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Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 6)
publiziert: Dienstag, 24. Jan 2012 / 09:15 Uhr / aktualisiert: Montag, 6. Feb 2012 / 21:21 Uhr
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Gastautor David Bresch ist Head of Sustainability & Political Risk Management bei der Swiss Re.
Gastautor David Bresch ist Head of Sustainability & Political Risk Management bei der Swiss Re.

Klimawandel findet statt. Selbst wenn wir den Treibhausgasausstoss sofort auf null reduzierten, würde sich das Klima in naher Zukunft weiter verändern. Deshalb bleibt es uns nicht erspart, Massnahmen zur Klimaanpassung zu ergreifen. Dies ist nicht gratis, doch günstiger als tatenlos zuzuwarten. Insbesondere zeigt sich, dass die Kombination von Risikoprävention und Versicherung in vielen Regionen der Welt den kosteneffektivsten Schutz ermöglicht.

1 Meldung im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Teil 2; David Bresch
Kosten aufgrund von Naturgefahrenschäden haben sich vervierfacht
klimablog.ethz

Teil 1; Prof. Reto Knutti
Hochentwickelte Klimamodelle bilden Grundlage für Anpassungsstrategien
klimablog.ethz

Teil 3; David Bresch
Robuste Anpassungsstrategien berücksichtigen «totales Klimarisiko»
klimablog.ethz

Teil 4; David Bresch
Fallbeispiel zu Ernteausfällen in Maharashtra in Indien
klimablog.ethz

Teil 5; David Bresch
Investitionen in kostengünstige Massnahmen lohnen sich doppelt
klimablog.ethz

ECA-Studie
siehe Auszug aus der ECA-Studie
swissre.com

CCRIF
Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility
ccrif.org

Maharashtra ist kein Einzelfall - Geschicktes Kombinieren von Prävention und Versicherung lohnt sich

Wie ich im Blogbeitrag zur Klimaanpassung im Bundesstaat Maharashtra in Indien (>siehe weiterführende Links; Blogbeitrag Teil 4) gezeigt habe, verdoppelt sich das klimabedingte Ernteausfallsrisiko in den nächsten zwanzig Jahren (>siehe weiterführende Links; Blogbeitrag Teil 4). Mit einer Kombination von Versicherung und Risikoprävention lassen sich bis zu 80% der potenziellen Schäden abdecken (>siehe weiterführende Links; Blogbeitrag Teil 5).

Nebst der Studie in Maharashtra haben wir inzwischen ähnliche Untersuchungen in über sechzehn Regionen weltweit vorgenommen. Die lokalen Gefahren, die betroffenen Wirtschaftssektoren sowie die Risikozunahme über die nächsten zwanzig Jahre sind natürlich sehr unterschiedlich. Ebenso variieren die kosteneffektiven Massnahmen sehr stark. Doch zeigt sich in allen Studien, dass selbst in Regionen mit grosser Risikozunahme kosteneffektive Massnahmen bestehen - und dass durch geschickte Kombination von Prävention und Versicherung selbst ambitiöse Schutzziele erreicht werden können.

Klimaanpassung: selbst benachbarte Karibikinseln sind unterschiedlich zu betrachten

Im Falle von Barbados lassen sich ca. 75% des Risikos durch Präventionsmassnahmen vermeiden (>siehe weiterführende Links; Auszug aus der ECA-Studie). Als besonders effektiv erweisen sich hier der Unterhalt der Riffe und Mangrovenwälder sowie solide Baunormen. Aufgrund der schlechten Bausubstanz müssen allerdings für jeden Dollar an Schadensreduktion neunzig Cent aufgewendet werden.

Für die benachbarte Karibikinsel St. Lucia lassen sich hingegen lediglich 4% des totalen Klimarisikos kosteneffektiv vermeiden. Dies liegt primär daran, dass die kleine Insel St. Lucia selten, im Ereignisfalle jedoch praktisch flächendeckend betroffen sein wird. Für einen Hurrikan, wie man ihn in der Region etwa alle 100 Jahre erwartet, würde dies für St. Lucia zu Schäden in der Grössenordnung von 1.4 Milliarden Dollar führen. Gehen wir davon aus, dass die kosteneffektiven Massnahmen umgesetzt wurden, so reduziert sich der Schaden um die eben erwähnten 4%.

Um ein höheres Schutzziel für St. Lucia zu erreichen, könnten weitere, allerdings nicht mehr kosteneffiziente Massnahmen ergriffen werden. So wäre es denkbar, wie im Falle von Barbados, die Baunormen zu verschärfen und Gebäude entsprechend nachzurüsten. Dies würde aufgrund der lokalen Gegebenheiten für jeden vermiedenen Dollar an Schäden allerdings beinahe drei Dollar an Investitionen bedingen. Zudem vermögen diese teuren Massnahmen nur etwa sechzig Prozent der verbleibenden Schäden zu begegnen. Eine Versicherung gegen seltene, doch zerstörerische Hurrikane vermag einen Grossteil der Schäden abzudecken. Deren Prämie ist nicht zu vernachlässigen, wäre allerdings noch höher, würden die erwähnten Präventionsmassnahmen nicht umgesetzt - denn diese helfen, die Schäden speziell bei häufigeren und kleineren Ereignissen substantiell zu reduzieren.

Gemeinsame Klimaanpassung stärkt Regionen

Es zeigt sich also, wie schon im Beispiel in Maharashtra, dass die Kombination lokaler Prävention mit einer Versicherungslösung den optimalen Schutz bietet. Allerdings wäre die Volkswirtschaft von St. Lucia alleine nicht in der Lage, eine solche Lösung umzusetzen. Deshalb beschlossen die CARICOM-Staaten vor drei Jahren, eine regionale Versicherung zu etablieren, die den sechzehn Staaten Schutz vor Extremereignissen bietet: die Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility ((>siehe weiterführende Links; CCRIF). Die einzelnen Staaten kaufen Schadensdeckung entsprechend ihren lokalen Bedürfnisse ein. Wer sich besser vorsieht und Präventionsmassnahmen durchführt, kann dies zu günstigeren Konditionen tun - oder sich einen ausgedehnteren Schutz leisten. Wiederum lohnen sich die kostengünstigen Präventionsmassnahmen doppelt: Sie senken das Risiko und machen das Versichern erschwinglicher.

Die Lösung in der Karibik stellt einen vielversprechender Ansatz dar, um dem Klimawandel vorausschauend zu begegnen. In den Verhandlungen in Durban wurden solche Lösungsansätze berücksichtigt. Aller Voraussicht nach werden solche Strukturen auch durch den Green Climate Fund gefördert werden. Doch gibt es, wie in diesem Blog mehrfach erwähnt, im Anpassungsbereich keine Patentlösung. Wie ich eben anhand der Gegenüberstellung von Barbados und St. Lucia gezeigt habe, muss nachhaltige Anpassung stets auf sorgfältiger lokaler Analyse basieren - sinnvollerweise gepaart mit einem regional koordinierten Vorgehen bei der Umsetzung.

Lesetipp

Lesen Sie auch die Teile 1-5 der Serie «Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie» von David Bresch und Prof. Reto Knutti

Teil 1: Prof. Reto Knutti: Hochentwickelte Klimamodelle bilden Grundlage für Anpassungsstrategien (>siehe weiterführende Links)

Teil 2: David Bresch: Kosten aufgrund von Naturgefahrenschäden haben sich vervierfacht (>siehe weiterführende Links)

Teil 3: David Bresch: Robuste Anpassungsstrategien berücksichtigen «totales Klimarisiko» (>siehe weiterführende Links)

Teil 4: David Bresch: Fallbeispiel zu Ernteausfällen in Maharashtra in Indien (>siehe weiterführende Links)

Teil 5: David Bresch: Investitionen in kostengünstige Massnahmen lohnen sich doppelt (>siehe weiterführende Links)

(Gastautor David Bresch/ETH-Klimablog)

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