Mehr Mitgefühl und weniger Selbstkritik
Virtuelle Therapie hilft bei Depressionen
publiziert: Mittwoch, 17. Feb 2016 / 08:29 Uhr
Laut Forschungsleiter Chris Brewin waren die Ergebnisse vielversprechend.
Laut Forschungsleiter Chris Brewin waren die Ergebnisse vielversprechend.

Patienten stellen sich in einer virtuellen Realität als Avatar eines weinenden Kindes dar und bekämpfen damit ihre Depressionen.

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Laut Forschern des University College London könnte das künftig Standard werden. Die Patienten tragen ein Headset, das lebensgrosse Bilder projiziert - und zwar zuerst vom Erwachsenen und dann vom Kind. Für die Studie wurde das Konzept erstmals bei Patienten mit psychischen Problemen getestet.

Weinendes Kind trösten

Die Wissenschaftler vermuten bereits seit einigen Jahren, dass eine virtuelle Therapie bei psychischen Problemen hilft. Die im «British Journal of Psychiatry Open» veröffentlichten Ergebnisse sind die Grundlage für eine grossangelegte klinische Studie, die für die Zukunft geplant ist. Für die aktuelle Studie machten 15 Personen, die alle wegen Depressionen in Behandlung waren, Erfahrungen mit einem Avatar.

Die zehn Frauen und fünf Männer setzten ein Headset auf, das ihnen eine erwachsene Version ihrer selbst in einem virtuellen Spiegel zeigte. Die Teilnehmer sollten sich mit dem Avatar identifizieren, der genau ihre Körperbewegungen widerspiegelte. Dann bemerkten sie einen weiteren Avatar eines kleinen weinenden Kindes, der ebenfalls im Spiegel zu sehen war. Sie wurden ersucht, mitfühlende Sätze zum Kind zu sagen, zu versuchen, es zu beruhigen und zu trösten. Es sollte sich an glückliche Zeiten erinnern und an jemanden denken, der es liebte.

Deutliche Verbesserungen

In einem nächsten Schritt wurden die Rollen umgekehrt. Die Teilnehmer fanden sich im Avatar des Kindes wieder und bekamen genau jene tröstenden Sätze zu hören, die sie zuvor selbst zum Kind gesagt hatten. Laut Forschungsleiter Chris Brewin waren die Ergebnisse vielversprechend. Die Patienten selbst berichteten von sehr intensiven Erfahrungen. Ein Monat nach Beendigung der Studie stellte sich bei neun der 15 Patienten zwischen 23 und 61 Jahren eine Verbesserung der Symptome ein. Vier dieser neun Teilnehmer berichteten sogar von einer deutlichen Verbesserung. Beim Rest der Gruppe stellte sich keine Veränderung ein.

Die Sitzungen dauerten 45 Minuten. Jeder der Teilnehmer absolvierte im Rahmen der Studie drei Einheiten. Brewin geht davon aus, dass die Wirkung der Behandlung bis zu einem Monat anhält. «Menschen, die mit Angstgefühlen und Depressionen zu tun haben, können sehr selbstkritisch sein, wenn etwas in ihrem Leben schiefgeht. Das Ziel war es, den Patienten mehr Mitgefühl mit sich selbst und weniger Selbstkritik beizubringen», so Brewin abschliessend.
 

(arc/pte)

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