
Der Autor dieser Zeilen ist vor kurzem wieder mal länger Auto gefahren. Und er wusste schon bald wieder, warum er dies normalerweise sein lässt, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.
Da sich der Rest in etwa als durchschnittlich betrachtet, kann so schon davon ausgegangen werden, dass ein guter Teil der Automobilisten sich völlig überschätzt und dementsprechend Auto fährt.
Dies wäre allerdings soweit egal, wenn die Strassen halbwegs leer wären. Sind sie aber nicht. Rein gefühlsmässig geschätzt hat sich die Zahl der Autos in den letzten 30 Jahren in etwa verdreifacht. So waren im Wohnsitzkanton des Autors damals Nummern über 100'000 eine Rarität. Heute wird die 400'000er-Grenze gestupst. Das Strassennetz ist - aus rein räumlichen Gründen - seit damals nicht wirklich gewachsen. Ein wenig, sicher. Aber mehr ist schon rein physikalisch nicht wirklich möglich.
So drängen sich heute also dreimal so viel Autos mit Fahrern, die von sich glauben, besser als alle anderen zu sein, auf einem unwesentlich grösseren Strassennetz. Doch das reicht noch nicht. Scheinbar fahren wir heute im Durchschnitt jedes Jahr auch etwa drei mal so weit wie in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Und, als besonderes Zuckerl, kommt noch dazu, dass auch der Lastwagenverkehr dramatisch zugenommen hat.
Wenn man jetzt nochmals kalkuliert (und vorsichtig bleibt), so dürfte sich die Verkehrsdichte in den letzten 3 bis 4 Jahrzehnten also verzehnfacht haben. Die Symptome sind jedem bekannt. Häufige Staus, selbst ausserhalb der Ballungszentren, erhöhter Stress von und mehr Aggression durch die Automobilisten und dies alles vor dem Hintergrund einer immer schärfer geführten Umweltdebatte. Das einzig wahre positive sind die immer tieferen Zahlen von Verkehrstoten, ein Faktum, dass der immer besseren passiven und aktiven Sicherheit moderner Automobile zu verdanken ist.
Die bessere Effizienz der Motoren wird dabei hingegen durch die höheren Fahrleistungen und die Teils wegen Vorschriften (Sicherheit) und Luxusausstattung, teils durch Eitelkeit und Paranoia immer fetter gewordenen Autos mehr als aufgefressen (SUV, anyone?). Es gäbe also gute Entschuldigungen, das Auto stehen zu lassen.
Doch mit der Vernunft lassen sich (die Zahlen sprechen für sich) kaum irgendwelche Automobilisten zu diesem Schritt bewegen. Doch wie wäre es mit diesem Argument: Es macht einfach keinen Spass mehr!!
Autofahren ist unterdessen in etwa so lustig wie Migräne geworden. In den 80ern und 90ern war es zum Teil noch irgendwie lustig. Man fand tatsächlich noch mal eine leere Landstrasse und konnte in den Kurven ein wenig Spass haben und selbst einem Automuffel wie dem Autoren huschte nach einer schönen Kombination ein Lächeln über das Gesicht. Und ansonsten ging es meist angenehm voran.
Zumindest in der Schweiz ist das vorbei. Freie Strassen kennt man nur noch aus der Autowerbung und selbst gesetzeskonformes Fahren und Überholen wird von den Überholten mit wildem Fuchteln, Lichthupen, knappem Auffahren oder gar Anzeigen quittiert. Das Stressniveau ist unterdessen auf einem Level angelangt, der sich sowohl im feindseligen Verhalten der Autofahrer als auch in vielen von deren Autos, die eher an Schützenpanzer auf Steroiden erinnern, wieder spiegelt.
Doch vielleicht ist dies alles nur Nostalgie und der Strassenstress nichts als eine Illusion eines Autors - denn scheinbar geniessen es immer mehr Menschen, im Stau zu stehen. Und wenn es offenbar alle gerne machen, dann kann der heutige Verkehr ja wohl doch kein Wahnsinn sein, oder?
(Patrik Etschmayer/news.ch)
Wenn man viel Glück hat, fährt man zufällig an den 2 Tagen vorbei, an denen 3 gelangweilte Bauarbeiter etwas Teer aufziehen. Aber das ist schon fast ein 6er im Lotto.
PS: dieser Autor hat das Autofahren vor längerem bereits aufgegeben. Nicht ohne Reue. Denn als Sardine in der Konserve zu fahren, macht auch nicht mehr Spass, als sich im Stau zu ärgern.
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