Viele Indizien sprechen gegen Hingis
publiziert: Samstag, 3. Nov 2007 / 00:05 Uhr

Hat Martina Hingis gedopt? Oder hat sie «nur» an einer Party geschnupft? Oder nichts von alledem? Der Auftritt von Martina Hingis und ihre Erklärung zu den Doping-Anschuldigungen warfen Fragen auf. Einige davon werden möglicherweise nie beantwortet.

Martina Hingis in Wimbledon - hatte sie sich gedopt?
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Martina HingisMartina Hingis
Eine der meistgenannten Fragen lautet: Warum zieht sich das Verfahren dermassen in die Länge? Die Kontrolle fand am 29. Juni in Wimbledon statt. Mehr als vier Monate später wusste die Spielerinnengewerkschaft WTA, welche die WTA-Tour betreibt, offenbar noch nicht einmal, dass ein Verfahren gegen Hingis läuft.

An der Tour de France oder an den Leichtathletik-WM wurden Dopingsünder innert sieben Tagen überführt (Mayo, Rasmussen). Der Internationale Tennisverband (ITF), unter dessen Obhut das Wimbledon-Turnier läuft, erklärt die lange Verfahrensdauer damit, dass das Dopinglabor in Montreal im Sommer überlastet sei und Sportarten wie Rad und Leichtathletik mit hoher Priorität behandelt werden.

Die Sachlage ist verwirrend, deshalb ist es ratsam, sich an Fakten zu halten. Die wichtigste Tatsache ist, dass die grossartige Karriere der 27-jährigen Trübbacherin, die 209 Wochen lang die Weltrangliste anführte (also länger als bislang Roger Federer), höchst unwürdig endet.

Hingis und Kokain oder Doping -- irgendwie passt das nicht zusammen. Oder hat sie vielleicht doch? Schliesslich hat sich in einem Dopingfall die viel zitierte Verschwörungstheorie noch nie bewahrheitet.

Völlig abwegig scheint der Gedanke, Hingis könnte tatsächlich gedopt haben, bei genauem Hinsehen nicht. Die Indizien sprechen gegen sie. Ihr Entlastungsbeweis (Haarprobe) wurde von Experten zerzaust. Die Haarprobe beweist einzig, und das ist die einzig gute Nachricht, dass Hingis nicht Kokain-abhängig ist.

Vorerst gilt die Unschuldsvermutung

Kokain eignet sich hingegen ideal, um nach Verletzungen Schmerzen zu lindern. Hingis´ Teilnahme in Wimbledon, wo sie positiv getestet wurde, stand im vergangenen Juni bis zuletzt auf der Kippe. Anderthalb Monate hatte sie zuvor nicht gespielt; erst im letzten Moment entschied sie sich zu spielen.

In der Woche zuvor lag Martina Hingis bei Dr. Bühlmann in Zürich noch auf dem Schragen. Der Rücken und die Hüfte machten ihr zu schaffen. Hingis selber bezeichnete sich bei Turnierbeginn als nur zu 60 bis 70 Prozent fit.

Natürlich gilt auch für Martina Hingis vorerst die Unschuldsvermutung. Das Dossier liegt beim Internationalen Verband, der innert maximal anderthalb Monaten darüber zu befinden hat, ob die Angelegenheit zum Doping-«Fall» wird.

Gemäss Hingis´ Manager Mario Widmer ist die Möglichkeit gross, dass die Akte fallengelassen wird. Sollte das nicht der Fall sein, kündigte Martina Hingis bereits an, nicht alle Rechtsmittel ausschöpfen zu wollen. Muss das denn nicht als Schuldeingeständnis interpretiert werden?

Den Fall nicht weiterziehen

Manager Mario Widmer versucht zu erklären: «Martina kann in der aktuellen Situation machen, was sie will, sie steht so oder so in einem schlechten Licht da. Ich selber habe ihr geraten, den Fall nicht weiterzuziehen (sollte es zu einem Fall kommen). Denn Martina verfügt nicht über die Ernsthaftigkeit, diesen Kampf konsequent auszufechten. Ihr ist die Sache am Schluss nicht sooo wichtig. Sie ist nicht ein Mensch, der mit einer Bronzestatue verewigt werden will.»

Martina Hingis wollte aber auch nicht so abtreten. Noch vor neun Monaten, nach dem Turniersieg von Tokio und dem Vorstoss auf Platz 6 in der Weltrangliste, strotzte sie vor Selbstvertrauen. Sie glaubte, nochmals ganz nach oben zu kommen. Stattdessen folgten Niederlagen und Verletzungen.

So oder so zurückgetreten

«Ich glaube, sie wäre so oder so (auch ohne Dopinganschuldigungen) zurückgetreten», meinte Mario Widmer. «Aber das ist nur eine Spekulation meinerseits.»

Aber: Wer im Januar 2006 nach dreieinhalb Jahren Pause auf die Tour zurückkehrt, der will nicht anderthalb Jahre später unverrichteter Dinge wieder aufhören. Martina Hingis orientierte sich lieber an Martina Navratilova und Chris Evert, die bis ins hohe Alter an Major-Turnieren um den Sieg spielten.

Die Dopingvorwürfe haben zweifellos den Rücktritt beschleunigt. Die Anschuldigungen werden auch in nächster Zeit Hingis´ Leben prägen -- selbst wenn sie den Fall nicht weiterzieht, weil ihr (die mehr als 20 Millionen Dollar Preisgeld gewonnen hat) Anwälte, die 1000 Dollar in der Stunde verlangen, zu viel Geld verschlingen.

V-Zug stoppte Werbespots

Ein erster Sponsor, der Waschmaschinenhersteller V-Zug, stoppte am Freitag alle Werbespots mit Hingis. Es ist anzunehmen, dass sie auch als Co-Kommentatorin oder Analytikerin bei TV-Stationen nicht mehr (wie nach dem ersten Rücktritt) gefragt sein wird.

Und schliesslich wird sich Hingis wohl von Turnierplätzen fernhalten, um nicht Spielerinnen wie Amélie Mauresmo zu begegnen, denen sie einst selber Doping unterstellte.

(von Rolf Bichsel/Si)

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