Atemwegserkrankung
Vierter Mensch in Südkorea am Mers-Virus gestorben
publiziert: Freitag, 5. Jun 2015 / 06:46 Uhr / aktualisiert: Freitag, 5. Jun 2015 / 11:55 Uhr
Mehr als 1600 Menschen, die sich angesteckt haben könnten, wurden unter Quarantäne gestellt. (Archivbild)
Mehr als 1600 Menschen, die sich angesteckt haben könnten, wurden unter Quarantäne gestellt. (Archivbild)

Seoul - Beim bisher grössten Mers-Ausbruch ausserhalb des Nahen Ostens ist in Südkorea die Zahl der Todesfälle und Neuerkrankungen erneut gestiegen. Das Gesundheitsministerium in Seoul teilte am Freitag mit, dass ein vierter Patient an der Viruserkrankung gestorben sei.

6 Meldungen im Zusammenhang
Die Zahl der Erkrankten sei zudem seit Donnerstag von 36 auf 42 gestiegen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kündigte an, eine Gruppe von Experten nach Südkorea zu entsenden, um sich ein genaueres Bild von der Lage zu verschaffen.

Viele Südkoreaner werfen den Gesundheitsbehörden vor, zu zögerlich auf den Ausbruch reagiert zu haben. Für Aufregung sorgte am Donnerstagabend der Bürgermeister von Seoul, Park Won Soon, mit dem Aufruf an 1500 Bürger, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben.

Ein mit Mers infizierter Arzt habe am vorigen Wochenende an grossen Veranstaltungen in der Hauptstadt teilgenommen, obwohl er Symptome der Krankheit gezeigt habe. Die Aktivitäten des Arztes hätten durch die Behörden besser kontrolliert werden sollen, sagte Park laut der Zeitung "The Korea Herald". "Wir sind in eine Krise geraten."

Das Präsidialamt in Seoul warf Park vor, durch seine Bemerkungen die Furcht vor Mers weiter angefacht und für Missverständnisse gesorgt zu haben. Auch der Arzt wies Vorwürfe Parks zurück, er sei zuvor aufgefordert worden, sich in Quarantäne zu begeben.

Übertragung durch Klimaanlage

Mehr als zwei Wochen nach der Aufdeckung des ersten Falls in Südkorea nannte das Gesundheitsministerium zum ersten Mal auch den Namen des Spitals, in dem sich die meisten Mers-Kranken angesteckt hätten. Es handele sich um das St Mary's Hospital in der südlich von Seoul liegenden Stadt Pyongtaek.

30 der über 40 Mers-Patienten hätten sich dort infiziert. Eine Übertragung des Virus durch die Klimaanlage der Klinik könne nicht ausgeschlossen werden, hiess es. Typische Mers-Symptome sind Fieber, Lungenentzündung und Nierenversagen.

Der erste Mers-Patient in Südkorea war ein 68-Jähriger, der im Mai von einer Nahost-Reise zurückgekehrt war. Alle Folgeinfektionen bei Klinikpersonal, Patienten und Angehörigen gehen auf ihn zurück. Am Dienstag hatten die Behörden die ersten beiden Mers-Todesfälle gemeldet, am Donnerstag den dritten.

Das Mers-Virus bestimmt in Südkorea zunehmend das öffentliche Leben: Mehr als tausend Schulen und Kindergärten sind geschlossen. Fast 2000 Menschen aus dem Umfeld von Mers-Infizierten stehen unter Quarantäne oder Beobachtung. In Seoul tragen inzwischen zahlreiche Menschen aus Furcht vor einer Ansteckung in U-Bahnen und Bussen Atemschutzmasken.

Mers-Virus weitgehend unerforscht

"Auf der Grundlage aktueller Daten und der WHO-Risiko-Einschätzung gibt es keinen Beweis für eine kontinuierliche Übertragung von Mensch zu Mensch in Gemeinschaften und keinen Beweis für eine Übertragung durch die Luft", hiess es in einer Erklärung der WHO.

Allerdings sei das Mers-Virus noch weitgehend unerforscht. Zusammen mit den südkoreanischen Behörden wolle man weitere Untersuchungen anstellen. Nach südkoreanischen Angaben könnte die WHO-Expertengruppe in der kommenden Woche nach Seoul reisen.

Mers gehört zu den Coronaviren, ebenso wie viele Erkältungsviren und auch der Sars-Erreger. Das Virus wurde erstmals 2012 in Saudi-Arabien nachgewiesen. Bis zum 3. Juni waren bei der WHO weltweit 1179 bestätigte Mers-Fälle erfasst, 442 der Patienten starben.

(flok/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Mers zählt wie viele Erkältungsviren und auch der Sars-Erreger zu den Coronaviren. (Symbolbild)
Seoul - Südkoreas Behörden haben ... mehr lesen
Seoul - In Südkorea ist die Zahl der ... mehr lesen
Die Zahl der Mers-Patienten steigt.
Seoul - Das Mers-Virus bestimmt in Südkorea zunehmend das öffentliche Leben: Mehr als 900 Schulen und Kindergärten blieben am Donnerstag geschlossen. Die Zahl der Infizierten stieg um sechs weitere Personen auf 36 an. mehr lesen 
Seoul - Südkorea hat wegen des ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Seoul - In Südkorea sind zwei mit ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere Forschungsprojekte und einem grösseren Forscherkreis zur Verfügung.
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere ...
Medizinische Forschung  Bern - Das Inselspital nimmt mit der «Liquid Biobank Bern» das derzeit modernste Tiefkühllager für Blut und andere flüssige Bioproben in der Schweiz in Betrieb. Die Biobank soll zur wichtigen Forschungsressource für massgeschneiderte Medizin werden. mehr lesen 
Wegen Zika - Acht Wochen nur geschützt  Genf - Touristen sollen nach ihrer Heimreise aus Zika-Gebieten mindestens acht Wochen auf ungeschützten Sex verzichten. Das riet die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag. mehr lesen  
98 neue, unbekannte und künstliche Rauschmittel  Lissabon - Immer mehr neue Rauschmittel halten Einzug in Europa. Der europäische Drogenmarkt sei «nach wie vor robust», teilte die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) in ihrem am Dienstag in Lissabon veröffentlichten Jahresbericht 2016 mit. mehr lesen  
Erhöhtes Osteoporose-Risiko  Trondheim - In den letzten Wochen der Schwangerschaft gehört die Weitergabe von Kalzium an den Fötus zur Förderung der Knochenentwicklung zu den wichtigen Vorgängen. mehr lesen
Die Knochendichte eines Frühchens ist geringer.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 20°C 35°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 21°C 36°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 20°C 32°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 20°C 35°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 20°C 35°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Genf 22°C 35°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 23°C 36°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten