Von der Vogelhochzeit zum Nasch-BH
publiziert: Mittwoch, 13. Feb 2008 / 17:18 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 13. Feb 2008 / 17:42 Uhr

Bern - Obwohl bei uns erst seit knapp 60 Jahren bekannt, wird der Valentinstag von vielen erstaunlich ernst genommen. So soll der Tag laut «parship»-Umfrage 30% der Schweizerinnen - vornehmlich die Unbemannten - melancholisch machen.

Ob Valentinstag oder nicht - die meisten Frauen freuen sich auch unter dem Jahr über Blumen.
Ob Valentinstag oder nicht - die meisten Frauen freuen sich auch unter dem Jahr über Blumen.
2 Meldungen im Zusammenhang
«Damit man am Valentinstag nicht Single wird» titelte eine deutsche Tageszeitung kürzlich und gab Geschenktipps, von der herzförmigen Bratpfanne bis zum Bonbon-BH.

Andere Medien schlugen aphrodisische Menüs vor - von Austern über phallisches Gemüse bis zu Casanovas Potenzmittel Schokolade.

Die meisten Schweizer machen sich's einfach und drücken ihre Wertschätzung mit 20 Millionen Blumen und 18 Millionen SMS aus.

Britische Vögel und römische Flitzer

Wie einfach war es noch 1382, als Geoffrey Chaucer dichtete, am Valentinstag paarten sich die Vögel, und die Menschen das auf sich bezogen. Dass sie gerade den 14. Februar zum Liebesglückstag machten, beruht allerdings auf einem Missverständnis.

Bis 1969 gab es laut Heiligenkalender 17 Heilige Valentine. Dass Chaucer den vom Februar meinte, gilt als unwahrscheinlich, da es dann in England noch zu kalt ist für die Vogelhochzeit.

In südlicheren Gefilden aber bereitet man sich dann tatsächlich auf die Vegetations- und Balzperiode vor, Italien ist deshalb das wahrscheinlichere Herkunftsland des Brauchs.

Als Ursprung gelten die römischen «Lupercalia» zu Ehren der Ehegöttin Juno. Plutarch schrieb, es sei Brauch gewesen, dass die noblen jungen Herren nackt durch die Strassen rannten und sich die Damen ihnen zum Spass in den Weg stellten. Ausserdem wurden Bäume und Frauen geschlagen, um ihre Fruchtbarkeit zu steigern.

Wunder und Wichtel

Zu den Lupercalia gehörte auch eine Liebeslotterie. Junge Männer mussten Lose ziehen, auf denen Namen der Mädchen standen, um die sie werben sollten. Der Brauch hat sich bis heute in amerikanischen Schulen erhalten. Das «Wichteln» - anonym jemand Zugelosten beschenken - wird mittlerweile auch hierzulande praktiziert.

Wie alle heidnischen Bräuche waren die Lupercalia der Kirche verdächtig. Sie pfropfte ihnen deshalb einen christlichen Heiligen auf, Valentin. Diesem Bischof von Terni sagt die Legende nach, er sei unter Kaiser Claudius II den Märtyrertod gestorben, weil er trotz Heiratsverbot Paare getraut habe.

Im Gefängnis befreundete er sich mit der blinden Tochter des Wärters. Mittels eines Briefchens soll er ihr das Augenlicht wiedergegeben haben. Das billet doux war mit «von deinem Valentin» signiert. Aus dieser Unterschrift soll der angelsächsische Ausdruck «Valentine» für «Schatz» entstanden sein.

Fliessband vor Ford

Das Wunder vollbringende Grusskärtchen des Heiligen Valentin gehört zwar ins Reich der Legende, doch das Brauchrequisit ist recht alt. Die älteste überlieferte Valentinskarte schickte der Graf von Orleans im 15. Jahrhundert aus einem englischen Gefängnis an seine Frau, die er darin «ma tres doulce Valentiné» nannte.

«Valentines» schicken sich die Amerikaner jährlich etwa eine Milliarde. Ursprünglich waren die Karten aus Bildchen, Spitzen und Bändern handgefertigt. Die ersten Fliessbandkarten produzierte 1847 die Papeteristentochter Esther Howland, indem sie mit Freundinnen die erste bekannte «assembly line» bildete.

Von den USA nach Mitteleuropa zurückgekommen sein dürfte der Brauch durch Besatzungssoldaten. Jedenfalls ist 1950 in Nürnberg der erste Valentinsball aktenkundig. Die Schweizer waren ausnahmsweise etwas fixer. Hier wurde der Valentinstag 1949 eingeführt - natürlich von den Floristen.

(von Irene Widmer/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
«Göttliche Liebesbriefe» rufen «nur» zum Besuch des Gottesdienstes auf. (Symbolbild)
Regensburg - Die katholische Kirche ... mehr lesen
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 4°C 5°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Basel 5°C 6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
St. Gallen 3°C 3°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, wenig Schnee freundlich
Bern 2°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Luzern 4°C 5°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, wenig Schnee freundlich
Genf 1°C 5°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Lugano 6°C 10°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten