Wahlkampf-Gemetzel mit Millionen
publiziert: Montag, 2. Apr 2007 / 11:46 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 3. Apr 2007 / 09:35 Uhr

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Wenn in den USA Wahlkampf geführt wird, geht das ins Geld. Und wer es nicht schafft, genügend Kohle bei Wirtschaft und Wählerbasis zu schürfen, der sollte es sich besser überlegen, gleich zu Hause zu bleiben. Denn wenn das Geld fehlt, kann es gut sein, dass es der Bewerber nicht einmal schafft, Kandidat seiner Partei zu werden.

Die magische Zahl ist momentan 26'000'000.--. So viel hat Hillary Clinton im ersten Quartal dieses Jahres – ein Jahr, vor dem demokratischen Vorwahlkampf – schon unter ihren Anhängern gesammelt. Ein neuer Rekord, der auch mit der Hilfe ihres Mannes, Ex-Präsident Bill-Clinton, zu Stande kam. Und dabei hat das richtige Geldsammeln noch gar nicht begonnen.

Senator John Edwards, der im Moment Zweitplazierte im Geldrennen, hat gut die Hälfte von Clintons Kasse angehäuft, nämlich 14 Millionen. Doch Clinton legte noch was drauf: 10 Millionen aus ihrer Senat-Wahlkampfkasse, die sie nicht verbraucht hatte. Doch zu glauben, dass das Rennen – zumindest um den demokratischen Kanditaturposten - nun schon fast gelaufen sei, ist falsch.

Der grösste Konkurrent von Clinton ist Barack Obama. Der hat seine Zahlen – genau wie auch die republikanischen Kandidaten – noch nicht bekannt gegeben. Dies kann Zweierlei bedeuten: Entweder will er wegen mangelnden Erfolges nicht an die Öffentlichkeit treten und so für seine Kampagne etwas Zeit heraus holen, oder er hat schon so viel gesammelt, dass er den vollen Effekt ausnutzen will, indem er ohne Ablenkung durch andere Zahlen die seinen bekannt macht. Was er hingegen schon durchsickern liess, war die Anzahl von Spendern: 83'500 Leute hätten bisher für Obama Geld gegeben... wesentlich mehr als die 50'000, die Clinton unterstützten. Fragt sich nur, wieviel jeder gegeben hat. Bewegt sich die individuelle Spendenhöhe für Obama auf jener von Edwards, kann man mit über 30 Millionen in seiner Kasse rechnen.

Was für eine PR-Schlacht die Welt und vor allem die USA beim nächsten Wahlkampf erwarten wird, zeigt sich daran, wenn man diese Zahlen mit jenen der letzten beiden Wahlkämpfe vergleicht: John Edwards, der 2003 das Spendenfeld anführte, sammelte damals 7,4 Millionen. 1999 waren es 7,5 Millionen für Bush und 8,9 Millionen für Al Gore, den damaligen Vize.

Die aktuellen Zahlen sind schwindelerregend und die Frage stellt sich, ob die Präsidentschaft der USA unterdessen einfach eine käufliche Ware geworden ist. Früher konnte man noch eindeutig nein dazu sagen. Das Charisma eines Kandidaten wog mehr als die Plakate, die er klebte. Doch mit der Medienpräsenz und den Kosten von dieser, scheint alles anders zu werden. Wer genug lang in genug Quellen Dinge über sich zu verbreiten vermag und Guerilla-Kampagnen gegen seine politischen Gegner geschickt genug lanciert (eine Spezialität der Republikaner), schafft es unterdessen, die öffentliche Meinung entscheidend zu manipulieren. Geld ist dabei ein perfektes Mittel zum Zweck. Die Bandbreite einer Kampagne wird durch die zur Verfügung stehenden Finanzen bestimmt.

Clinton hat deshalb – trotz ihres Lavierens in vielen Themen und einem Abstimmungsverhalten im Senat, das eher an einen Republikaner erinnert – sehr gute Chancen auf die Kandidatur, wenn sie ihr Momentum aufrecht erhält. Doch eines sollte ihr Sorgen machen: Obama scheint es wesentlich besser zu gelingen, die 'kleinen' Parteimitglieder, jene, die Anfang nächsten Jahres in den Vorwahlen über die Kandidatur bestimmen werden, zu mobilisieren.

Zudem stellen beide politische Minderheiten dar: Clinton als Frau, Obama als farbiger Amerikaner. Beides Vertreter von Volksgruppen, die schon lange ein Anrecht auf die Präsidentschaft einfordern. Es ist durchaus möglich, dass John Edwards vom Titanenkampf der beiden Spenden-Spitzenreiter profitieren und als lachender Dritter die Kandidatur wegschnappen könnte, so dass wieder ein weisser Mann (denn unter den Republikanern bewerben sich nur solche), Präsident werden würde.

Wer darauf steht, darf sich auf ein Gemetzel im US-Wahlkampf freuen. Alle anderen müssen hoffen, dass hier nicht der endgültige Ausverkauf der amerikanischen Demokratie stattfinden wird.

(von Patrik Etschmayer/sda)

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