Vize-Juniorenweltmeister Lukas Grunder: «Schiessen ist mit einer Kampfsportart vergleichbar»
publiziert: Montag, 9. Aug 2010 / 10:05 Uhr
Lukas Grunder, Sporthilfe Nachwuchsathlet des Jahres 2009.
Lukas Grunder, Sporthilfe Nachwuchsathlet des Jahres 2009.

Lukas Grunder ist beim Schiessen nicht nur zielsicher, er weiss auch ganz genau, was er will: eine Medaille an den Olympischen Spielen in London. Der mehrfache Junioreneuropameister und Vize-Juniorenweltmeister erklärt im Interview, warum Schiessen für Zuschauer unattraktiv ist, mit welchen Vorurteilen er konfrontiert wird und was er vom Vergleich mit Carlo Janka hält.

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Stiftung Schweizer Sporthilfe

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Was bedeutet dir die Auszeichnung der Sporthilfe als «Nachwuchsathlet des Jahres 2009»?

Lukas Grunder: Es ist eine riesige Ehre, mit ehemaligen Preisgewinnern wie Fabian Cancellara oder Didier Défago in einer Reihe zu stehen – besonders, weil ich der erste Sportschütze bin. Die Auszeichnung ist nicht nur für mich, sondern für den ganzen Schiesssport wertvoll. Ich möchte die Aufmerksamkeit nun nutzen, um in der Schweiz gute Werbung für meinen Sport zu machen und Vorurteile abzubauen.

Welchen Vorurteilen gegenüber dem Schiesssport begegnest du denn?

Viele denken, dass Schiessen einfach nur Rumballern ist und nichts mit Sport zu tun hat. Die Leute können sich kaum ein Bild machen, weil sie den Sport weder aus eigener Erfahrung noch aus den Medien kennen. Die meisten reagieren aber auf eine positive Art neugierig und möchten mehr darüber erfahren.

Als Tennisspieler oder Skirennfahrer hättest du mit deinen Erfolgen in der Schweiz wohl einen bekannten Namen. Warum kennt man die Schützen kaum?

Leider ist Sportschiessen überhaupt nicht populär. Ich bin realistisch: Beim Fernsehen würden die meisten Zuschauer nach fünf Minuten abstellen. Es stehen 20 Schützen nebeneinander, regungslos, ohne Action oder Emotionen und drücken ab. Die fehlende Action macht die Sportart für Zuschauer unattraktiv. Daher unterschätzen sie, wie spannend es ist, selbst zu schiessen. Und so ist es natürlich auch schwierig, Nachwuchs zu finden.

Jetzt liegt der Ball bei dir. Wie würde denn dein Werbespot für deine Sportart lauten?

Schiessen ist viel mehr als einfach nur im Schiessstand stehen. Es ist mit einer Kampfsportart vergleichbar – wobei man nicht den Gegner, sondern den eigenen Körper beherrschen muss. Ausserdem ist das Ausgleichstraining mit Boxen, Ausdauer und Kraft sehr abwechslungsreich. Und nicht zu vergessen: Man kommt viel in der ganzen Welt herum – ich war zum Beispiel schon in China und Russland.

Mit welchem Gedanken trittst du einen Wettkampf an?

Egal an welchem Wettkampf: Ich trete an, um zu gewinnen. Während dem Schiessen mache ich mir aber keine Gedanken um eine Medaille. Dann konzentriere ich mich einzig und allein auf meine Aufgabe, das Ziel perfekt zu treffen.

Was macht dich zu einem so guten Sportschützen?

Sicher meine Nervenstärke. Beim Schiessen muss man seine Gefühle extrem gut im Griff haben und den Wettkampf äusserlich völlig kalt und emotionslos durchziehen. Die kleinste äusserliche Schwäche stärkt die Konkurrenten. Auch wenn man auf Siegerkurs liegt, darf man nicht die Nerven verlieren, denn: Erst nach dem letzten Schuss ist der Wettkampf fertig.

Du bist mental extrem stark, nichts scheint dich aus der Ruhe zu bringen. Das erinnert mich an Carlo Janka…

Nach aussen hin vielleicht. Ich weiss aber nicht, wie es innerlich in Carlo aussieht. Ich selbst bin immer nervös, egal an welchem Wettkampf. Die Kunst liegt darin, dies nicht zu zeigen. Das ist pure Taktik.

Wie sieht dein Trainingsalltag aus?

Ich trainiere normalerweise jeden Tag etwa zwei Stunden. Dies sind meistens etwa vier Schiesstrainings pro Woche. Für Körperbeherrschung, Kraft und Kondition boxe ich regelmässig und mache Kraft-, Ausdauer- und Stabilisationstraining.

Welches ist rund um den Sport deine grösste Herausforderung?

Die Zeit. Hätte der Tag 48 Stunden, wäre für mich einiges einfacher. Während der Lehre als Polymechaniker musste ich Job, Schule und Sport unter einen Hut bekommen – da gab es oft Tage, an denen ich 18 bis 19 Stunden unterwegs war. Besonders die letzten Monate waren hart, weil die Abschluss-Prüfungen vor der Tür standen. Sport und Lernen gingen nicht mehr aneinander vorbei und ich musste mein Trainingspensum zurückschrauben.

Und wie geht es jetzt weiter?

Jetzt kann es wieder voll losgehen mit dem Training. Die Olympischen Spiele sind eine andere Liga, deshalb konzentriere ich mich bis London 2012 zu 100 Prozent auf den Sport und werde Profi.

Wie hilft dir die Unterstützung der Sporthilfe auf diesem Weg?

Bis jetzt haben mich nur Materialsponsoren unterstützt, deshalb kann ich das Preisgeld der Sporthilfe von fast 10’000 Franken extrem gut brauchen. Zum Beispiel für die teuren Reisen an Wettkämpfe im Ausland.

Du hast schon einiges erreicht. Wenn ich nun 100 Franken darauf wette, dass du einmal Olympiasieger wirst: Wie realistisch ist mein Tipp?

Chancen hat man immer. Wenn man an den Olympischen Spielen teilnimmt, dann sind mindestens 20 gleich gute Schützen dort. Wer gewinnt, entscheidet der Wettkampftag. Wenn man den perfekten Tag erwischt und schon mit einem «Flow» aufsteht, dann ist alles möglich.

(sda)

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