Baskenland
Vier mutmassliche ETA-Terroristen bei Explosion getötet
publiziert: Dienstag, 8. Aug 2000 / 07:14 Uhr

Bilbao - Bei der Explosion eines mit Sprengstoff beladenen Autos sind in Bilbao am Montagabend vier Personen ums Leben gekommen. Offenbar handelt es sich bei den Getöteten um Terroristen der baskischen Separatistenorganisation ETA.

Wie die Polizei am Dienstag in der nordspanischen Industriestadt mitteilte, detonierte das Fahrzeug gegen 23.00 Uhr während der Fahrt über eine Kreuzung im Industrieviertel von Bolueta im Norden der Stadt. Unweit des Explosionsortes befinden sich die Büros zweier Zeitungen.

Die vier Insassen waren auf der Stelle tot. Zwei von ihnen wurden durch die Wucht der Detonation ins Freie geschleudert. Der Bürgermeister von Bilbao, Inaki Azkuna, sagte, es bestünden keine Zweifel daran, dass die Toten Mitglieder der ETA gewesen seien. Im Fahrzeug hatten sich ausser dem Sprengstoff auch grössere Mengen von Waffen und Munition befunden.

Weil die Opfer durch die Explosion zerfetzt wurden, war ihre Identifizierung schwierig. In den Trümmern wurde ein gefälschter Ausweis gefunden, auf dessen Foto die Polizei Patxi Rementeria, Anführer des ETA-Kommandos in der Provinz Vizcaya, identifizierte.

Besonders gefährliches Kommando

Das Kommando Vizcaya gilt als besonders gewalttätig. Der 39-jährige Rementaria wird von der Polizei unter anderem für den Mord am konservativen Kommunalpolitiker Miguel Angel Blanco 1997 verantwortlich gemacht.

Sein Tod hatte eine Welle des Protestes in Spanien gegen die ETA-Gewalt ausgelöst. Insgesamt soll Rementaria an 19 Anschlägen mitgewirkt haben, bei denen vier Menschen getötet wurden. Er gehörte der ETA seit 1981 an.

Anschlag geplant

Nach Angaben der Polizei hatten die vier mutmasslichen ETA-Terroristen entweder einen Anschlag geplant oder den Sprengstoff und die Waffen von einem Versteck in ein anderes transportieren wollen.

Bisher waren 25 ETA-Mitglieder beim Hantieren mit Sprengstoff oder Waffen getötet worden. Zuletzt hatte sich ein ähnlicher Vorfall vor zehn Jahren in San Sebastián ereignet.

Terroroffensive

Die Euskadi Ta Askatasuna (Baskenland und Freiheit, ETA) hatte im Juli eine grosse Terroroffensive gestartet. Sie kämpft seit 1968 für einen unabhängigen Baskenstaat in Nordspanien und Südfrankreich. Die Organisation wird für den Tod von 800 Menschen verantwortlich gemacht. Sie hatte 1998 einen Waffenstillstand ausgerufen, ihn jedoch nach einer einzigen Verhandlungsrunde mit der spanischen Regierung widerrufen. Seitdem sind bei mutmasslichen ETA-Anschlägen sieben Menschen getötet worden.

(klei/sda)

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