Waffen-Diskussion nach Bluttat: «Nicht der geeignete Zeitpunkt»
publiziert: Freitag, 27. Jul 2012 / 19:21 Uhr
In den USA ist das Recht auf Waffen im GEsetz verankert. (Symbolbild)
In den USA ist das Recht auf Waffen im GEsetz verankert. (Symbolbild)

Betrachtet man die politische Führung Amerikas, kann man kaum glauben, dass es dort gerade zu einer schrecklichen Bluttat kam, denn Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney sind rasch zu ihrem Wahlkampf und anderen Themen zurückgekehrt.

5 Meldungen im Zusammenhang
«Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, um über die Politik zu sprechen, die mit dieser Tragödie in Zusammenhang gebracht wird», sagte Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney.

Mit dieser Tragödie meint Romney den Amoklauf vom letzten Wochenende in einem ausverkauften Kino in Aurora im Bundesstaat Colorado. Der mutmassliche Täter mit dem orange gefärbten Haar trug eine schusssichere Weste und hatte ein Sturmgewehr, eine Schrotflinte und zwei Handfeuerwaffen bei sich.

Erneut richteten viele Amerikaner ihre Aufmerksamkeit auf die liberalen Waffengesetze und das erstaunlich grosse Waffenarsenal des Landes: Schätzungsweise 270 Millionen Waffen sind in den USA im Privatbesitz, was die Amerikaner zu dem am stärksten bewaffneten Volk der Welt macht. Der Jemen, ein instabiles Land mit seiner Geschichte von Stammesfehden, Bürgerkriegen und einer schwachen Zentralregierung, landet weit abgeschlagen auf Platz zwei.

Das Blutbad vom Wochenende hatte Auswirkungen auf den Wahlkampf um das Weisse Haus: Romney und Obama sagten kurzfristig Walkampfauftritte ab und verboten die Ausstrahlung von Wahlkampfvideos. Obama besuchte zudem Angehörige der Opfer und hielt eine Rede, in der er seine Frustration über die anhaltende Waffengewalt in den USA zum Ausdruck brachte.

«Nach einer so ausserordentlich schrecklichen Tragödie wie der, die wir jetzt erlebt haben, wird stets der Ruf nach Veränderungen laut», sagte Obama. «Danach wird über Reformen und neue Gesetze gesprochen. Doch viel zu oft sind sämtliche Änderungsversuche in der Vergangenheit von Politikern und Lobbygruppen zunichte gemacht worden und auch daran gescheitert, dass sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nach einiger Zeit wieder auf ein anderes Thema richtet.»

Sowohl Demokraten wie auch Republikaner gingen bislang der heiklen Frage über eine Verschärfung der laschen Waffengesetze aus dem Weg und forderten den Kongress nicht dazu auf, die Gesetzeslage zu ändern.

«Der Präsident vertritt die Ansicht, dass wir bereits jetzt, unter Anwendung der geltenden Gesetze, Schritte unternehmen können, denjenigen Leuten eine Waffe vorzuenthalten, die keine besitzen sollten», teilte der Sprecher des Weissen Hauses, Jay Carney, mit.

In einem Interview mit dem Sender CNBC sagte Mitt Romney: «Das Problem sind nicht die Gesetze, sondern Menschen, die den Bezug zur Realität verloren haben und diese unaussprechlichen, unvorstellbaren und unerklärlichen Taten begehen.»

In den USA gibt es so viele Waffen, dass selbst bei den ehrgeizigsten Versuchen eine unfassbar grosse Anzahl an Waffen in den Händen von unfassbar vielen Leuten bleiben würde. Doch solch ein ehrgeiziger Versuch ist sowieso unwahrscheinlich, da Waffenbesitzer politisch sehr engagiert sind und die Waffenlobby, zum Beispiel die National Rifle Association (NRA), enormen Einfluss ausüben.

«Die NRA ist eine extrem einflussreiche Organisation. Sie bedeutet Wählerstimmen und verfügt über sehr viel Geld», sagt der Demokrat Jim Manley, ehemaliger Sprecher von Mehrheitsführer Harry Reid. Das Recht auf privaten Waffenbesitz ist in der amerikanischen Verfassung verankert und die politische Führung des Landes will dieses Recht nicht unbedingt beschneiden

Selbst nach Colorado möchten die meisten Politiker Amerikas lieber nicht über eine Verschärfung des Waffengesetzes sprechen.

(Kolumne von Jonathan Mann/CNN-News)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Washington - Die Waffenlobby in den USA geht weiter auf Konfrontationskurs zu ... mehr lesen
Die Waffenlobby kämpft gegen ein verschärftes Waffenrecht.
Aurora - US-Präsident Barack Obama hat den Angehörigen der Opfer des Kino-Massakers von Colorado Trost gespendet. Das ganze ... mehr lesen
Barack Obama tröstet die Betroffenen des Kino-Massakers. (Archivbild)
Washington - Nach dem Blutbad in ... mehr lesen
Washington - Bei dem Amoklauf in einem Kino bei Denver sind laut neusten Angaben lediglich zwölf Menschen getötet worden. Die ... mehr lesen
Senatorin Dianne Feinstein will Klarheit schaffen.
Senatorin Dianne Feinstein will Klarheit ...
US-Politiker empört  Was vielen Leuten weltweit bereits seit Monaten die Zornesröte ins Gesicht treibt, verärgert nun auch einflussreiche Politiker Washingtons: Womöglich wurden auch sie von Vater Staat ausgespäht. 
Ukraine Krise  Haben Präsident Barack Obama und die schwache US-Aussenpolitik Wladimir Putin den Weg geebnet und die Krim-Krise befördert?   1
Wandel in der Gesellschaft?  Denkt man an den US-Bundesstaat Arizona, hat man eigentlich Bilder von Cowboys, ...
Jan Brewer: «Religionsfreiheit ist ein Grundwert in Amerika und Arizona.»
John Ellis «Jeb» Bush.
Erst der Papa, dann der Bruder  Und wie steht es mit dem Rest der Welt? «Ich möchte diese Entscheidung auf den richtigen Moment vertagen. Doch es ist sicher, ...  
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2470
    Einige... Fehlbewertungen dieses Krimkonfliktes kommen anscheinend daher, dass ... Mi, 12.03.14 22:16
  • lector aus Winterthur 62
    Pervers Während wichtige und nützliche, staats-erhaltende Beamte um Ihre ... Fr, 04.10.13 21:36
  • HeinrichFrei aus Zürich 342
    Schweizer sind gegenüber den USA sehr misstrauisch Der US-Kongress hat nach den Attacken von 9/11, vom 11. September 2001, ... Fr, 14.06.13 15:33
  • JasonBond aus Strengelbach 4114
    Palin reloaded Unfassbar wie dumm die Reps offenbar geworden sind. Hat man nichts ... Fr, 17.08.12 16:17
  • Menschenrechte aus Bern 112
    Romney why dont you go home and stay there. All you have is Money, but no ... Di, 24.07.12 17:15
  • Kassandra aus Frauenfeld 1017
    Ob er das wirklich selbst glaubt? Sehen wir uns mal die Lage an. Die Reichen haben noch nie in der ... Mo, 16.07.12 13:36
  • JasonBond aus Strengelbach 4114
    Mitt Romney for President Mitt Romney hätte schon vor vier Jahren Präsident werden sollen, dann ... Fr, 13.07.12 14:09
  • JasonBond aus Strengelbach 4114
    ...was gut aufzeigt was Republikaner für gequirlte Schei**e reden wenn der Tag lang ... Mo, 25.06.12 14:00
Die US-Regierung übt scharfe Kritik an Israel.
Whitehouse US-Regierung verärgert über Israels Siedlungspläne Washington - Mit deutlicher Kritik hat ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
DO FR SA SO MO DI
Zürich 10°C 14°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 9°C 15°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
St.Gallen 11°C 15°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 12°C 19°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 12°C 19°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 13°C 21°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 13°C 23°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten