Vor 60 Jahren entstand der Marshallplan
publiziert: Dienstag, 29. Mai 2007 / 17:31 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 29. Mai 2007 / 17:52 Uhr

Washington - Die Rede dauerte zwölf Minuten, doch sie sollte eine Epoche prägen. US-Aussenminister George C. Marshall stellte am 5. Juni 1947 an der Harvard-Universität seine Ideen vor, wie dem kriegszerrütteten Europa neues Leben einzuhauchen wäre.

Die strukturellen und historischen Umstände waren einzigartig, betonen Historiker.
Die strukturellen und historischen Umstände waren einzigartig, betonen Historiker.
Der Plan erhielt seinen Namen, und er sollte als erfolgreichstes ziviles Aufbauprojekt der USA des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen. Die politisch-militärische Sprengkraft der Vorschläge indes war geeignet, die Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu prägen.

«Gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und Chaos» richtete sich der Vorstoss des späteren Friedensnobelpreisträgers. Marshall setzte auf die Eigeninitiative der Europäer und auf deren «Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft ihrer Länder und Europas als ganzem».

Klare Stossrichtung

Die Stossrichtung war klar: «Die USA müssen alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um so zur Rückkehr normaler wirtschaftlicher Verhältnisse beizutragen.» Sonst werde es in der Welt keine politische Stabilität und keinen gesicherten Frieden geben können.

Mehr als 13 Milliarden US-Dollar - heute etwa 100 Milliarden (74 Milliarden Euro) - an Waren und Finanzleistungen flossen im Zuge des «Europäischen Wiederaufbau-Programms» bis 1952 über den Atlantik, davon rund 1,4 Milliarden nach Deutschland.

Das Angebot der Amerikaner richtete sich an alle europäischen Staaten. Grösste Empfänger waren Grossbritannien, Frankreich, Italien und der Westen Deutschlands. Moskaus «Njet» verhinderte vor dem Hintergrund des heraufziehenden Kalten Krieges, dass auch Osteuropa zu den Nutzniessern zählte.

Bollwerk gegen den Kommunismus

Niemand zweifelt indes, dass der Marshall-Plan genau deshalb zur Zementierung der Teilung Europas und mithin der Welt beitrug. Die Absicht der Strategen in Washington lag klar auf der Hand: Nur ein wirtschaftlich starkes Europa könne auch ein Bollwerk gegen den Kommunismus sein. Und das Konzept ging auf.

Historiker sind sich uneins, wie gross der Anteil des Marshall-Plans am neuen Leben in Europa war. «Die eigene Kraft trug in den grossen europäischen Ökonomien in den ersten beiden Jahren des Programms 80 bis 90 Prozent der Kapitalbildung bei», stellt Michael Hogan von der Universität von Iowa fest.

Die US-Hilfe habe indes Importe erleichtert, Produktionsengpässe verringert, Kapitalbildung angeregt und die Inflation gedämpft. Hogans Schluss: «Die Erfinder des Marshall-Plans können nicht den kompletten Verdienst einheimsen für diesen bemerkenswerten Erfolg.»

Einzigartige Umstände

Unzählige Male zogen Wohlmeinende die Idee des Marshall-Planes seitdem heran, wenn es darum ging, Krisenregionen oder zerfallende Staaten von Lateinamerika über den Balkan bis zum Irak vor dem Untergang zu bewahren.

Larry Bland, Direktor der George-Marshall-Stiftung, zählt inzwischen nicht mehr, wie häufig. Historiker winken ab, zu einzigartig waren die strukturellen und historischen Umstände. Es sei nicht darum gegangen, Handel und Wissen an einen Ort zu bringen, wo es dies noch nie gegeben habe.

Westeuropa habe selbstverständlich seit Jahrhunderten rechtliche Rahmen gekannt, Demokratie und den Respekt vor Privateigentum. «Wir hatten mit Menschen zu tun, die wussten, was zu tun ist und die Werte der Mittelschicht kannten», sagt Bland. «Wir mussten diesen Leuten nicht mehr beibringen, was Demokratie und Kapitalismus ist.»

(Von Frank Brandmaier, dpa/sda)

 
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