Viele Journalistinnen in Lebensgefahr
publiziert: Sonntag, 8. Mrz 2009 / 00:38 Uhr

Berlin - Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) fordert anlässlich des Internationalen Frauentages mehr Schutz für Journalistinnen und Bloggerinnen. Viele von ihnen würden nach wie vor ihr Leben riskieren oder sich Repressionen aussetzen, um unabhängig zu berichten.

Reporter ohne Grenzen fordert mehr Schutz für mutige Frauen. (Symbolbild)
Reporter ohne Grenzen fordert mehr Schutz für mutige Frauen. (Symbolbild)
«In vielen Ländern setzen Journalistinnen immer noch ihr Leben aufs Spiel, wenn sie investigativ recherchieren, Kritik an Behörden, Beamten und Politikern üben oder über Tabuthemen berichten», so ROG-Geschäftsführerin Elke Schäfter.

Oft bestehe für die Frauen kein ausreichender Schutz seitens der Behörden und der Polizei - selbst dann, wenn sie wie die pakistanische Journalistin Meera Jamal bereits mehrere Morddrohungen erhalten hätten.

Jamal flüchtete aufgrund der prekären Situation nach Deutschland. Andere Frauen hingegen hatten und haben diese Möglichkeit nicht. So geben letztlich viele entweder den Beruf auf oder versuchen, über Selbstzensur den Drohungen zu entgehen.

Angriffe und Drohungen

Als Beispiel dafür führt ROG Afghanistan an. Vor allem in der westlichen Provinz Herat gab es im vergangenen Jahr vermehrt Angriffe gegen TV-Journalistinnen. Diese sollten dazu gezwungen werden, ihre Arbeit aufzugeben.

Häufig steckten die Taliban hinter den Drohungen, aber auch Warlords und lokale Politiker würden ein frauenfeindliches Klima erzeugen, kritisiert Reporter ohne Grenzen. Häufig bleiben die Behörden nach Angriffen untätig und führen keine zufriedenstellenden Ermittlungen durch, sodass die Täter straffrei bleiben. Dieses Problem herrsche unter anderem in Ländern wie Russland, Nepal und Mexiko.

Ob weibliche Journalistinnen einer noch grösseren Gefahr als die männlichen Kollegen ausgesetzt seien, lasse sich pauschal nicht beurteilen. «In Afghanistan beispielsweise kann man dies aber bestätigen», sagt Anja Viohl, Sprecherin von Reporter ohne Grenzen Deutschland.

Zudem seien Frauen dann mehr gefährdet, wenn sie sich mit der Stellung der Frau beschäftigten, die Unterdrückung der Frau im Namen des Islams kritisierten oder wenn sie sich gegen frauendiskriminierende Gesetze, Normen und Wertevorstellungen äusserten.

Angst vor gesellschaftlicher Ächtung

In Ländern wie Pakistan, wo Frauen in den Medien grundsätzlich unterrepräsentiert sind, wagen es viele Journalistinnen daher erst gar nicht, Fragen zur Stellung der Frau aufzugreifen. Die Angst vor gesellschaftlicher Ächtung ist viel zu gross und auch die Gefahr von Übergriffen durch religiösen Fundamentalisten bewegt viele Frauen dazu, lieber nicht öffentlich zu äussern.

«Nur wenige Frauen schreiben über Frauenrechte und noch weniger wagen es, zur Unterdrückung der Frauen im Namen des Islams Stellung zu beziehen», sagt die Journalistin Jamal. Meist würden gesellschaftliche Stereotypen aufrechterhalten, um dem Druck durch die eigene Familie und Gesellschaft zu entgehen.

Es kommt in zahlreichen Ländern vor, dass Journalistinnen und Bloggerinnen schikaniert und gedemütigt werden, sobald sie sich gegen frauenfeindliche Praktiken oder Gesetze auflehnen. Im Iran beispielsweise müssen Cyberfeministinnen Gängelungen und Repression durch die Behörden ertragen. Es werden regelmässig Bloggerinnen festgenommen.

So wurde beispielsweise die Internetdissidentin Shahnaz Gholami bereits mehrmals inhaftiert. Sie gehört zu jener Gruppe iranischer Journalistinnen, die im Jahr 2005 eine Petition zur Abschaffung frauenfeindlicher Gesetzte gestartet hatte. Heute hat sich die Kampagne zu einer Massenbewegung ausgeweitet, die kürzlich auch mit dem renommierten «Prix Simone de Beauvoir pour la liberté des femmes 2009» ausgezeichnet wurde.

(bert/pte)

 
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