Vor 125 Jahren wurde Coco Chanel geboren
publiziert: Mittwoch, 13. Aug 2008 / 08:55 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 13. Aug 2008 / 09:51 Uhr

Paris - Mademoiselles Leben begann mit einem Fehler: «Chasnel» schrieb ein nachlässiger Standesbeamter in Saumur (F) vor 125 Jahren in die Geburtsurkunde von Gabrielle Chanel. Unter dem Spitznamen Coco sollte sie die berühmteste Modemacherin des 20. Jahrhunderts werden.

Gabrielle Bonheur Chanels Leben begann mit einem Fehler.
Gabrielle Bonheur Chanels Leben begann mit einem Fehler.
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Damals jedoch, am 19. August 1883, war das im Armenhaus geborene Mädchen so unbedeutend, dass ein «s» mehr oder weniger nichts ausmachte. Und obwohl sie unehelich geboren wurde, trug Albert Chanel, der ihre Mutter Jeanne erst ein Jahr später heiratete, als Gabrielles Vater ein.

Ästhetik von Schuluniformen

Als Gabrielle «Coco» Chanel, die sich zeitlebens «Mademoiselle» nennen liess, elf Jahre alt war, starb ihre Mutter. Der Vater brachte sie daraufhin in ein von Nonnen geführtes Waisenhaus und verschwand. Um ihre als nicht standesgemäss geltende Kindheit hat sie zeitlebens eine beschönigende Legende gewoben.

Aus der kargen Zeit im Heim scheint sie etwas mitgebracht zu haben, was ihren phänomenalen Erfolg als Modeschöpferin prägte: den Hang zu einer puren, zweckmässigen Kleidung, die manchmal an die Ästhetik von Schuluniformen erinnerte.

Alle Klassiker, die Chanel lanciert hat, das «Kleine Schwarze», Hosen für Frauen, lockere Tweed-Kostüme oder Twinsets als «feine» Damengarderobe, haben etwas mit diesem Hang zur Schlichtheit zu tun. Coco Chanel setzte diese mit Zutaten wie langen Kunstperlenketten in hinreissende Outfits um. 1916 kaufte sie Jersey und schneiderte daraus Jacken und Röcke mit ausgefallenen Details. Frauenkleidung aus Baumwollwirkware - das war unerhört und wurde schnell zum «Must Have» der Society in Paris oder Deauville.

Mit eigenen Händen aufgebaut

Hierzu trug natürlich bei, dass Chanel mit ihren schwarzen Augen, kurzen Haaren, der gebräunten Haut und der schmalen Figur umwerfend aussah. Die allzu geschmückten Damen der Gesellschaft wollten bald so auftreten wie die kleine, zarte Französin.

«Es ärgert mich, wenn ich hören muss, ich hätte eben Glück gehabt. Niemand hat härter gearbeitet als ich», sagte sie über ihre Karriere. Und sie hatte Recht.

Zwar begann Coco Chanel als Geliebte des reichen Etienne Balsan, gab ihre Stellung in einem Wäscheladen auf und folgte mit 21 Jahren dem Sohn einer Textildynastie auf sein Landgut. Doch ihr Geschäft baute sie mit eigenen Händen auf. Ermutigt wurde sie dazu von Etiennes Nachfolger, dem attraktiven Engländer Boy Capel.

Es scheint, als ob alles zu Gold wurde, was Chanel anpackte. Ihr 1921 herausgebrachtes Parfüm Chanel No. 5 gilt noch heute als «Duft der Düfte». Als sie neun Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrem Schweizer Exil zurückkehrte und mit über 70 Jahren ein Comeback wagte, gelang es ihr, die Modewelt vollends zu erobern.

Bis zum Tod an der Arbeit

Bis zu ihrem Tod 1971 arbeitete die energische Dame und erschuf eine Marke, die bis heute unter der genialen Kreativleitung von Karl Lagerfeld als Synonym französischer Eleganz schlechthin gilt.

Persönliches Glück war ihr nicht beschieden. Boy Capel starb 1919 bei einem Autounfall. Andere Liaisons wie die mit dem Herzog von Westminster scheiterten. Die Vielbegehrte blieb allein, hinterliess aber ein wertvolles Erbe: Ihre Kreationen verschafften den Frauen die für ein selbstbestimmtes Leben nötige Bewegungsfreiheit.

(Stefanie Schütte/sda)

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