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Von Dänikens phantastischer Lebenstraum geplatzt
publiziert: Donnerstag, 16. Nov 2006 / 11:50 Uhr / aktualisiert: Montag, 24. Dez 2007 / 18:02 Uhr

Interlaken BE - Der Mystery Park in Interlaken schliesst am kommenden Sonntag seine Tore - möglicherweise für immer. Was aus dem bankrotten Rätselpark nach einer Idee von Bestsellerautor Erich von Däniken wird, ist noch völlig offen.

11 Meldungen im Zusammenhang
Der Park befindet sich in Nachlassstundung, nach wie vor werden Käufer gesucht. Findet sich niemand, kommt es im Januar zur konkursamtlichen Versteigerung, wie Geschäftsführer Fritz Zemp auf Anfrage sagte. Es scheint, als sei Erich von Dänikens Lebenstraum geplatzt.

Schon früh auf Schlingerkurs

Dabei begann vor rund zehn Jahren eigentlich alles recht vielversprechend. Die Gemeinden im Raum Interlaken wälzten Ideen zur Umnutzung des ehemaligen Militärflugplatzes. Von Däniken, der die Region für sich entdeckt hatte, schwebte der Bau eines auf seinen Ideen gründenden Parks über ungelöste irdische Rätsel vor.

In seinen 26 Büchern mit einer Gesamtauflage von 60 Millionen Exemplaren widmet sich von Däniken seiner Hypothese, dass Ausseriridische vor Urzeiten auf der Erde gelandet seien und den damaligen Menschen ihre Technologien vermittelten.

In der Tourismusregion Interlaken fand man an von Dänikens mit viel Herzblut und Überzeugung vorgetragenen, phantastischen Park-Ideen Gefallen. Nicht zuletzt versprach man sich vom Park eine attraktive Schlechtwetteroption für Touristen.

Bereits in der Bauphase geriet das ambitiöse Projekt ein erstes Mal finanziell unter Druck. Durch eine Investorengruppe um den Solothurner Financier Franz Gyger flossen dem Park schliesslich 43 Mio. Franken zu.

Unrealistische Annahmen

Im Mai 2003 öffnete der Park mit mehrmonatiger Verspätung seine Tore. Die neue Attraktion zog im ersten Betriebsjahr einiges Interesse auf sich. Die erwartete Besucherzahl von 500'000 Personen pro Jahr erwies sich aber als viel zu optimistisch.

Neben Lob und Auszeichnungen, wie dem Tourismuspreis Milestone, wurde der populärwissenschaftliche Rätselpark aber auch scharf kritisiert, etwa als «kulturelles und wissenschaftliches Tschernobyl» oder als «touristischer Schnellimbiss».

Ausstellungen zu statisch

Nach dem Anfangserfolg manifestierten sich zunehmend die Schwächen des Parks. So mangelte es den Ausstellungen an Dynamik und Interaktion, wie Geschäftsführer Zemp mehrfach einräumte. Es fehlten die Anreize, den Park mehr als einmal zu besuchen. Auch die Eintrittspreise wurden als zu hoch empfunden. In den Wintermonaten war der Besucherrückgang besonders stark.

Dies alles blieb nicht ohne Auswirkungen auf die finanzielle Situation, die sich zusehends verschlechterte. Es folgten Konzeptanpassungen, abenteuerliche Finanzierungszusagen, die sich in Schall und Rauch auflösten, handfeste Querelen im und um den Verwaltungsrat und zu allem Unglück auch noch das Hochwasser 2005.

Lichterlöschen am Sonntag

Unzählige Sanierungsvarianten wurden durchgerechnet und diskutiert, gescheitert sind sie alle. Im Sommer 2006 ging der Rätselpark schliesslich in Nachlassstundung. Eine letzte Hoffnung zerschlug sich, als ein Investor im Herbst in letzter Sekunde absprang.

Kurz vor seiner Schliessung konnten die Parkverantwortlichen noch den einmillionsten Besucher begrüssen. Am Sonntag geht die Ära Mystery Park nun auch für die über 70 Angestellten zu Ende. In der Region geistern Ideen für eine Weiternutzung des Areal herum, ob sie mehr als phantastische Hirngespinste sind, wird sich erst noch zeigen müssen.

(Therese Hänni/)

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