Vorsichtige gegen Cowboys: Spannungen innerhalb der Kriegskoalition
publiziert: Donnerstag, 3. Apr 2003 / 11:18 Uhr

London - "Im Zweifel nicht schiessen" - diese Formel bringt nach Angaben des britischen Militärexperten Francis Tusa die Einstellung der königlichen Truppen zur Kriegführung auf den Punkt. Die US-Armee sieht das laut Tusa hingegen anders.

Nur mit Barett patroullieren US-Marines nicht wie hier ein britischer Soldat.
Nur mit Barett patroullieren US-Marines nicht wie hier ein britischer Soldat.
Sie halte eher mit der Formel "Im Zweifel schiessen", sagt Tusa, Autor der Fachzeitschrift "Defence Analysis". Der Vorwurf, US-Soldaten würden mit dem Finger am Abzug durch Irak marschieren, scheint sich fast täglich zu bestätigen.

Seit dem Selbstmordanschlag letzte Woche sitzt der Finger vieler US-Marines noch lockerer am Abzug. Verständlich, wenn man in Betracht zieht, unter welchem Druck die Soldaten nun operieren müssen.

In London wird das Vorgehen der verbündeten Streitkräfte mit Sorge beobachtet. Denn mit der Zahl der zivilen Opfer sinkt auch die Akzeptanz des Krieges.

Streit wegen ziviler Opfer

Erst am Montag erschossen US-Soldaten mindestens sieben irakische Frauen und Kinder. Am gleichen Tag meldete ein Iraker den Verlust von 15 Familienmitgliedern. Sie hätten in einem Kleinbus gesessen, der nahe der Stadt Hilla von einem US-Kampfhelikopter angegriffen worden sei.

Die britische Zeitung "The Times" zitiert am Mittwoch aus Regierungskreisen in London, seit diesen Vorfällen seien "ernsthafte Brüche in den britisch-amerikanischen Beziehungen" zu erkennen.

"Die Amerikaner haben einen Ansatz, der viel stärker auf den Schutz (der eigenen Soldaten) ausgerichtet ist", zitiert die "Times" hohe Regierungsbeamte. "Sie werden niemals einen US-Marineinfanteristen nur mit einem Barett als Kopfschutz spazierengehen sehen".

Mit dieser demonstrativ schutzlosen Kopfbedeckung patrouillieren dagegen britische Soldaten im Süden Iraks. Sie wollen das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen, ein Vorgehen, das die Briten bei den US-Soldaten vermissen.

Sorge um "friendly fire".

Ebenso erschrocken wie über die zivilen Opfer ist die britische Armee über die Häufung der Todesfälle durch "friendly fire". Am Freitag liess ein britischer Soldat sein Leben, weil ein US-Kampfpilot auf britische Militärfahrzeuge feuerte.

Der Kommentar des britischen Kameraden Steven Gerrard, der den Angriff aus den eigenen Reihen verletzt überlebte: "Er hatte absolut keine Achtung für menschliches Leben. Ich glaube, er war ein Cowboy, der einen draufmachen wollte".

Er sei dazu ausgebildet worden, sein Fahrzeug vor feindlichem Beschuss zu bewahren, sagte Gerrard der "Times". "Wozu ich nicht ausgebildet bin, ist, mich vor Beschuss durch Amerikaner zu schützen."

Spannungen zwischen den Verbündeten will der britische Luftwaffengeneral Brian Burridge, Kommandant der britischen Truppen am Golf, nicht bestätigen. Er schreibt den britischen Truppen aber einen grösseren Erfahrungsreichtum zu.

Auch Tusa verweist auf die Erfahrungen, welche die britische Armee im Nordirland-Konflikt und bei UNO-Friedensmissionen im Kosovo und in Bosnien sammelte.

Friedenseinsätze

Eines unterscheidet die Verbündeten laut Tusa ganz klar voneinander: Friedenseinsätze seien für die Briten "Teil der Militärgeschichte". Die Amerikaner sagten, solche Friedenseinsätze seien etwas für Waschlappen. Richtige Soldaten führten Krieg und überliessen Friedenseinsätze dummen kleinen Nationen.

(Hervé Guilbaud/sda)

 
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