Voll ins Schwarze
publiziert: Freitag, 17. Feb 2006 / 11:15 Uhr

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Wer Dick Cheney vors Visier kommt, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Saddam Hussein kann davon ein Liedchen singen. Ebenso Valerie Plame, die geoutete CIA-Agentin. Oder – seit letzter Woche – Harry Whittington, Freund von Cheney und ein Mann, den dieser bei der Jagd schwer verletzte, weil er ihn offenbar nicht klar von einer Wachtel unterscheiden konnte.

Dies, obwohl Whittington, ein 78 jähriger Texaner, weder ein graues Federkleid trägt, noch sonst irgendwelche Ähnlichkeiten mit diesen Hühnervögeln aufweist. Dazu gelang es Cheney nicht nur, seinem Freund lebensbedrohende Verletzungen beizubringen, er landete auch einen Volltreffer auf sich selbst und seine Regierung. Denn mit seiner Informationspolitik zu diesem Jagdunfall hat er sich mal wieder einen Stiefel voll raus geholt.

Es fing damit an, dass der Zwischenfall erst am Tag nach dem Unfall über völlig absurde Wege publik wurde. Als erstes wurde die Sache nämlich in einem Provinzblättchen gebracht, dem es nicht von Cheney selbst, sondern von der Eigentümerin der Ranch gesteckt wurde. Auch die Polizei kam erst am Tag darauf auf die Ranch, um Cheney zu befragen. Cheney selbst nahm erst am Mittwoch – nach grossem Druck aus dem Weissen Haus – Stellung in der Öffentlichkeit. Er ging aber selbst dann auf Nummer sicher und liess sich auf Fox News interviewen, dem inoffiziellen Regierungssender der Bush-Administration. Natürlich gab es keine Fragen darüber, warum nicht sofort die Polizei geholt wurde (war Cheney alkoholisiert, als er schoss? Sollte eine Blutprobe vermieden werden?), ob Whittington wirklich 30 Meter weit weg war (das Streumuster des Schrots erzählt eine andere Geschichte) und was die Botschafterin der USA für die Schweiz und Liechtenstein dort machte (es gibt schon lange Gerüchte über ein Techtel-Mechtel zwischen Cheney und Pamela Willeford).

Der Präsident hingegen war – im Gegensatz zu ziemlich allen anderen, die das Interview sahen – zufrieden mit Cheney und meinte, er halte zu ihm. Kein Wunder, wird doch schon seit Jahren kolportiert, dass der eigentliche Boss der US-Regierung weder abstehenden Ohren noch massive Probleme mit dem Englischen hat, es mithin nicht Bush sein kann. Und den Boss anzugreifen, kann sich Bush offensichtlich nicht erlauben.

Doch die Presse und die Öffentlichkeit sind nicht so gnädig. Cheney probierte anfänglich über den Pressesprecher, die Schuld am Unfall Whittington anzuhängen. Doch das ging voll in die Hose. Der Schütze ist IMMER schuld. Auch wenn Cheney letztendlich die Verantwortung eingestand, vergessen wird sein abstossender Versuch, die Schuld aufs Opfer abzuwälzen, sicher nicht.

Die Angst, die Cheney bisher immer verbreitete, weicht immer mehr Spott und Häme. Es wird mittlerweile schon hervorgehoben, wie viele Tage Cheney schon hinter sich brachte, ohne jemanden ins Gesicht zu schiessen. Sein verhalten bei der Jagd wird direkt mit der Politik verglichen – erst mal schiessen und nachher nach einer Entschuldigung für den Fehlschuss suchen.

Nun mag man sagen, dass dies nur ein Jagdunfall war, nur ein kleiner Zwischenfall, der nichts mit der grossen Politik zu tun hat. Aber die grosse Politik wird von denselben Leuten betrieben, mit derselben Moral, mit demselben Gewissen. Cheney hat einen Freund, jemanden, den er offenbar gern hat, angeschossen. Er versuchte, sich aus der Verantwortung zu winden und hat mit seiner Verzögerungstaktik korrekte Ermittlungen behindert. Nun stelle man sich mal vor, wie dieser Mann handelt, wenn er es mit Menschen zu tun hat, die er weder kennt, noch mag. Beängstigend, nicht wahr?

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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