Nachhaltigkeitswoche
Von Velos, Smoothies und Atommüll
publiziert: Freitag, 7. Mrz 2014 / 13:27 Uhr / aktualisiert: Freitag, 7. Mrz 2014 / 14:04 Uhr

Bei meinem ersten Blick ins Programmheft der Nachhaltigkeitswoche wurde mir schnell klar, dass sie - im Gegensatz zum Wetter - alles andere als grau und fad werden würde. Uni- und ETH-Angehörige haben viel Energie in das spannende Programm gesteckt, und um genau dieses vielseitige Thema drehte sich der Dienstag: «Energie».

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Ein leckerer Smoothie nach der Velotour, ohne jeglichen Strom zu verbrauchen? Wie das geht, das erfuhren die Besucher der Nachhaltigkeitswoche an Uni und ETH Zürich beim Bike-Smoothie-Workshop.

Raffinierte Technik

Ein Smoothie wird üblicherweise so hergestellt: Früchte, Beeren oder Gemüse und vielleicht noch etwas Honig oder Kokosnussfett in einen Mixer füllen, Knopf drücken, zwei Minuten mixen und fertig. Das wäre schlicht zu langweilig, um ins Programm der Nachhaltigkeitswoche aufgenommen zu werden. Ausser der Mixer funktioniert à la KfE (Kommission für Entwicklungsfragen UZH), nämlich mit Muskelkraft.

Martin von der KfE erklärte mir vor Ort, was man dazu braucht: einen alten Mixer, ein Velo mit Gepäckträger, Werkzeug wie Lötkolben und Stichsäge und etwas Material. Wer, wie ich in Zürich, so eine stromlose Smoothie-Maschine selbst bauen möchte, geht zum Beispiel in die Werkstadt des Freizeitzentrums Dynamo an der Limmat. Dort schafften es auch Martin und seine Kollegen, mit dem nötigen Werkzeug und etwas Geschick den Velo-Mixer an einem Nachmittag zusammenzubauen. Der Mixer funktioniert im Prinzip gleich wie ein sehr grosser Dynamo: Der Mixerfuss ist auf einem Brett am Gepäckträger befestigt. Durch ein Loch im Brett führt eine Winde vom Mixer hinunter zum Rad. Dort ist auf Höhe des Pneus ein Skateboard-Rad auf die Winde geschraubt, das am Pneu anliegt. Trampt man, so dreht sich auch die Winde, die ihrerseits die Mixermesser rotieren lässt. So produziert man bei der Velotour nebenher auch gleich noch den Smoothie für die Vitaminbombe danach.

Wohin mit dem Atommüll?

Nicht nur technisch, auch politisch interessant war der Energietag der diesjährigen Nachhaltigkeitswoche. Die Podiumsdiskussion über die Endlagerung von Atommüll zeigte klar auf, wie wichtig sowohl technische als auch gesellschaftliche Überlegungen sind. Lässt sich Nuklearabfall überhaupt verlässlich lagern? Und wenn ja, wie gestaltet sich ein von der Gesamtgesellschaft als gerecht empfundener Entschädigungsmechanismus? Obwohl unsere Kernkraftwerke bereits seit Jahrzehnten laufend Abfall produzieren, sind wir in diesen Fragen einer Antwort noch nicht viel näher gekommen. Klar ist, dass die Standortwahl für ein Endlager transparent und unabhängig erfolgen muss. Denn die grundsätzliche Einsicht, dass der Müll am technisch besten Standort gelagert werden soll, sei in der Bevölkerung vorhanden, berichteten die Referenten.

Drei Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima stellten die Veranstalter des Energietages die Frage, was von der Energiewende noch übrig ist. Der Entscheid, aus der Atomenergie auszusteigen ist im Grundsatz gefällt. Wie schnell und konsequent dieser umgesetzt wird, darüber wird noch gestritten. Viele Umweltorganisationen wünschen sich ein rascheres Tempo. Denn alles Geld, das jetzt noch in eine Sanierung und Ausbesserung der alten Atomkraftwerke investiert wird, fehlt bei der Förderung von erneuerbarer Energie.

Fehlendes Bewusstsein im Alltag

Wenn ich jedoch mein alltägliches Umfeld betrachte, dann ist fast nichts mehr übrig von der ursprünglichen Wende-Euphorie. Die Beispiele sind zahlreich - aber wehe, man weist seine Mitmenschen darauf hin, dass man das Geschirr nicht heiss vorzuspülen braucht oder dass es keinen Grund gibt, die Heizung zu Hause permanent auf Stufe 3 zu haben - erst recht nicht, wenn das Fenster gekippt ist. Denn spricht man seine Mitmenschen darauf an - so habe ich es erlebt - dann erntet man im besten Fall ein müdes Grinsen oder Schulterzucken. Da wäre der Besuch am Workshop «Energiesparen im Alltag» oder des Films «Kaufen für die Müllhalde», die den Energie-Dienstag komplettiert haben, vielleicht ein Anreiz zum Umdenken gewesen.

Für mich persönlich ist verwunderlich, dass solche Einstellungen auch im Hochschulbereich vorkommen: Kluge Köpfe, die eigentlich nicht daran scheitern sollten, zwischen einem Mistkübel und einer Aludosen-Sammelbox zu unterscheiden. Offenbar fehlt es aber an Bewusstsein und bewusstem Handeln. Gerade deshalb finde ich die aktuell laufende Nachhaltigkeitswoche an der ETH und Uni Zürich enorm wichtig.

Noch zwei weitere spannende Tage

Noch gestern Donnerstag zum Thema «Konsum» und heute Freitag zum Thema «Grenzen» können unterschiedliche Veranstaltungen besucht werden, die hoffentlich bei vielen Studierenden und Mitarbeitenden an den zwei Hochschulen den Wunderfitz wecken, wie eng eigentlich ihr Fachgebiet und «die Nachhaltigkeit» verknüpft sind. Besonders hinweisen möchte ich auf die Podiumsdiskussion von gestern Abend unter dem Titel «Nachhaltigkeit an unseren Hochschulen - Worthülse oder Gebot der Stunde?». Eine Gelegenheit zur Nabelschau auch für Angehörige der ETH und ihres Umfelds.

(Doktorand Raphael Fuhrer/ETH-Zukunftsblog)

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