Viele Stellen in Polen bleiben unbesetzt
publiziert: Montag, 14. Aug 2006 / 08:32 Uhr / aktualisiert: Montag, 14. Aug 2006 / 17:18 Uhr

Warschau - Stanislaw Mirowski ist genervt. Zum wiederholten Mal hat die Baufirma, die am Haus des 48-jährigen Warschauers Renovierungsarbeiten durchführen soll, einen Termin platzen lassen.

Viele Fachkräfte verlassen das Land, um in der EU mehr Geld zu verdienen.
Viele Fachkräfte verlassen das Land, um in der EU mehr Geld zu verdienen.
«Sie sagen, sie haben nicht genug Leute», sagt er verärgert. «Viele sind nach Irland und Grossbritannien gegangen, weil sie dort besser verdienen, und wer kann es ihnen verdenken.»

Sein Sohn Marcin, der an der Technischen Hochschule Warschau Bauingenieurwesen studiert, kennt dieses Problem, mit positiven Vorzeichen. Er jobbt bei einer Baufirma, die ihn schon jetzt drängt, nach dem Abschluss in dem Unternehmen fest zu arbeiten.

Denn Fachkräfte, ob Maurer oder Ingenieure, sind in Polen zusehends rar - trotz einer Arbeitslosenquote von mehr als 16 Prozent. Fast 40 Prozent der Firmen der Baubranche klagen nach Angaben des Amts für Statistik in Warschau darüber, dass sie wegen fehlender Mitarbeiter ihren Aufträgen nicht nachkommen können.

Bei den Verkehrsbetrieben in Warschau und anderen Grossstädten werden dringend Busfahrer gesucht - viele der Fahrer haben bei englischen Speditionsfirmen angeheuert oder fahren nun in London, Birmingham oder Manchester Pendler zur Arbeit. Auch in der Möbelbranche und der Metallindustrie fehlen spezialisierte Mitarbeiter.

Andere EU-Staaten werben um Mitarbeiter

Seit dem EU-Beitritt Polens haben nach Schätzungen der Regierung rund zwei Millionen Menschen Polen verlassen, um im Ausland Arbeit zu suchen. Daran wird sich so schnell nichts ändern, denn inzwischen werben etwa Betriebe der boomenden irischen Bauindustrie aktiv um Mitarbeiter in Polen und warten nicht mehr auf den Weg der Arbeitssuchenden auf die grüne Insel.

Seit Tagen wird in Warschau mit Plakatwänden und grossformatigen Anzeigen für eine Jobbörse geworben, auf der dutzende Firmen Arbeitsplätze anbieten wollen.

Auch Pawel Matuszczyk, der vor seiner Baustelle im Warschauer Osten eine Zigarettenpause macht, hat von seinem Arbeitsplatz aus eine dieser Plakatwände im Blick. «Für mich ist das nichts mehr, ich habe hier meine Familie und meinen Job», meint der Mittvierziger. «Aber die jungen Kollegen hält nicht viel, die können in ein paar Jahren im Ausland mehr verdienen als hier.»

Ryszard Ciura, Inhaber einer Baufirma in der Nähe von Opole, hat Aufträge, aber keine Maurer und Fliesenleger. Inzwischen inseriert er auch in entfernten Regionen Polens, um an Mitarbeiter zu kommen, sagte er der Zeitung «Rzeczpospolita». Doch obwohl die Löhne in dem Unternehmen in den vergangenen Monaten sogar um die Hälfte angehoben wurden, gehen viele Facharbeiter lieber gleich in den Westen.

Arbeitskräfte aus dem Osten

Viele Firmen, aber auch Bauern, denen die Erntehelfer fehlen, hoffen auf Abhilfe durch Arbeitskräfte aus dem Osten. Seit Monaten gibt es polnisch-ukrainische Verhandlungen über Lockerungen der Bestimmungen für Arbeitskräfte aus dem östlichen Nachbarland.

Wie viele Ukrainer schon jetzt illegal in Polen als Haushaltshilfen, Kindermädchen, Bauarbeiter oder in der Landwirtschaft arbeiten, ist nicht genau bekannt - angeblich sind es mehr als 100 000.

Eine offizielle Arbeitserlaubnis hatten im vergangenen Jahr nur knapp 2700 Ukrainer. Auch Bauunternehmer Ciura hofft darauf, dass es bald möglich ist, osteuropäische Fachleute legal zu beschäftigen: «Ich würde die Leute auch kostenlos unterbringen.»

(Eva Krafczyk/dpa)

 
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