Rekord Wetter
Wärmster Dezember seit 1868
publiziert: Sonntag, 27. Dez 2015 / 19:20 Uhr
Der Schnee hat diesen Dezember keine Chance.
Der Schnee hat diesen Dezember keine Chance.

Bern - Statt Schnee fallen diesen Winter die Rekorde. Am Stephanstag, den 26. Dezember, war es mit über elf Grad in Disentis, Chur und in La Chaux-de-Fonds so warm wie noch nie. Dieser Dezember wird wohl als wärmster seit Messbeginn in die Geschichte eingehen.

9 Meldungen im Zusammenhang
In Disentis wurden zwölf Grad, in Chur und La Chaux-de-Fonds über 11 Grad gemessen. «Tageshöchstwert-Rekorde sind aber vielfach Zufälligkeiten», sagte Daniel Murer von MeteoSchweiz auf Anfrage der sda. Es könne gut sein, dass in vergangenen Jahren schon am darauffolgenden Tag eine höhere Temperatur gemessen wurde.

Klar ist jedoch: Dieser Dezember wird wohl als wärmster seit 1868 in die Annalen eingehen. «Momentan liegt der Dezember deutlich auf Rang eins», erklärte Murer.

Die seit November andauernde Wärmephase hat sich auch im Dezember fortgesetzt. Um durchschnittlich rund 3,5 Grad zu warm war es im letzten Monat des Jahres, schreibt der nationale Wetterdienst in seinem Blog. Zusammen mit der Niederschlagsarmut habe die weit überdurchschnittliche Wärme schweizweit zu einer ausgeprägten frühwinterlichen Schneearmut geführt.

Kurzarbeit bei Bergbahnen

Das setzt vor allem den Skigebieten zu. Unter dem fehlenden Schnee in den Alpen leiden vor allem Bergbahnen, denn wo theoretisch noch Schafe und Kühe weiden könnten und Wanderer wandern, da können weder Ski- noch Snowboardfahrer durchfahren.

In Graubünden haben ein Dutzend Bergbahnen und Tourismusbetriebe bei den Behörden eine spezielle Form von Kurzarbeitsentschädigung, die sogenannten wetterbedingten Kundenausfälle, angemeldet. Das sagte Jörg Guyan vom Bündner Amt für Arbeit, Industrie und Arbeit auf Anfrage.

Bier statt Glühwein

Auch Weihnachtsmärkte klagten über die fehlende Winterstimmung. «Bei diesen frühlingshaften Temperaturen bleibt der Kaufrausch aus», sagte Stephan Dübi, Sprecher vom Christkindlimarkt in Zürich.

Vor allem die Winterkleider liefen wegen der warmen Temperaturen schlechter. Die wenigsten wollten derzeit einen eine Wollmütze kaufen oder einen Alpaka-Pullover. «Die Textilhändler müssen dieses Jahr leiden.» Und noch etwas lief weniger gut: «Bei 15 Grad will niemand Glühwein trinken», so Dübi.

Über das trockene Wetter freuten sich dagegen die Organisatoren des Weihnachtsmarkts auf dem Franziskanerplatz in Luzern. «Die Temperaturen waren ideal, die Leute blieben länger und nahmen sich mehr Zeit», sagte OK-Präsident Aerny Bucher.

Klar sei die Stimmung nicht besonders weihnächtlich. Aber wegen des guten Wetters, seien mehr Besucher gekommen, die mehr gekauft, getrunken und gegessen haben als in früheren Jahren. «Wir führen den Markt seit 10 Jahren durch, und das war der bisher beste Markt», so Bucher. Man trank halt mehr Bier statt Glühwein.

Schlemmermenüs für Tiere

Auch den Wildtieren bescherte das milde Wetter einen gedeckten Tisch. Vögel finden genügend Nahrung, wenn keine dicke Schneedecke liegt und die Böden nicht gefroren sind. Sie bleiben deshalb heuer vermehrt in der Schweiz anstatt gen Süden zu ziehen, wie Michael Schaad von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach der Nachrichtenagentur sda sagte.

Deshalb sind - für die Jahreszeit ungewohnt - viele melodiöse Vogelstimmen zu hören. «Zu viel Licht bringt den Hormonhaushalt durcheinander und die Vögel beginnen zu singen», sagte Schaad. Diese Hormonschübe seien aber nach drei, vier Tagen meist wieder vorbei. Die Vogelwarte werde wegen im Winter singender Amseln immer wieder angerufen.

Vorratskammer für Igel

Auch am Boden freuen sich Tiere über das warme Wetter. Igel, die noch nicht im Winterschlaf sind, finden in naturnah gestalteten Gärten genügend Futter, wie Bernhard Bader, Geschäftsleiter von Pro Igel sagte.

Als Vorratskammern dienen den Igeln zum Beispiel Laubhaufen. Für einen Winterschlaf in diesem Jahr ist es zu spät. Bis Neujahr bleiben die Temperaturen mild. Vielleicht können sich die Igel aber im Januar zur Ruhe legen.

Winter wartet ab

Schon ab Neujahr gibt es gemäss MeteoSchweiz einen Trend zu tieferen Temperaturen. Dann soll es abwechslungsweise trocken und nass werden. Bis die Temperaturen unter die Null-Grad-Grenze fallen, müssen sich Winterfans noch ein bis zwei Wochen gedulden, wie Daniel Murer von MeteoSchweiz sagte.

(kris/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Washington/Ashville - Die weltweiten Temperaturrekorde setzen sich fort. Nach 2014 war 2105 das wärmste Jahr, und ... mehr lesen
Der Januar 2016 ist der neunte Monat in Folge mit einem Temparaturrekord.
Zürich - Der Monat Januar ist im landesweiten Mittel deutlich zu warm ausgefallen. ... mehr lesen
Zürich - Schnee, Frost und Eis: Laut den Meteorologen ist auf der Alpennordseite in den kommenden Tagen mit einem richtigen Wintereinbruch zu rechnen. In den ... mehr lesen
In den Bergen soll es bis zu einem halben Meter Neuschnee geben. (Symbolbild)
New York City im Dezember - die Amerikaner genossen viele sonnige Stunden.
Miami - Temperaturen von über 20 Grad an Weihnachten in New York liessen ... mehr lesen
Bern - Das Jahr 2015 verabschiedet sich mit wenigen Schneeflocken oberhalb von 1500 Metern. Der Winter will allerdings ... mehr lesen
Die wenigen Schneeflocken markieren noch keinen Wintereinbruch. (Archivbild)
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die Temperaturgegensätze waren heute gross. (Archivbild)
Bern - Wollpullover im Flachland unter dem Nebel, T-Shirt bei Sonnenschein in den Bergen: Wer am Montag draussen unterwegs war, musste je nach Höhenlage im Kleiderschrank ... mehr lesen
Bern - Wollmützen, Winterjacken und Handschuhe sind am diesjährigen Weihnachtstag keine gefragten ... mehr lesen
In den Bergen sind die Temperaturen alles andere als eisig. Viele Wintersportorte verzweifeln aufgrund des Schneemangels. (Im Bild: Adelboden)
Mildes Wetter an den Feiertagen.
Bern - Unten grau oben blau: Während das Mittelland im Nebel lag, strahlte über 600 Metern die Sonne. Mild waren die ... mehr lesen
Zürich - Nach einem ungewöhnlich warmen Herbst hat sich das Wetter auch zum meteorologischen Winteranfang am 1. Dezember nicht besonders winterlich gezeigt. Im Tessin war es fast 20 Grad warm, nördlich der Alpen war es mit verbreitet über 10 Grad ebenfalls sehr mild. mehr lesen 
Das neue Modell berechnet zweimal pro Tag Vorhersagen.
Das neue Modell berechnet zweimal pro Tag ...
Unwetter besser erkennen  Bern - MeteoSchweiz hat nach einer sechsmonatigen Testphase ein neues Wettervorhersagemodell in Betrieb genommen. Dieses berechnet zweimal pro Tag 21 leicht unterschiedliche, aber gleich wahrscheinliche Vorhersagen für die nächsten fünf Tage. 
Niederschläge erwartet  Bern - Die Pegel des Bieler-, des Neuenburger- und des Murtensees werden vorsorglich abgesenkt, um Platz für zu erwartende Niederschläge ...
Die BAFU möchte Platz für die zu erwartenden Niederschläge machen. (Archivbild)
Höchstwerte von 25 Grad erwarten uns.
Am Montag wirds dann wieder frisch  Bern - Der Sommer kommt, aber nur für kurze Zeit: Über das Wochenende gibt es Höchstwerte von 25 Grad, in Föhngregionen sind sogar ...  
Unwetter Hilfe für Flutopfer in Sri Lanka Colombo - In den Überschwemmungsgebieten in Sri Lanka ist ...
Dürren und andere Wetterextreme werden in den kommenden Jahrzehnten deutlich zunehmen. (Symbolbild)
Klimawandel Klimawandel verschärft weltweite Flüchtlingskrise Berlin - Dürren, Überschwemmungen und andere Wetterextreme schlagen weltweit Millionen Menschen in die Flucht - und die Lage wird sich Experten zufolge ...
Überschwemmungen Schwere Unwetter in Sri Lanka Colombo - Wegen der anhaltenden schweren Unwetter in Sri Lanka ...
Mit Biogas betriebene Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) können fluktuierenden Solarstrom kompensieren und Gebäude beheizen.
ETH-Zukunftsblog Ein Schwarm stromproduzierender «Heizungen» für die Energiewende Eine zentrale Herausforderung der Energiewende ist es, die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen auszugleichen. Eine ...
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 10°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich vereinzelte Gewitter
Basel 9°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich vereinzelte Gewitter
St. Gallen 11°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich vereinzelte Gewitter
Bern 8°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich vereinzelte Gewitter
Luzern 12°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen vereinzelte Gewitter
Genf 9°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig vereinzelte Gewitter
Lugano 13°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich vereinzelte Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten