«Vogue» will mit Rassismus aufräumen
publiziert: Samstag, 21. Jun 2008 / 22:20 Uhr / aktualisiert: Samstag, 21. Jun 2008 / 23:00 Uhr

Rom - Die aktuell erschienene italienische Ausgabe der Modezeitschrift «Vogue» bricht mit einem unausgesprochenen Tabu der Modeszene. Entgegen der bislang verbreiteten Praxis werden im Juliheft ausschliesslich dunkelhäutige Models gezeigt.

Die Juliausgabe der «Vogue» will mit xenophoben Vorurteilen aufräumen. Ist es Marketing-Strategie oder ernsthaftes Anliegen?
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Die rund 100 Seiten des Hochglanzmagazins werden dabei von Fotografien des berühmten New Yorker Modefotografen Steven Meisel gefüllt und durch redaktionelle Beiträge über farbige Frauen in der Kunst- und Unterhaltungsbranche ergänzt.

Für die verantwortliche Chefredakteurin der «Vogue» Italia, Franca Sozzani, ist die aktuelle Veröffentlichung ein längst überfälliger Schritt. Man müsse mit den «xenophoben Vorurteilen» innerhalb der Modebranche aufräumen. «Es gibt eine Menge wunderschöner farbiger Models, die sich darüber beschweren, dass sie nicht ausreichend gebucht werden», erklärte Sozzani bereits im Vorfeld der Veröffentlichung gegenüber der britischen Zeitung Independent.

Rassismus im Model-Geschäft

«Die Mode- und Werbeindustrie versinkt im Rassismus. Man muss sich nur umsehen und darauf achten, wie viele farbige Models in Werbeanzeigen zu sehen sind», erklärt Nick Knight, einer der führenden britischen Modefotografen gegenüber dem Independent. Unter den grossen Namen der Modebranche seien dunkelhäutige Frauen eindeutig unterrepräsentiert. «Das ist schockierend und schrecklich», kritisiert Knight.

Verantwortlich hierfür seien vor allem die mächtigen Köpfe innerhalb der Modeszene. Diese hätten immer wieder damit argumentiert, dass farbige Models «nicht anspruchsvoll genug» wirken würden und somit «nicht verkaufsfördernd» seien. Knight zufolge sei es aber enorm wichtig für die Branche, die Balance zwischen hell- und dunkelhäutigen Models aus verschiedenen ethnischen Gruppen zu verbessern.

Kein Tabubruch

«Farbige Menschen sind in der Werbung inzwischen eine Selbstverständlichkeit», kontert Volker Nickel, Sprecher des Deutschen Werberats. Von einem Tabubruch zu sprechen sei laut Nickel deshalb sehr weit hergeholt. «Werbung ist immer ein Spiegel der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse.

In Zeiten der Globalisierung müssen Werbetreibende auch auf das Zusammenwachsen der unterschiedlichen Völker eingehen», meint Nickel. Da sei es eine ganz normale Entwicklung, dass zunehmend auch mehr Farbe in die Werbung einziehe.

Nur Auflage steigern?

«Für einen Werbetreibenden ist lediglich wichtig, dass sich sein Kunde und die von ihm angepeilte Zielgruppe in der jeweiligen Werbung wiederfinden», erläutert Nickel. Den aktuellen Schritt der italienischen «Vogue» sieht der Werbeexperte in dieser Hinsicht eher als Marketinggag. «Man muss genau wissen, warum ein Unternehmen so etwas macht», betont Nickel.

Bereits Mitte April hatte die US-Ausgabe der «Vogue» mit ihrer Ausgabe eine heisse Debatte über Rassismus in den Medien ausgelöst. Ausschlaggebend hierfür war die erstmalige Ablichtung eines Afroamerikaners auf der Titelseite des Modemagazins. Damals musste das Blatt allerdings heftige Kritik einstecken. Medien und Experten warfen dem Magazin vor, rassistische Motive darzustellen und bewusst zu provozieren, um die eigene Auflage steigern zu können.

(tri/pte)

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