Von Gletscherbaumstämmen und ausgetrockneten Seen
publiziert: Donnerstag, 25. Okt 2007 / 11:33 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 25. Okt 2007 / 12:01 Uhr

Weiterführende Links zur Meldung:

Megadürre in Afrika
Kurzer Artikel über die Forschung zu der Megadürre in Afrika
sciencenow.sciencemag.org/cgi/content/full/2007/1010/3

Wikipedia zur Gletscherschmelze

de.wikipedia.org/wiki/Gletscherschmelze

Wenn die Gletscher schwinden und Feuersbrünste durch Südkalifornien toben, dann hören wir immer nur ein Wort: Klimawandel. Auch die jüngsten Brände in Südkalifornien wurden von Al Gore sofort dem weltweiten Temperaturanstieg angelastet: Eine Botschaft, illustriert von drastischen Bildern.

Andererseits legen die Gletscher immer wieder Relikte frei, die ein anderes Bild der Alpen, als wir es gewohnt sind, zeichnen. Lärchenstämme und Torffunde in Gletschermoränen künden von Zeiten, in denen Wälder bis auf 2000 Meter hinauf gewachsen sind und die Vegetationszone sich an Orten breit machte, wo sich heute Sommerskigebiete befinden.

Auf der Sorgenseite haben Paläontologen soeben festgestellt, dass die Massenaussterben der vergangenen geologischen Zeitalter mit klimatischen Veränderungen – speziell Erwärmungen – zusammengefallen seien. Allerdings könnten diese auch erst durch die eigentlichen Ursachen der Massenaussterben – zum Beispiel gigantische Vulkanausbrüche – ausgelöst worden sein.

Je mehr man sich mit dem durch den Menschen ausgelösten Klimawandel beschäftigt, desto mehr zeigt sich auch, dass hier vor allem die Ursache, aber nicht das Ereignis einzigartig ist. Klimakatastrophen zeigen sich sogar in unseren Körperzellen. Anhand des menschlichen Erbgutes lässt sich nämlich nachweisen, dass unsere Stammväter und -mütter einmal am Rande des Aussterbens gestanden haben und die Population der Urmenschen auf wenige Individuen zusammengeschrumpft war, bevor sich diese erst über Afrika und dann die ganze Welt ausgebreitet hatten.

Dieses Klimaereignis begann etwa vor 135'000 Jahren und dauerte gute 60000 Jahre an. Diese Dürre legte grosse Teile von Afrika trocken was sich anhand von Sedimentkernen in verschiedenen afrikanischen Seen beweisen lässt. Dies besonders eindrücklich am Malawi-See, der in jener Zeit 95% seines Wassers eingebüsst hatte. Die wenigen modernen Menschen, die jene katastrophalen Jahrtausende überlebt hatten, begannen, als das Klima wieder freundlicher wurde, vor 70'000 Jahren mit ihrer Emigration aus Zentralafrika heraus und mit der Eroberung von Nordafrika, Europa und Asien.

Es ist gut möglich, dass der durch diese Dürre ausgeübte Selektionsdruck auf die Urmenschen so gross war, dass wirklich nur die anpassungsfähigsten Individuen mit der grössten Improvisationsfähigkeit überlebten und genau jene Millennien des trockenen Horrors erst die globale Dominanz des Homo Sapiens Sapiens und so auch den heutigen Klimawandel möglich machten. Soviel zu kosmischer Ironie.

Doch auch etwas anderes wird durch diese Funde demonstriert: Ereignisse, die für die Welt und auch für die Biosphäre nur Wimpernschläge sind, könnten für eine Spezies das Ende bedeuten. Auch deshalb dürfen Baumstämme in Gletschermoränen nicht als Entwarnung genommen werden, dass ja nicht alles so schlimm sei.

Denn unsere hoch arbeitsteilige Gesellschaft und die ganze Weltwirtschaft gehen von gewissen Gegebenheiten aus. Nicht dazu gehören die Verschiebung von Klimazonen, der Ruin ganzer Agrar-Nationen wegen Verwüstung der Äcker und Hunderte Millionen von Flüchtlingen, die vor Hunger und Durst ihre Breitengrade flüchten.

Zu glauben, es könnte noch ohne grosse Verluste abgehen, ist vermutlich naiv. Viel mehr müsste damit begonnen werden, sich an diese Tatsachen anzupassen, die da auf uns zu kommen. Diese Herausforderungen werden gewaltig, sie werden dennoch zu bewältigen sein. Denn wir haben immer noch jene Zähheit und Anpassungsfähigkeit, die uns Menschen schon einmal eine Klimakatastrophe hat überleben lassen.

Ansonsten... die Erde wird es sicher überstehen.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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