WLAN in Luzern, St. Gallen und Zürich
publiziert: Donnerstag, 25. Jan 2007 / 16:18 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 25. Jan 2007 / 17:33 Uhr

Im März wird es soweit sein: Dann erhalten die Bürger der Stadt St. Gallen ihr eigenes frei zugängliches und kostenlos nutzbares WLAN-Netz. Zürich soll Ende 2007 folgen, voraussichtlich allerdings nicht kostenlos.

Wirklich verlockend erscheint nur das Angebot in St. Gallen.
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Im Rahmen des Projektes Wireless St. Gallen fördern die Kooperationspartner - das Organisations- und Informatikamt der Stadt (OIA), die Stadtwerke St. Gallen, die Hochschule Rapperswil, die Studentenschaft der Universität St. Gallen und die Mitglieder der Bewegung openwireless.ch - die Errichtung von zunächst vier Sendeanlagen. Diese sollen es ermöglichen, eine solide Grundversorgung nahezu der gesamten Stadt sicher zu stellen.

Um sich über diese vier Gateways in das Internet einwählen zu können, sind WLAN-Router nötig, die mit einer speziellen Firmware ausgestattet sind. Diese Firmware ermöglicht jedoch noch mehr: Solcherart ausgerüstete Router errichten selbst untereinander ein engmaschiges Netzwerk, das die Versorgungsreichweite weiter erhöht. Router, die sich ins Internet einwählen wollen, suchen sich dann den kürzesten Weg durch dieses Netzwerk zu einem der vier Basis-Gateways.

Auf diese Weise soll es dann bald möglich sein, auf allen Strassen und Plätzen St. Gallens kostenlos im Internet surfen zu können. Denn: Im Gegensatz zu vielen anderen solchen Projekten soll der Internetzugang in St. Gallen nichts kosten - lediglich der Router mit der entsprechenden Firmware muss erworben werden. Ein Pilotprojekt mit Studierenden der Universität St. Gallen hat Mitte Dezember begonnen, ab März soll Wireless St. Gallen dann schrittweise auf die ganze Stadt ausgedehnt und entsprechend beworben werden.

Kostenlos nicht überall

Damit liegt St. Gallen voll im Trend. In mehreren Landesteilen sind in der letzten Zeit ähnliche Projekte an den Start gegangen. Als Erstes wurde in Luzern im September 2006 die Pilotphase für ein grösseres Funknetz abgeschlossen. Seitdem wurde die Verfügbarkeit vom Testgebiet aus nach und nach auch auf andere Stadtteile ausgedehnt - gegen Ende des Jahres sollte die gesamte Innenstadt versorgt sein.

Aufgebaut wurde das Luzerner Netz in Kooperation zwischen dem Energiedienstleister energie wasser luzern (ewl) mit Sitz in Luzern und the public network ag (tpn) aus Zürich. Eigentümerin des WLAN-Netzes ist hier ebenfalls wie in St. Gallen die Stadt. Aber: Im Unterschied zu St. Gallen handelt es sich hier zwar um ein offenes, frei zugängliches WLAN-Netz, jedoch kein kostenloses.

Das Netz ist für alle Diensteanbieter der Telekommunikationsbranche verfügbar, welche die Hotspots mieten und über diese ihre individuellen Tarife anbieten können. So führte der Anbieter TIC (The Internet Company AG) im Rahmen seines TIC Traveller Accounts schon Ende September eine Zugangsmöglichkeit für 45 Hotspots in Luzern für monatlich 9,90 Franken plus Roaminggebühren in Höhe von 30 Rappen pro Minute ein.

Netzausbau in der ganzen Schweiz

Aber auch im Rest der Schweiz sollen umfangreiche WLAN-Netze entstehen, insbesondere TIC zeigt sich an einem solchen Ausbau stark interessiert. Bereits im Oktober verkündete das Unternehmen nach einer anscheinend ausgesprochen erfolgreichen Startphase in Luzern, dass man an Kooperationen mit zahlreichen Firmen in Bern, Basel und Zürich arbeite, um auch hier jeweils flächendeckende WLAN-Netze aufzubauen.

Zürich solle sogar schon Ende 2007 lückenloses WLAN-Surfen ermöglichen, die anderen beiden Städte rasch folgen. Fernziel ist es, kabelloses Surfen im Freien in nahezu allen grösseren Schweizer Städten und Ortschaften anzubieten.

Die Nutzungsbedingungen werden wohl denen in Luzern gleichen, da die TIC Traveller Accounts für alle Hotspots gleichermassen gelten sollen.

Sicherheit und rechtliche Bedenken

Durch den massiven Ausbau der kabellosen Highspeed-Internetzugänge rücken jedoch auch deren Probleme mit in den Vordergrund. Während bei Projekten wie in Luzern die Hotspots von den am Netzaufbau beteiligten Firmen und der Stadt bereitgestellt werden und der Nutzer sich über einen Anbieter wie zum Beispiel TIC einwählt, ergibt sich in St. Gallen ein rechtliches Problem. Denn hier fungieren die einzelnen Nutzer selbst auch als Funkzellen, wodurch sich die Versorgungsreichweite des gesamten Netzwerkes erhöht. Nur so kann sich die Idee durchsetzen und die Anzahl der Hotspots erhöhen, das Netzwerk expandieren. Nachteilig ist jedoch, dass sich natürlich auch andere Nutzer über die eigene Funkzelle ins Netzwerk einwählen können. Und daraus resultieren durchaus rechtliche Bedenken.

Denn was der andere Nutzer herunterlädt oder im Internet ansieht, bekommt man in der Regel selbst gar nicht mit. Werden auf diese Weise durch Dritte illegale Inhalte herabgeladen, kann dies schnell zu unangenehmen Konsequenzen führen. Die rechtliche Lage dazu ist in der Schweiz noch immer ungeklärt. Das geltende Recht gibt auf diese Fragen keine eindeutige Antwort - und so sind in einem solchen Fall zumindest unangenehme Ermittlungen zu erwarten, die strafrechtlichen Konsequenzen nicht absehbar. Erst im Oktober 2006 wurde eine Neuregelung der rechtlichen Lage vom Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) zumindest angekündigt. Wer diese Problematik umgehen möchte, muss seinen Zugang so absichern, dass er zwar das WLAN-Netz nutzen kann, selbst aber nicht als Funkinsel für andere fungiert.

Viele private Nutzer haben dabei offensichtlich aber entweder noch nicht das nötige Bewusstsein oder schlicht nicht die entsprechenden Kenntnisse, um ihren Router gegen unbefugtes Mitsurfen Fremder abzusichern. Wie Tests der lose organisierten Gruppe wardriving.ch ergaben, waren bei Testfahrten durch Bern und Zürich noch immer etwa die Hälfte bzw. ein Drittel aller gefunden Accesspoints gegen unbefugtes Eindringen vollkommen ungesichert.

Fazit

Nach Firmen- und privaten WLAN-Hotspots sind nun also auch die öffentlichen kabellosen Netzwerke auf dem Vormarsch. Die Idee des «Internets für alle», an dem auch jene partizipieren können, die nicht zu Hause über einen Zugang verfügen, scheint sich langsam aber sicher durchzusetzen. Bei aller Euphorie für die Verbreitung flächendeckender WLAN-Netzwerke sollten die daraus entstehenden Probleme jedoch nicht vollkommen ignoriert werden.

Um rechtliche Probleme zu umgehen, sollte der eigene Router gegenüber fremden Mitsurfern dicht gemacht werden, Sicherheit an erster Stelle der Überlegungen stehen. Dies freilich widerspricht der Idee des «gemeinschaftlichen Internets», da ein Netzwerk wie jenes in St. Gallen nur dann funktionieren kann, wenn möglichst viele der Nutzer ihre Router als Hotspots zur Verfügung stellen und so eine hohe Reichweite des Netzwerkes überhaupt ermöglichen.

Wirklich verlockend nur St. Gallen

Attraktiv ist das Projekt in St. Gallen in jedem Fall - kostenloses Surfen bieten andere WLAN-Netze eben nicht. Zwar bieten auch die anderen grossen Netzwerke wie Luzern oder Zürich die Möglichkeit eines weitgehend orts-unabhängigen Highspeed-Internetzuganges, doch sind die hier anfallenden Kosten schon nach kürzerer Zeit äusserst hoch, zumindest verglichen mit den gängigen Angeboten der ADSL-Anbieter, die man unserer Übersichtsseite entnehmen kann.

So kostet der TIC Traveller Account monatlich zwar nur 9,90 Franken - was im Vergleich zu Grundgebühren ab 44 Franken zunächst niedrig wirkt. Jedoch handelt es sich bei den allermeisten ADSL-Angeboten um Flatrates.

Dank der WLAN-Roaminggebühren von 30 Rappen je Minute kommt ein TIC Traveller Account den Nutzer schon nach zwei Stunden zunehmend teuer zu stehen. Solcherlei WLAN-Netze eignen sich daher eigentlich nur für reine Gelegenheitssurfer ohne eigenen DSL-Anschluss oder eben für unterwegs. Für eine intensive Nutzung bieten jedoch eigentlich nur Projekte wie jenes in St. Gallen eine verlockende Alternative, zumindest solange man sich der rechtlichen Problematik dabei bewusst ist.

(Janko Wesslowsky/teltarif.ch)

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