Was von den Spielen übrig bleibt
publiziert: Montag, 25. Aug 2008 / 11:50 Uhr / aktualisiert: Montag, 25. Aug 2008 / 12:21 Uhr

1 Meldung im Zusammenhang
Das letzte Feuerwerk ist im Nachthimmel über Beijing verglüht und die Athleten sind auf dem Weg nach Hause. Die Spiele sind vorbei, die grossen Lügen sind gelogen und schon spricht man davon, wie wohl die nächsten Spiele in London gegen diese bestehen könnten, gegen diese Perfektion, diese organisatorische Stärke, diese Rekorde.

Eins dürfte jetzt schon sicher sein. Sowohl die Journalisten wie auch die Zuschauer werden in vier Jahren frei recherchieren können, Zugang zu allen erdenklichen Websites haben und frei herum reisen. Proteste werden erlaubt sein und die Regierung wird, was das betrifft, im Vorfeld keine hohlen Versprechen geben müssen, die sie dann ohnehin nicht einhalten kann.

Und die Rekorde? Über den Sport zu reden ist fast schon tragisch – die angeblich saubersten Spiele aller Zeiten, wurden zum Teil von Athleten dominiert, die Trainingskontrollen nur vom Hörensagen kennen und sich vermutlich ins Fäustchen lachen, wenn sie daran denken, dass manche ihrer Kollegen vermutlich schon ganz routinemässig mit einem Dopingtester aufs Klo gehen.

Es waren weder die besten noch die saubersten Spiele. Es waren hingegen olympische Spiele, die vor allem ein Ziel hatten: China der Welt und vor allem auch sich selbst zu präsentieren als Land der Perfektion, der Organisation, des Gigantismus, als Land ohne Makel, das keinen solchen zulassen würde. So gesehen reflektierten diese Spiele nicht die Realität, sondern vor allem das Bild des Landes, wie es das ZK der kommunistischen Partei Chinas sehen will.

Wie bei allen totalitären Regimes liegt es ausserhalb der Vorstellungskraft der KP-Granden, dass Imperfektion ein Teil des menschlichen Wesens, Gigantismus, ganz egal wie prächtig glänzend er daher kommt, unmenschlich ist und dem Menschen nur eine Nachricht vermitteln kann: «Du bist klein und du bist unwichtig».

Doch vielleicht war es ja gerade das, was diese Spiele und diese Feierlichkeiten sagen wollten, entspricht dies ja eigentlich auch der kommunistischen Ideologie. So war es denn auch nur logisch, dass die ganzen Versprechen, was Demonstrations- und Redefreiheit während der Spiele anging, nur Dekoration war, nie dazu gedacht, eingelöst zu werden. Denn dies wäre nicht im Interesse des Kollektivs gewesen – auch wenn dieser Ausdruck im Wirtschaftswunderland China fehl am Platz scheint, wird doch Unternehmertum gefördert mit für den Rest der Welt schockierenden Resultaten.

Doch genau darum waren diese Spiele für China Innenpolitisch von so grosser Wichtigkeit. Die durch das raubtierkapitalistische Wirtschaftsleben generierten Zentrifugalkräfte sind eine Gefahr für die Macht der Partei und könnten das Volk auseinander reissen. Die perfekte Selbstdarstellung, die mit der Präzision einer Militärparade daher kam, war eine willkommene Erinnerung für das Volk, dass nur die Gesamtheit zählt, dass der, der Ausbricht aus der Norm, das Land schwächen würde und ein Verräter ist.

Die Hoffnung, dass die Spiele die Öffnung des Landes fördern werden, ist zweifelhaft. Zumindest kurzfristig sorgen sie einfach dafür, dass das Regime noch stabiler wird und noch weniger willens ist, sich irgendwie zu ändern.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Peking - Nach den Olympischen ... mehr lesen
Die Führung in Peking kündigte mehrere Programme an, um die Wirtschaft anzukurbeln.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
«Hier hätte ich noch eine ...
In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer Angst vor ISIS hat, sollte sich überlegen, ob er seinen Paranoia-Focus nicht neu einstellen will. Denn das hier ist jenseits aller im Alltag sonst verklickerten Gefahren anzusiedeln. mehr lesen 4
Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle ... mehr lesen  
Künftig mindestens 500'000.-- und die ganze Schweiz inklusive: SwissPass, der schon bald mal GACH heissen könnte.
Urversion von IBM's Supercomputer WATSON: Basis für 'ROSS'... und unsere zukünftigen Regierungen?
Eine renommierte US-Kanzlei stellt einen neuen Anwalt Namens Ross ein. Die Aufgabe: Teil des Insolvenz-Teams zu sein und sich durch Millionen Seiten Unternehmensrecht kämpfen. Und nein, ROSS ist kein armes Schwein, sondern ein ... mehr lesen  
In letzter Zeit wurden aus Terrorangst zwei Flüge in den USA aufgehalten. Dies, weil Passagiere sich vor Mitreisenden wegen deren 'verdächtigen' Verhaltens bedroht fühlten. ... mehr lesen  
Sicherheitskontrolle in US-Airport: 95% Versagen, 100% nervig.
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
Welche Modelle sagen mir zu?
Shopping Online Shop für Fitness - was bekommt man alles? Ein Fitness Online Shop bietet einem einfach alles, was das Herz begehrt. Heute ist es nicht selten, dass sich immer mehr Menschen in dem Bereich Fitness ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 6°C 16°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Basel 8°C 19°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 8°C 15°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Bern 6°C 17°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Luzern 7°C 16°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Genf 7°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 9°C 17°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten