Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 3)
publiziert: Donnerstag, 5. Aug 2010 / 09:00 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 5. Aug 2010 / 13:55 Uhr

In Anbetracht der unvermeidbaren Auswirkungen des Klimawandels sind wir gezwungen, bereits heute Anpassungsstrategien zu entwickeln (siehe mein letzter Beitrag unter weiterführende Links zur Meldung). Unsicherheiten bestehen allerdings nicht nur in Bezug auf die möglichen Auswirkungen des Klimawandels, sondern ebenso bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung.

1 Meldung im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Früherer Blogbeitrag von David Bresch
Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 2)
klimablog.ethz.ch

Shaping climate-resilient development - a framework for decisionmaking
Resultate von acht Fallstudien (in Englisch)
swissre.com

Eine robuste Anpassungsstrategie muss deshalb nicht nur die lokalen Auswirkungen des Klimawandels, sondern ebenso die wirtschaftliche Entwicklung berücksichtigen. Dies legt es nahe, der Entwicklung von Anpassungsstrategien das sogenannte «totale Klimarisiko» zu Grunde zu legen. Das «totale Klimarisiko» setzt sich aus dem heutigen Risiko, der wirtschaftlichen Entwicklung und dem zusätzlich durch die Klimaveränderung bedingten Risiko zusammen.

Gefragt ist eine robuste Anpassungsstrategie

Eine robuste Anpassungsstrategie zeichnet sich also dadurch aus, dass sie dem «totalen Klimarisiko» erfolgreich begegnet. Es zeigt sich, dass es in vielen Fällen günstiger ist, bereits heute in Anpassungsmassnahmen zu investieren, als zukünftige Schäden zu bezahlen - wie wir anhand von acht Fallstudien aufgezeigt haben. Die Resultate sind in der Studie «Shaping climate-resilient development - a framework for decisionmaking» ausführlich dokumentiert (siehe weiterführende Links zur Meldung).

Eine Fallstudie: Dürrebedingte Schäden in Indien

Ich möchte hier zur Illustration dieser Feststellung die Studie im Bundesstaat Maharashtra in Indien heranziehen. In dieser Fallstudie haben wir den Einfluss von Dürre auf die Landwirtschaft untersucht. Das heutige Risiko, in dieser Studie also der durchschnittliche dürrebedingte Ernteausfall aufgrund des heutigen Wetters und Klimas, beläuft sich auf 238 Mio. USD jährlich (linke Säule in der Grafik). Nimmt man die prognostizierte wirtschaftliche Entwicklung bis zum Jahr 2030 dazu, so erhöht sich das Risiko um 132 Mio. USD jährlich (grüner Beitrag). Zur Abschätzung des zusätzlich durch die Klimaveränderung bedingten Risikos haben wir ein Szenario herangezogen, das auf den regionalen Auswirkungen basiert, wie sie von einer Reihe von Klimamodellen prognostiziert werden (Details in der oben genannten Studie). Die dürrebedingten Schäden nehmen unter diesen Annahmen um weitere 200 Mio. USD zu (dunkelblauer Beitrag). Damit beläuft sich das totale Klimarisiko im Jahre 2030 unter diesen Annahmen auf 570 Mio. USD (rechte Säule).

Gut beraten, wer schon heute an Klimaanpassung denkt

Wie man aus diesen Resultaten unschwer ersieht, tragen das heutige Risiko und die wirtschaftliche Entwicklung deutlich mehr als die Hälfte zum totalen Klimarisiko im Jahre 2030 bei. Man ist also in der Tat gut beraten, schon heute Massnahmen zur Minderung dieses Risikos ins Auge zu fassen - kein verantwortungsbewusster Entscheidungsträger würde ernsthaft erwägen, bis ins Jahr 2030 mit der Klimaanpassung zuzuwarten. Damit haben wir dargelegt, dass es sinnvoll ist, bereits heute in Anpassungsmassnahmen zu investieren, im nächsten Beitrag werde ich zeigen, dass dies auch günstiger ist, jetzt zu investieren als zuzuwarten.

(David Bresch/ETH-Klimablog)

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