Vom Selbstläufer zur Zitterpartie
publiziert: Sonntag, 22. Okt 2006 / 21:39 Uhr

Am Anfang wars ein Selbstläufer, geendet hats mit einer Zitterpartie: Fernando Alonso schaffte den zweiten Titelgewinn trotz eines zwischenzeitlichen Tiefs - auch dank dem unsäglichen Pech von Michael Schumacher in der WM-Schlussphase.

Fernando Alonso: Der Weltmeister der Superlative.
Fernando Alonso: Der Weltmeister der Superlative.
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Die Basis zum neuerlichen Gesamtsieg legte Alonso in der ersten Saisonhälfte; nach sechs Siegen und drei zweiten Plätzen hatte er seinen ersten Verfolger Michael Schumacher um 25 Punkte distanziert und schien unaufhaltsam der erfolgreichen Titelverteidigung entgegenzusteuern.

Doch just zu Beginn der zweiten «Halbzeit», im Grand Prix der USA in Indianapolis, begann das Erfolgsgefüge bei Renault zu bröckeln, wechselten die Machtverhältnisse und die Vorteile auf die Seite von Schumacher und Ferrari.

Verantwortlich dafür waren neben mangelhafter Standfestigkeit des Autos (Motorschaden in Monza) auch Unzulänglichkeiten der Boxencrew (fehlerhafte Radmontage in Mogyord und in Schanghai).

Ärger mit den Regeln

Noch grössere Ärgernisse brachten Alonso und seiner Entourage in diesem Zeitraum aber Entscheide der FIA respektive der Stewards.

Ende August hatte das unabhängige Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes die so genannten Massedämpfer als reglementswidrig taxiert und sie verboten.

Renault hatte das in der Frontpartie der Autos eingebaute System, das Vibrationen lindert und derart die aerodynamische Wirkung optimiert, seit September 2005 eingesetzt und sich gegenüber der Konkurrenz einen nicht zu unterschätzenden Vorteil verschafft.

Probleme in Monza

Zu diesem Verbot gesellte sich die (nicht nachvollziehbare) Strafe gegen Alonso in Monza. Der Spanier wurde Stunden nach dem Qualifying und einem Protest von Ferrari in der Startaufaufstellung um fünf Positionen auf Platz 10 zurückversetzt, weil er Schumachers Teamgefährten Felipe Massa behindert haben soll.

Das brachte den ansonsten ruhigen und besonnenen Asturier derart in Rage, dass er die Neutralität der FIA-Vertretern öffentlich in Frage stellte. «Die Formel 1 ist für mich ab heute kein Sport mehr», sagte er in Monza mit Tränen in den Augen.

Zur (vorübergehenden) Wende trug Ferrari indessen auch auf sportlicher Seite seinen Teil bei. Die steten Verbesserungen am Auto erlaubten es Michael Schumacher, mit fünf Siegen in sieben Grands Prix den Rückstand wettzumachen und als Leader vor dem punktgleichen Alonso nach Japan zu reisen.

Der Motorschaden im roten Wagen mit dem Deutschen stellte die Situation aber noch einmal auf den Kopf. Und diese zweite Chance liess sich Alonso nicht mehr entgehen.

Freude bei McLaren-Mercedes

Freuen über Alonsos zweiten Titel darf sich neben Renault auch McLaren-Mercedes, der neue Arbeitgeber des 25-Jährigen. Dank Alonso wird erstmals seit sieben Jahren, als Mika Häkkinen die Saison 2000 als Weltmeister in Angriff genommen hatte, wieder die Startnummer 1 auf einem «Silberpfeil» prangen.

Die Erfolge verdankt Alonso nicht nur den überdurchschnittlichen Fahrkünsten und der für sein Alter erstaunlichen Abgeklärtheit und Reife, sondern auch seinem umsichtigen, gewieften Manager Flavio Briatore, der ihn behutsam an die Formel 1 herangeführt hat.

Alonso debütierte 2001 im Minardi-Team, in dem unter anderen auch Jarno Trulli, Giancarlo Fisichella und Mark Webber ihre Karrieren lancierten, verdingte sich nach seinem Wechsel zu Renault aber für ein weiteres «Lehrjahr» als Testfahrer.

Nach seinem Aufstieg zum Stammpiloten gings dann aber schnell und stetig aufwärts. Nach den Rängen 6 und 4 in den Schlussklassementen der Saisons 2003 und 2004 darf er sich nun bereits zweifacher Weltmeister nennen.

Jüngster Weltmeister

Mit seinem Titelgewinn im Vorjahr hatte sich Alonso im Alter von 24 Jahren und 59 Tagen zum jüngsten Formel-1-Champion der Geschichte gemacht.

In dieser Statistik löste er Emerson Fittipaldi ab. Der Brasilianer war 25 Jahre und 274 Tage alt, als er im September 1972 in Monza den ersten seiner zwei Titel sichergestellt hatte. Alonso hat weitere Superlative zu bieten.

Er ist der jüngste Fahrer, der je einen Grand Prix gewonnen hat; er war erst 22 Jahre und 27 Tage alt, als er Ende August 2003 in Ungarn als Sieger abgewinkt wurde. Schon fünf Monate früher hatte er sich in Malaysia seine erste Pole-Position gesichert - und schon dort für einen Altersrekord gesorgt.

Der Preis des Erfolgs

In Spanien, wo die Formel 1 erst dank seiner Erfolge salonfähig geworden ist, hat der alte und neue Weltmeister längst Heldenstatus erlangt; seiner Fangemeinde hat sich sogar König Juan Carlos angeschlossen.

Die Popularität hat aber einen hohen Preis: Weil er sich in der Öffentlichkeit kaum mehr frei bewegen kann, kehrt Alonso nur noch selten in seine Heimatstadt Oviedo zurück und verbringt er den grössten Teil seiner Freizeit am Zweitwohnsitz in Oxford in England.

Fernando Alonso
Geboren am 29. Juli 1981 in Oviedo (Asturien/Sp); Wohnsitze in Oviedo und Oxford (Eng). -- 1,71 m/68 kg. -- Ledig.

Karriere-Höhepunkte. Kart. 1994 und 1997: Spanischer Meister. 1996: Jugend-Weltmeister. 1998: EM-Zweiter. -- Automobil. 1999: Euro Open Nissan. 2000: Vierter Formel 3000 (1 Sieg), Testfahrer Minardi. 2001: Formel-1-Debüt am 4. März 2001 in Australien. 2002: Testfahrer Renault. 2003: Erste WM-Punkte im 18. Grand Prix (7./Au). Erste Pole-Position im 19. Grand Prix (Mal). Erster Sieg im 30. Grand Prix (Un). WM-Sechster Formel 1. 2004: WM-Vierter Formel 1. 2005: Weltmeister Formel 1. 2006: Weltmeister Formel 1.

Formel 1. 2001 (Minardi-European): 17 GP, 0 Punkte. -- 2003 (Renault): 16 GP, 1 Sieg (Un), 1 SR (Ka), 2 PP (Mal, Un), 55 Punkte, WM-Sechster. -- 2004 (Renault): 18 GP, 1 PP (Fr), 59 Punkte, WM-Vierter. -- 2005 (Renault): 18 GP, 7 Siege (Mal, Bah, SanM, Eur, Fr, De, China), 2 SR (Au, Eur), 6 PP (Mal, Bah, Fr, Gb, Br, China), 133 Punkte, Weltmeister. -- 2006 (Renault): 18 GP, 7 Siege (Bah, Au, Sp, MC, Gb, Ka, Jap), 5 SR (Mal, SanM, Gb, China, Jap), 6 PP (Eur, Sp, MC, Gb, Ka, China), 134 Punkte, Weltmeister.

Gesamtbilanz: 2 WM-Titel, 87 GP (davon 70 für Renault), 15 Siege, 381 WM-Punkte, 15 PP, 8 SR, 37 Podestplätze.

(rr/Si)

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