Öffentlicher Verkehr
Vor zehn Jahren schaffte die SBB die Raucherabteile ab
publiziert: Sonntag, 6. Dez 2015 / 11:07 Uhr
Dass die Raucherabteile immer unbeliebter wurden, hatte die SBB schon Jahre zuvor bemerkt.
Dass die Raucherabteile immer unbeliebter wurden, hatte die SBB schon Jahre zuvor bemerkt.

Zürich - Vor zehn Jahren fällte die SBB einen wichtigen Entscheid: Rauchen wurde mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2005 verboten. Viele Raucher beschwerten sich und drohten gar, aufs Auto umzusteigen. Die Umsetzung lief dann aber problemlos.

3 Meldungen im Zusammenhang
Die Ankündigung im Juni 2005 sorgte für Aufsehen: Die SBB wollte das Paffen im Zug verbieten. Dies einerseits, weil viele Nichtraucher reklamierten. Andererseits lag der Verzicht auf den Glimmstängel gesellschaftlich immer mehr im Trend. Die grosse Mehrheit der Kunden wünsche sich rauchfreie Züge, teilte die SBB damals mit.

Sogar viele Raucher sassen lieber im Nichtraucherabteil - entweder weil sie mit Nichtrauchern unterwegs waren, oder weil der blaue Dunst manchmal buchstäblich atemberaubend war. Sassen Schüler und Rekruten im Zug, gesellte sich oft auch noch der süssliche Geruch von Cannabis hinzu.

Die Auslastung in den Raucherabteilen lag am Schluss unter 25 Prozent. In jedem Vierer-Abteil sass also im Durchschnitt höchstens eine Person.

«Namhafte Anzahl» von Reklamationen

Dass die Raucherabteile immer unbeliebter wurden, hatte die SBB schon Jahre zuvor bemerkt. Bereits im Jahr 2000 reagierte sie und reduzierte die Zahl der Raucherplätze: Waren früher die Hälfte aller Sitzplätze für Raucher reserviert, waren es zwischen dem Jahr 2000 und dem endgültigen Aus im Jahr 2005 nur noch rund 20 Prozent.

Dass die letzten 20 Prozent der Sitzplätze auch noch rauchfrei werden sollten, stiess bei vielen Rauchern erwartungsgemäss auf wenig Begeisterung.

Es habe eine namhafte Anzahl Reaktionen gegeben, hauptsächlich von Rauchern, hiess es bei der SBB auf Anfrage der sda. Es meldeten sich aber auch einige Nichtraucher, die den Entscheid kritisierten, weil damit Raucher diskriminiert würden.

«Einige taten sich sehr schwer»

In Leserbriefen wurde verschiedentlich mit dem Umsteigen aufs Auto gedroht - eine Drohung, die auch heute noch gerne in Online-Kommentaren ausgestossen wird, wenn die SBB etwas ändern will.

Kritik bekam damals auch die Kundenorganisation Pro Bahn zu hören, die das Rauchverbot ausdrücklich begrüsste. Einige ihrer Mitglieder seien damals mit Getöse ausgetreten, sagte Edwin Dutler zur Nachrichtenagentur sda. «Einzelne taten sich sehr schwer.»

Entsprechend grossen Respekt hatte das Zugspersonal vor der Umsetzung. «Es gab schon Bedenken, weil wir nicht wussten, wie unsere Kundinnen und Kunden auf das Verbot reagieren würden», sagte SBB-Sprecherin Franziska Frey. Die Umstellung wurde deshalb mit einer landesweiten Kampagne angekündigt.

Die Einführung des Rauchverbotes verlief dann aber problemlos. «Wir haben damals mit mehr Diskussionen und Überschreitungen gerechnet», sagte Frey weiter. Bussen in der Höhe von 25 Franken hätten nur sehr wenige ausgesprochen werden müssen. Nach nur drei bis vier Monaten habe sich das Verbot etabliert gehabt.

Auch heute gebe es hin und wieder einzelne Uneinsichtige, welche die Toilette als Fumoir missbrauchten. Auch bei Gruppen oder Betrunkenen komme es gelegentlich vor, dass jemand eine Zigarette anzünde. Grundsätzlich werde das Rauchverbot aber eingehalten.

Für Dutler von Pro Bahn ist das Rauchverbot ein Beispiel dafür, dass in der Schweiz «auf extreme Minderheiten oft sehr viel Rücksicht genommen wird». Das Rauchverbot hätte seiner Meinung nach schon viel früher eingeführt werden sollen. «Rauchen im Zug, so etwas kann man sich heute ja gar nicht mehr vorstellen.»

Auf Perrons darf weiterhin geraucht werden

Weitere Einschränkungen für Raucher plant die SBB gegenwärtig nicht. Auf den Perrons darf somit auch in Zukunft geraucht werden und «Raucher-Zonen» wie in Deutschland sind in der Schweiz nicht vorgesehen. In einer Umfrage der SBB gaben über zwei Drittel der Befragten an, dass sie mit der heutigen Regelung zufrieden seien.

Die Glimmstängel sind für die SBB aber nach wie vor ein Thema: Denn seit im Zug nicht mehr geraucht werden darf, schnippen viele Passagiere ihre Stummel im letzten Moment auf die Gleise, weil die Zeit für den Gang zum Abfallkübel nicht mehr reicht. Das Aufsammeln ist mühsame Handarbeit und kostet die SBB jedes Jahr einen mittleren, einstelligen Millionenbetrag.

(asu/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - E-Zigaretten sind vom Fahrplanwechsel an in Zügen, Bussen, Trams und auf ... mehr lesen
Auf den ersten Blick sei nicht zu sehen, ob jemand eine E-Zigarette oder gewöhnliche Zigarette im Mund habe.
Rauchen schadet der Gesundheit.
Beim Schulklassenwettbewerb Experiment Nichtrauchen haben dieses Jahr besonders viele durchgehalten: Drei von vier Klassen schafften es, der Verlockung des Glimmstängels während sechs ... mehr lesen
Bern - Die SBB führt ein neues ... mehr lesen 2
In den Zügen findet man zunehmend liegengelassenen Abfall.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Nun bekommen die Zigarettenschachteln grössere Warnhinweise mit Fotos von durch Rauchen verursachten Gesundheitsschäden.
Nun bekommen die Zigarettenschachteln grössere Warnhinweise mit ...
In Grossbritannien und Frankreich  London/Paris/Karlsruhe - In mehreren Ländern ist am Freitag die neue EU-Tabakrichtlinie in Kraft getreten. In Deutschland müssen Hersteller Schockbilder auf Zigarettenpackungen drucken. In Grossbritannien und Frankreich dürfen künftig Packungen nur in neutralen Verpackungen angeboten werden. mehr lesen 
Tabak  Paris - Der Hersteller der französischen Zigarettenmarken Gauloises und Gitanes, die Imperial-Tobacco-Tochter Seita, klagt gegen die Pflicht zur neutralen Schachtel ab 2017 in Frankreich. Seita sieht seine Markenrechte verletzt. mehr lesen  
Europäischer Gerichtshof bestätigt EU-Tabakrichtlinie  Luxemburg - Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat mehrere Klagen gegen die EU-Tabakrichtlinie abgelehnt. Sowohl das geplante Verbot von Mentholzigaretten als etwa auch Auflagen für elektronische Zigaretten seien rechtens, urteilten die Richter am Mittwoch in Luxemburg. mehr lesen  
«Angriff auf die freie Marktwirtschaft»  Bern - Die Gesundheitskommission des Ständerates (SGK) will die Tabakwerbung im Kino oder ... mehr lesen  
Die Kommission will die Werbung nicht verbieten.
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 2°C 6°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Schnee Wolkenfelder, Flocken
Basel 4°C 7°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, Flocken wechselnd bewölkt
St. Gallen 1°C 4°C Schneeschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, etwas Schnee bewölkt, etwas Schnee
Bern 3°C 5°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, Flocken freundlich
Luzern 4°C 5°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, etwas Schnee bewölkt, etwas Schnee
Genf 3°C 7°C Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Schnee freundlich
Lugano 4°C 8°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten
 
 
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Source: http://www.news.ch/ajax/seminar.aspx?ID=633&lang=de