Vize-Ministerpräsident Schagur in Libyen zum Regierungschef gewählt
publiziert: Donnerstag, 13. Sep 2012 / 08:09 Uhr

Tripolis - In Libyen ist Mustafa Abu Schagur zum neuen Ministerpräsidenten gewählt worden. In der Nationalversammlung erhielt der bisherige stellvertretende Regierungsschef, der lange in den USA lebte, am Mittwoch 96 der 200 Stimmen. Damit setzte er sich knapp gegen Mahmud Dschibril durch, der Libyen nach dem Sturz von Muammar al-Gaddafi als Ministerpräsident diente und auf 94 Stimmen kam.

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Abu Schagur steht den Islamisten nahe. Der 61-Jährige studierte und promovierte in den USA; dorthin hatte er sich als Gegner von Gaddafi bereits in den 1980er Jahren begeben. Abu Schagur, der lange Jahre an Universitäten in den USA und am Golf gelehrt hat, war erst kürzlich aus dem Exil zurückgekehrt.

Abu Schagurs Hauptaufgabe in Libyen wird es nun sein, für Sicherheit im Land zu sorgen. Er muss eine neue Regierung bilden, die das Übergangskabinett von Abdelrahim al-Kib ablösen soll. Die neue Regierung soll das Land bis zur Verabschiedung einer Verfassung und einer erneuten Parlamentswahl führen.

Die Wahl fand nur Stunden nach dem tödlichen Angriff auf den US-Botschafter statt. In einem Interview mit der Nachrichenagentur Reuters hatte Abu Schagur jüngst angekündigt, die wichtigste Aufgabe sehe er in der Lösung der massiven Sicherheitsprobleme.

Der Angriff radikaler Islamisten auf den US-Botschafter und drei Mitarbeiter in der ostlibyschen Metropole Bengasi war weltweit auf Empörung gestossen.

Immer noch bewaffnete Gruppen im Land

Nach der Revolte gegen Machthaber Gaddafi hat die libysche Übergangsregierung grosse Schwierigkeiten, die Ordnung im Land herzustellen. Zahllose bewaffnete Gruppen weigern sich, ihre Waffen niederzulegen, und nehmen das Gesetz häufig selbst in die Hand.

Angestachelt von einem Islam-feindlichen Internetvideo hatten vor dem Angriff auf die US-Vertretung in Bengasi aufgebrachte Muslime in der ägyptischen Hauptstadt Kairo versucht, in die dortige US-Botschaft einzudringen. Ihr Zorn richtete sich gegen einen in den USA produzierten Filmtrailer, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. International wurde die Gewalt scharf verurteilt.

(laz/sda)

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