immer noch nicht hier. Der Frust der Bevölkerung drückt sich ausgerechnet jetzt, wo endlich Impfstoffe vorhanden sind, in einer Impfmüdigkeit und einer Gleichgültigkeit gegenüber diesem Virus aus, die schon fast ans Absurde grenzt. Kombiniert mit teils irren Verschwörungstheorien, die durchs Internet geistern (und die nach kürzester Prüfung sich als völlig gehaltlos erweisen), stellt dieser Frust eine gefährliche Mischung dar.

Nicht zuletzt, weil H1N1 durchaus real ist. In der Ukraine zum Beispiel ist das öffentliche Leben praktisch zum Stillstand gekommen, knapp 200'000 Leute sind erkrankt, 7500 im Spital und 60 sind dort schon gestorben. Es liegt nun an Polen und der Slowakei, als Nachbarn der Ukraine zu versuchen, das Vordringen der Krankheit in die EU einzudämmen. Ob das gelingen kann, ist zweifelhaft.

Wenn der Frust darüber, dass diese Grippe bisher nicht schneller und gefährlicher war, uns davon abhält, die notwendigen Vorbeugungen zu treffen, dann ist das Virus womöglich noch cleverer als man sich das vorstellen mag: es hält sich so lange zurück, bis man nichts mehr dagegen machen mag und kann dann umso härter zuschlagen, obwohl alle Mittel da wären, es zu bekämpfen.

(von Patrik Etschmayer /news.ch)

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Das Schweinegrippe-Virus unter dem Mikroskop.
Zur Verschwörung
Ich möchte noch einen Gedanken zu diesem Thema anfügen.

Innert kürzester Zeit steht uns glücklicherweise ein Impfstoff zur Verfügung. Die Staaten schaffen es auch diesen für eine Millionenbevölkerung meist gratis abzugeben. Millionen von Dosen überall. Genug für ganz USA, ganz Deutschland, die Gesamtbevölkerung der Schweiz, etc. Aber wenn es darum geht "alte" Krankheiten in den Armutsländern auszurotten, "ist es logistisch oder wirtschaftlich" nicht machbar.

An die Verschwörungs-Eugeniker: Die simple weltweite Nahrungsmittelverteilung und die herkömmlichen Krankheiten erledigen die "Selektion" seit Jahrzehnten einfacher und mit grösstem Erfolg. Jeden Tag auf dieser Welt. Vor unseren Augen.

Gibt es so gesehen Eugenik auf der Welt? Ja. Aber sie entsteht nicht durch Planung oder Verschwörung. Sie entsteht aus Gleichgültigkeit, Desinteresse und Korruption. Erst wenn eine internationale Pandemie droht auch den reichen Westen dahinzuraffen wird gehandelt. Wir haben ja auch die Mittel dazu.
Unglaubliche Verschwörungstheorien
Normalerweise mische ich mich als Autor nicht in die Forumsdiskussion ein. Aber die in dem Link von Herrn Schweri (porschecasino) angeführten "Fakten" sind reiner Irrsinn. Beispiel gefällig? Die Grippeopfer von 1918 seien alle geimpft gewesen. Die Influenza-Impfung wurde allerdings erst 1936 eingeführt... wie soll das bitte gehen?
Der Rest ist von ungefähr gleicher Qualität und sollte auf keinen Fall als Richtschnur für die eigene Entscheidung benutzt werden. Auf Wikipedia und anderen unabhängigen Info-Portalen kann man sich schlau machen, ohne zu befürchten, von alternativ-medizinischen Quacksalbern angelogen zu werden.
P.S. Die Adjuvanzien des einen Impfstoffes wurden schon an 145 Millionen geimpften erprobt, die des anderen an 145000.
P.P.S. Die Grippefälle in der Ukraine seien nun doch H1N1. Ein abschliessendes Urteil ist allerdings noch nicht möglich.
Und noch eine Nachbemerkung: Die erste Welle der Epidemie von 1918 war auch nicht auffallend gefährlich. Die zweite und dritte hingegen schon. Aber das lag sicher an der Impfung, die 18 Jahre später eingeführt wurde.
Mediziner und Fantasten
Schauen Sie sich doch einmal an, was für Bücher dieser Mediziner schreibt und dann wird Ihnen sofort klar, weshalb er alles unternehmen wird, um die Grippeimpfung schlecht zu stellen. Und wenn man dann mal die Daten ein wenig genauer untersucht (seine sogenannten "Fakten"), dann gibt es etwa 3 Dinge davon, die Sinn machen und der ganze Rest ist Verschwörungstheorie.
Ich sage nichts für oder gegen die Grippeimpfung, das soll jeder selber entscheiden können wie er will... aber wieso dieser Arzt dagegen ist, das ist offensichtlich und ist letztendlich genauso wirtschaftlich gedacht. Käme nämlich die klassische (eher medikamentenorientierte) Medizin wieder verstärkt zum Einsatz, wäre seine Existenz gefährdet. Und so etwas braucht nicht mehr als 2-3 Klicks im Internet. Man sollte nicht alles glauben, was im Internet steht und immer, wenn die Leute etwas von "es ist nicht aus eigenem Interesse" schreiben, gehe ich wenn möglich ein bisschen genauer recherchieren, bevor ich mich auf so eine Aussage verlasse.
Wir, meine Frau und ich, haben auch schon derartige ...
... Hinweise zur eventuellen Gefährlichkeit der Grippeimpfung und auch anderer Impfungen erhalten, gelesen und gehört!

Da wir keine Spezialisten sind und uns auch nur auf unsere Erfahrungen stützen können, sind wir auch nicht in der Lage zu beurteilen, was daran richtig oder unrichtig wäre ...

Wir hoffen aber auch, dass wir, auch mit Ihren Unterlagen, weiteres unternehmen können oder per herumfragen GLAUBWÜRDIGE Antworten zu erhalten!

Jedenfalls, porschecasino aus bassersdorf, herzlichen Dank für Ihre Informationen!
Die Lügen vom Staat sind schuld!
an den autor.
Beanrwortengen Sie mir doch bitte die Fragen de Mediziners Jean-Jacques Crèvecoeur und schreiben bei welcher behauptung er unrecht hat.
http://www.gesundheitlicheaufklaerung.de/who-world-homicide-organisati...

Zudem können Sie mir vielleicht erklären: Wieso wird ein Haftungsausschluss unterschrieben und gleichzeitig die Impfung als unbedenklich angepriesen?

In der Ukraine weiss man inzwischen das die meisten Todesopfer an einer saisonalen Grippe starben und NICHT an der Schweinegrippe.
Die ganzen Medien schreiben pro Impfung obwohl die Zusätze viel zu kurz und an Schwangeren und unter 3jährigen garnicht getestet wurden.

Für mich ist das ganze schon komisch weil es keine kritische Stimme von den grossen Medien gibt obwohl in einigen Ländern bereits von Zwangsimpfung geredet wird.

LG Andre Schweri
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