Von der Klimaprognose zur Anpassungsstrategie (Teil 7)
publiziert: Mittwoch, 22. Aug 2012 / 12:36 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 22. Aug 2012 / 17:02 Uhr
Gastautor David Bresch ist Leiter Sustainability bei Swiss Re.
Gastautor David Bresch ist Leiter Sustainability bei Swiss Re.

Ein vorausschauender Umgang mit dem «totalen Klimarisiko» ist kostengünstiger als Zuwarten. Die internationale Klimakonvention muss deshalb Rahmenbedingungen schaffen, die dieser Tatsache Rechnung tragen: Sie muss die Entwicklung lokaler Anpassungsstrategien und deren Umsetzung unterstützen, damit die für die Anpassung notwendigen Mittel optimal eingesetzt werden.

Weiterführende Links zur Meldung:

Blogbeitrag, Teil 4
Teil 4: David Bresch: Fallbeispiel zu Ernteausfällen in Maharashtra in Indien
klimablog.ethz.ch

Blogbeitrag, Teil 5
Teil 5: David Bresch: Investitionen in kostengünstige Massnahmen lohnen sich doppelt
klimablog.ethz.ch

Blogbeitrag, Teil 1
Teil 1: Prof. Reto Knutti: Hochentwickelte Klimamodelle bilden Grundlage für Anpassungsstrategien
klimablog.ethz.ch

Blogbeitrag, Teil 2
Teil 2: David Bresch: Kosten aufgrund von Naturgefahrenschäden haben sich vervierfacht
klimablog.ethz.ch

Blogbeitrag, Teil 3
Teil 3: David Bresch: Robuste Anpassungsstrategien berücksichtigen «totales Klimarisiko»
klimablog.ethz.ch

Blogbeitrag, Teil 6
Teil 6: David Bresch: Kombination von Risikoprävention und Versicherung bietet den kosteneffektivsten Schutz
klimablog.ethz.ch

Selbst wenn wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, den Ausstoss von Treibhausgasen zu reduzieren, bleibt uns der Klimawandel nicht mehr erspart. Wir sollten also unser Möglichstes tun, die Emissionen zu senken, um den Klimawandel in Grenzen zu halten. Doch sind wir ebenso gezwungen, in Anpassungsmassnahmen zu investieren - auch da lohnt es sich, nicht zuzuwarten.

Eine robuste Anpassungsstrategie erfordert ganzheitlichen Ansatz

Die Anpassung an den Klimawandel muss lokal erfolgen und abhängig von der (wirtschaftlichen) Entwicklung betrachtet werden. Nachhaltige Anpassung muss stets auf sorgfältiger lokaler Analyse basieren, wie ich in Teil 6 meiner Beitragsserie erklärt habe (siehe weiterführende Links). Die lokale Analyse wird sinnvollerweise gepaart mit einem regional koordinierten Vorgehen bei der Umsetzung. Dabei ist es zwingend notwendig, nicht die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken, sondern das sogenannte «totale Klimarisiko» der Anpassungsdiskussion zugrunde zu legen. Das totale Klimarisiko setzt sich aus dem heutigen Risiko, der wirtschaftlichen Entwicklung sowie dem zusätzlich durch den Klimawandel hervorgerufenen Risiko zusammen (siehe Teil 2 unter weiterführende Links).

Eine robuste Anpassungsstrategie zeichnet sich also dadurch aus, dass sie dem totalen Klimarisiko erfolgreich begegnet. In vielen Fällen ist es günstiger, bereits heute in Anpassungsmassnahmen zu investieren, als zukünftige Schäden zu bezahlen. Dies haben wir anhand von acht Fallstudien aufgezeigt (siehe auch Teile 3-6 unter weiterführende Links). Weiter zeigte sich in allen Studien, dass selbst in Regionen mit grosser Risikozunahme kosteneffektive Massnahmen bestehen - und dass durch geschickte Kombination von Prävention und Versicherung selbst ambitiöse Schutzziele erreicht werden können.

«Integrales Risikomanagement»: Versicherung als Teil der Anpassungsstrategie

Die Klimaanpassung erfordert einen integrierten Ansatz im Umgang mit den Risiken: Es geht um das Zusammenspiel von Prävention, Intervention und Versicherung. Solide Prävention stellt nicht nur die Versicherbarkeit von Risiken sicher, sie hat auch einen kostensenkenden Einfluss auf die Prämien - was wiederum einen Anreiz für Prävention darstellt. Präventionsmassnahmen sind besonders in Bezug auf häufig wiederkehrende Ereignisse erfolgreich.

Eine Versicherung ist im Allgemeinen eine attraktive Möglichkeit zur vorausschauenden Absicherung gegen Ereignisse mit hohem Schadenausmass und geringer Häufigkeit. Deshalb sollen Versicherungsinstrumente als integrierte Anpassungsmassnahmen mitberücksichtigt werden.

Klimakonvention muss lokale Massnahmen und regionale Solidarität fördern

Oft sind einzelne Akteure nicht in der Lage, solch umfassende Lösungen umzusetzen, wie ich zum Beispiel in Teil 6 anhand der Situation in der Karibik aufzeigen konnte (siehe weiterführende Links). Die CARICOM-Staaten beschlossen deshalb, eine regionale Versicherung zu etablieren, die den sechzehn Staaten Schutz vor Extremereignissen bietet: die Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility (CCRIF). Diese Lösung stellt einen vielversprechender Ansatz dar, um dem Klimawandel vorausschauend zu begegnen - nicht zuletzt deshalb, weil sie regionale Solidarität institutionalisiert.

Aller Voraussicht nach werden solche Strukturen auch durch den Green Climate Fund gefördert werden. Die internationale Klimakonvention muss deshalb Rahmenbedingungen schaffen, die dieser Tatsache Rechnung tragen. Konkret bedeutet dies, dass die Anpassungsgelder kosteneffizient zugeteilt werden sollen. Der Einsatz der Gelder soll aufgrund nationaler, regionaler und lokaler Anpassungsstrategien erfolgen. Diese Strategien sollen angemessene Investitionen in Prävention, Intervention und Versicherungslösungen beinhalten.

Gelingt dies nicht, so wird derjenige, der nach einer Katastrophe am lautesten schreit Unterstützung erhalten, während derjenige, der den Gefahren vorausschauend begegnen möchte, dafür keine Unterstützung erhält. Dies wollen wir vermeiden. Da ein Grossteil der Anpassungsgelder in Schwellen- und Entwicklungsländer fliessen wird, bietet sich uns damit die Chance, Anreize zu selbst verantwortetem Tun zu schaffen.

(Gastautor David Bresch/ETH-Zukunftsblog)

?
Facebook
SMS
SMS
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 20
Mit Biogas betriebene Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) können fluktuierenden Solarstrom kompensieren und Gebäude beheizen.
Mit Biogas betriebene ...
Eine zentrale Herausforderung der Energiewende ist es, die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen auszugleichen. Eine Machbarkeitsstudie zeigt nun für drei Schweizer Kantone auf, wie ein Verbund von Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen kurzfristige Engpässe überbrücken und Gebäude mit Strom und Wärme versorgen kann. mehr lesen 
Vor rund hundert Jahren begann die Industrialisierung der Landwirtschaft - heute erleben wir den Beginn ihrer Digitalisierung. Damit die Big-Data-Welle den Bauer nicht vom Acker schwemmt, sondern ihn optimal ... mehr lesen
Vor rund hundert Jahren begann die Industrialisierung der Landwirtschaft - heute erleben wir den Beginn ihrer Digitalisierung.
Die Schweizer Wasserkraft darbt. Die Ursache dafür sind letztlich Verzerrungen im europäischen Strommarkt. Nun diskutiert die Politik Subventionen für die Grosswasserkraft. Allfällige Rettungsaktionen sollten berücksichtigen, dass die Wasserkraftwerke noch Sparpotenzial bei den Kosten aufweisen. mehr lesen  
Climate change has been communicated as a global concern affecting all of mankind; but this message doesn't seem to be getting through.
Climate change has been communicated as a global concern affecting all of mankind; but this message doesn't seem to be getting through. If indeed the human brain responds better to experience ... mehr lesen  

Fakten und Meinungen zu Nachhaltigkeit

Der Zukunftsblog der ETH Zürich nimmt aktuelle Themen der Nachhaltigkeit auf. Er bietet eine Informations- und Meinungsplattform, auf der sich Expertinnen und Experten der ETH zu den Themenschwerpunkten Klimawandel, Energie, Zukunftsstädte, Welternährung und Natürliche Ressourcen äussern. Prominente Gäste aus Forschung, Politik und Gesellschaft tragen mit eigenen Beiträgen zur Diskussion bei.

Lesen Sie weitere Beiträge und diskutieren Sie mit auf: www.ethz.ch/zukunftsblog

.
Green Investment news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 20
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 11°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
Basel 12°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 12°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
Bern 10°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 12°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
Genf 11°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Lugano 15°C 21°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten