Wann ist Träumen wieder erlaubt?
publiziert: Dienstag, 14. Feb 2006 / 08:27 Uhr

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Die Schweiz startet Mittwoch, 15. Februar 2006 zu ihrem ersten Gruppenspiel ins Olympische Eishockeyturnier. Gegen die starken Finnen. Vor ziemlich genau 18 Jahren startete die Nati ebenfalls als krasser Aussenseiter in Olympische Abenteuer gegen Finnland. Und gewann.

Es war das wahrscheinlich spektakulärste Spiel einer Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft an Olympischen Spielen. Einige Millionen Kanadier zu bester «Prime Time», einige Hunderttausend Skandinavier und wohl einige Zehntausend Schweizer zur tiefen Nachtzeit verfolgten das Spiel am TV. Und eines hatten alle Zuschauer gemeinsam: man rieb sich nicht die Augen aus Müdigkeit, sondern weil man genau diesen nicht mehr traute: Die Schweiz siegte gegen den nachmaligen Silbermedaillengewinner nach einer couragierten Abwehrschlacht mit 2:1 und verleitete die Kommentatoren, namentlich Beni Turnheer, zum bisher wohl längsten und lautesten Jubelschrei der TV-Hockeygeschichte. Das Siegtor erzielte Köbi Kölliker, jetzt U20-Nationaltrainer und einer der Assistenzcoaches von Ralph Krueger, gegen die Mannen rund um die SCB- und Edmonton Oilers-Legende Reijo Ruotsalainen.

Dieser Sieg war eigentlich die halbe Miete, denn man hatte einen der drei grossen Konkurrenten der Gruppe um den Einzug in die Medaillenrunde besiegt. Es folgten zwei «ehrenvolle Niederlagen» nach sehr gutem Spiel gegen Kanada und Schweden sowie zwei klare Siege gegen Polen und Frankreich. Und dennoch: Die Schweiz schied als Gruppenvierter aus. Weil, ja weil die Finnen überraschend Kanada schlugen und in extremis die Schweiz in der Gruppentabelle überholte.

Schon damals war es so, dass die Schweizer Eishockey-Nati kurz vor einem grossen Coup stand und dennoch diesen nicht landen konnte. Schon damals sprach man von einem grossen Erfolg und mit Hochachtung vor der Olympischen Leistung. Aber schon damals war es so, wie es mit den Schweizer Teams in Mannschaftssportarten immer ist: Man macht einen, zwei oder gar drei entscheidende Schritte. Aber der ganz grosse Erfolg bleibt dennoch aus. Das war zuletzt auch nicht anders. Achtungserfolge gab es zuhauf an Weltmeisterschaften, aber man war dennoch, ob nun 1988, 1992, 1998, 2000 oder auch 2004 und 2005, immer meilenweit von einer Medaille weg, Sogar, als man im Semifinale in Prag 1992 oder an der Heim-WM in der Schweiz 1998 stand, war die Medaille aufgrund des Klassenunterschiedes zum Halbfinalgegner gross.

Bleiben wir realistisch und klammern das Träumen nicht aus: Die Schweiz könnte durchaus einen Exploit schaffen und einen der Top Seven-Weltelite im Viertelfinale an einem «Given Day» besiegen. Ein Tinu Gerber in bestechender Form und eine gute Chancenauswertung würden dies möglich machen. Dass dann im Halbfinale und beim Spiel um Platz drei noch einmal ein Exploit passiert, ist aber unwahrscheinlich. Der beste Beweis hierfür sind die Semifinalspiele der Schweizer (1992, 1998) und Weissrussen (Olympia 2002) jeweils nach einem Exploit im Viertelfinale: Man war schlicht und einfach chancenlos. Sowohl im Semifinalspiel wie auch in der Partie um die Bronzemedaille. Ein Exploit wie 1976 die Deutschen in Innsbruck oder die US-Boys im «Miracle» von Lake Placid ist in der heutigen Zeit mit den aktuellen Hierachie leider nicht mehr möglich.

Nationen wie die Slowaken oder die Finnen brauchten zwei Jahrzehnte, um sich an die sportlichen Fersen der Kanadier, US-Amerikaner, Schweden, Tschechen oder Russen zu heften. Die Schweiz hat die Arbeit um den Anschluss an die Weltspitze erst seit wenigen Jahren so richtig begonnen und wird deshalb noch mindestens den Durchlauf von zwei Generationen an erfolgshungrigen und talentierten Spielern brauchen, um auf dem Stand zu sein wie die Slowaken oder Finnen. Dann ist Träumen endlich wieder erlaubt.

(von Joël Wüthrich/news.ch)

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