Parlamentswahlen in Montenegro Schicksalshafter Urnengang
Wahlen in Montenegro sollen Weichen für Unabhängigkeit stellen
publiziert: Sonntag, 22. Apr 2001 / 12:47 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 22. Apr 2001 / 19:54 Uhr

Podgorica - Die jugoslawische Teilrepublik Montenegro hat am Sonntag ein neues Parlament gewählt und damit möglicherweise die Weichen für eine Abspaltung von Serbien gestellt. Mit 44,6 Prozent in den ersten fünf Stunden zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab.

Dies teilte eine regierungsunabhängige Vereinigung von Wahlbeobachtern in der Hauptstadt Podgorica mit. Zu Beginn der Wahl seien «kleinere Unregelmässigkeiten» festgestellt worden, die aber schnell beseitigt worden seien und keine Auswirkungen auf das Wahlergebnis hätten.

Mehr als 3000 montenegrinische und ausländische Wahlbeobachter kontrollierten den Urnengang. Unter ihnen ist auch der Schweizer CVP-Nationalrat Remo Galli. Seinen ersten Einschätzungen zufolge gab es einzig Unklarheiten über bestimmte Wahl-Vorschriften.

Djukanovic kündigt baldiges Referendum an

Umfragen sagten der Regierungskoalition von Präsident Milo Djukanovic einen Wahlsieg voraus. Der 39-jährige Reformer kündigte bei der Abgabe seiner Stimme an, er wolle «sehr bald» ein Referendum über die Unabhängigkeit seines Landes abhalten.

Die Wahllokale sollten um 21 Uhr schliessen, erste Ergebnisse wurden um Mitternacht erwartet. Zum Urnengang waren knapp 450 000 Wahlberechtigte aufgerufen.

Pünktlich um 8 Uhr öffneten in der Mittelmeerrepublik mehr als tausend Wahllokale. In Podgorica bildeten sich trotz anhaltenden Regens schon am Vormittag lange Schlangen vor den Lokalen. Ein Wahlleiter betonte, die Menschen seien sich der historischen Dimension der Wahlen bewusst: «Sonst würden sie nicht so zahlreich um diese Uhrzeit kommen.»

In der Hauptstadt Podgorica äusserte sich Djukanovic vor Journalisten zuversichtlich, dass der Urnengang in einer demokratischen Atmosphäre ablaufen werde.

Er sei sicher, dass die Ergebnisse den «authentischen Willen» der Montenegriner widerspiegeln und zur demokratischen und pro- europäischen Entwicklung der Republik beitragen würden, fügte er hinzu.

Bulatovic mahnt Verlierer

Der seit 1998 amtierende montenegrinische Präsident strebt den Austritt seines Landes aus der Bundesrepublik Jugoslawien spätestens bis zum Nationalfeiertag am 13. Juli an. Sein Herausforderer Predrag Bulatovic, Chef der Sozialistischen Volkspartei (SNP), kämpft für den Verbleib im Bund.

Bulatovic bewertete die Wahlen zwar als «sehr wichtig». Das Ergebnis bedeute aber keine endgültige Festlegung für die Zukunft Montenegros. Zugleich mahnte er, die Wahlverlierer müssten das Resultat anerkennen.

Nach einer Umfrage sind nur rund 34 Prozent der 650 000 Montenegriner für die Unabhängigkeit, rund 37 Prozent wollen die seit 1992 bestehende jugoslawische Republik beibehalten.

Djukanovics Koalitionsbündnis «Der Sieg gehört Montenegro» aus Demokratischen Sozialisten (DPS) und Sozialdemokraten (SDP) kann laut einer Umfrage mit 34 der insgesamt 77 Sitze im Parlament rechnen.

Zusammen mit den Liberalen, die demnach auf acht Sitze kämen, hätten die Befürworter einer Unabhängigkeit sogar die absolute Mehrheit. Die Anhänger der jugoslawischen Föderation müssten sich mit 28 Sitzen begnügen. Insgesamt bemühten sich 920 Kandidaten von rund 20 verschiedenen Parteien um die Gunst der Wähler.

Belgrad besorgt

Belgrad sah dem Ausgang der Wahlen mit Sorge entgegen. Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica will einen weiteren Zerfall Rest-Jugoslawiens verhindern. Auch westliche Staaten befürchten, die Balkan-Region könnte durch einen weiteren neuen Staat destabilisiert werden.

(kil/sda)

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