Warum nicht Frühdeutsch?
publiziert: Freitag, 2. Apr 2004 / 11:00 Uhr

Die Diskussion ging hoch her und jetzt wurde endlich eine Einigung gefunden: Primarschüler werden in Zukunft gestaffelt zwei Fremdsprachen lernen, wobei immer eine Landessprache darunter sein muss. Das Ansinnen der Deutschschweizer Kantone, primär Englisch zu Unterrichten, hatte in der Romandie für grossen Unmut gesorgt, da die Angst herrschte, die Entfremdung der Deutschschweiz vom Westen des Landes würde so noch grösser.

Nun, die Einigung ist erzielt und in Zukunft werden die Primarschüler der Deutschschweiz in drei Fremdsprachen unterrichtet werden.

Drei? Wie kommt der Autor wohl auf diese Zahl? Nun, wenn wir ehrlich sind, ist für den durchschnittlichen Zürcher, Berner oder Basler das Hochdeutsche fast so weit weg wie das Französische oder das Englische. Und selbst nach sechs Jahren Deutschunterricht scheint unser Nachwuchs nicht wirklich heimisch in jener Sprache, in der fast alle hiesigen Zeitungen, Gesetzestexte, Verträge und Kolumnen verfasst sind.

Fragt man Sekundarlehrer, die das Vergnügen haben, Dreizehnjährigen Deutsch beizubringen, wandert deren Blick erst mal gen Himmel. Um danach die Unfähigkeit der Schüler, zu konjugieren und zu deklinieren, in Grund und Boden zu verdammen. Eine Lehrerin erzählte mir davon, dass sie mit ihrer Klasse Stoff durchgehen musste, den eigentlich Fünftklässler beherrschen müssten.

Textverständnis und die Fähigkeit, eigene Gedanken zu formulieren, seien stark eingeschränkt. Nicht, weil die Schüler so dumm seien, sondern weil sie scheinbar niemals das Handwerkszeug erhalten haben, mit der deutschen Hochsprache umzugehen. Dass der Primarschulunterricht zum grossen Teil auf Schweizerdeutsch gegeben wird, ist vermutlich nicht unwesentlich daran beteiligt. Doch es gibt auch noch andere Faktoren, wie der hohe Fremdsprachenanteil unter Primarschülern und die Tatsache, dass viele Eltern eigene Aufgaben versuchen, an die Schulen abzuschieben und so die Lehrer überlastet werden. Doch auch in Gegenden, wo der Ausländeranteil tief ist, sind die Deutschkenntnisse der Schüler, die in die Sekundarschule übertreten, lausig.

Doch wenn man die eigene Sprache schon fast nicht beherrscht, wie soll man erst Fremdsprachen lernen? Es gibt nun einmal Regeln in Sprachen, die nicht spielerisch und locker absorbiert werden können, sondern mühsam erlernt sein wollen. Sind diese Strukturen aber erst einmal bekannt, ist man fähig, die Sprache zu beherrschen, statt von ihr beherrscht zu werden.

Versteht man erst einmal, wie die eigene Sprache funktioniert, wird es auch wesentlich leichter, andere Sprachen zu erlernen. Auch ist es mit diesen Fähigkeiten möglich, die Welt um sich herum besser zu verstehen: Politisches Desinteresse, die Unfähigkeit Abzahlungs- und Kreditverträge und deren Konsequenzen zu begreifen und eine immer komplexere Welt zu erfassen, sind auch eine Folge davon, dass unser wichtigstes Kommunikationsinstrument - die Sprache - von vielen jüngeren Leuten nicht richtig mehr angewendet werden kann.

Es ist daher zu hoffen, dass die Ankündigung, auch die Primärsprachen wieder stärker zu unterrichten und zu fördern, in die Tat umgesetzt wird. Ansonsten wird nämlich einfach eine Generation von polyglotten Analphabeten herangezogen.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
«Hier hätte ich noch eine ...
In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer Angst vor ISIS hat, sollte sich überlegen, ob er seinen Paranoia-Focus nicht neu einstellen will. Denn das hier ist jenseits aller im Alltag sonst verklickerten Gefahren anzusiedeln. mehr lesen 4
Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle ... mehr lesen  
Künftig mindestens 500'000.-- und die ganze Schweiz inklusive: SwissPass, der schon bald mal GACH heissen könnte.
Urversion von IBM's Supercomputer WATSON: Basis für 'ROSS'... und unsere zukünftigen Regierungen?
Eine renommierte US-Kanzlei stellt einen neuen Anwalt Namens Ross ein. Die Aufgabe: Teil des Insolvenz-Teams zu sein und sich durch Millionen Seiten Unternehmensrecht kämpfen. Und nein, ROSS ist kein armes Schwein, sondern ein ... mehr lesen  
In letzter Zeit wurden aus Terrorangst zwei Flüge in den USA aufgehalten. Dies, weil Passagiere sich vor Mitreisenden wegen deren 'verdächtigen' Verhaltens bedroht fühlten. ... mehr lesen  
Sicherheitskontrolle in US-Airport: 95% Versagen, 100% nervig.
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
saleduck.ch, Logo
Shopping «Wär hetts erfunde?» Zwei Jahre nach der Gründung erhält Saleduck.ch eine neue Plattform und wird zu einer Deal Community. Neben einem neuen Layout bieten sich auch für Netzwerke und Advertiser viele ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 24°C 33°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 22°C 34°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
St. Gallen 22°C 30°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen vereinzelte Gewitter
Bern 21°C 32°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 22°C 34°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Genf 21°C 34°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Lugano 22°C 34°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten