Wawrinkas Innenband und Schweizer Chancen kaputt
publiziert: Freitag, 9. Feb 2007 / 00:12 Uhr

Am Donnerstag Nachmittag haben sich wohl die letzten Hoffnungen des Schweizer Davis-Cup-Teams auf ein Weiterkommen gegen Spanien zerschlagen. Teamleader Stanislas Wawrinka verletzte sich im Abschlusstraining und fällt mit einem Innenbandriss im Knie aus.

Stanislas Wawrinkas Innenbandriss wird am Freitag operiert.
Stanislas Wawrinkas Innenbandriss wird am Freitag operiert.
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Der Waadtländer, in Absenz von Roger Federer die klare Nummer 1, wird aller Voraussicht nach durch den Debütanten Stéphane Bohli (ATP 278) ersetzt. Der Genfer trifft im zweiten Einzel auf David Ferrer (ATP 15). Die Eröffnungspartie bestreitet um 13.30 Uhr Marco Chiudinelli (ATP 137) gegen den Weltranglisten-Zweiten Rafael Nadal. Die Affiche im Doppel vom Samstag dürfte nach Wawrinkas Forfait nun Yves Allegro/Chiudinelli gegen Feliciano Lopez/Fernando Verdasco lauten.

Ein weiterer Schweizer wird heute seinen Dienst angeschlagen versehen: Captain Severin Lüthi zog sich im selben Training (!!), das kurz nach der Auslosung stattfand, ebenfalls einen Bänderriss zu. «Das ist schon unglaubliches Pech», so der Captain. Über die genaueren Umstände von Wawrinkas Unfall ist nichts bekannt, da Lüthi zur «Tatzeit» selber behandelt wurde. Wawrinka wird schon heute operiert, seine Rückkehr auf die ATP-Tour wird in 10 bis 12 Wochen erwartet.

Spanier klar besser klassiert

In den ersten beiden Jahren des Verzichts des unumstrittenen Weltranglisten-Ersten auf die Auftaktpartie schafften seine Teamkollegen gegen Holland und Australien (ohne Lleyton Hewitt) den Coup knapp nicht. Diesmal hätte sich die Ausgangslage auch ohne Verletzungsunbill noch schwieriger präsentiert: Spanien ist ein Mitfavorit auf den Titel und individuell klar besser besetzt, obwohl auch ihnen mit Tommy Robredo (ATP 7) ein Top-ten-Spieler fehlt: Alle vier Spanier sind deutlich besser klassiert. Die Einzelspieler Nadal und Ferrer sind deutlich besser klassiert als der neue Teamleader Chiudinelli, die eigentliche Nummer 3 des Landes.

Nadals Faible

Als ob das Pech nicht schon genug wäre, zählt Spanien zudem auf einen besonders «heissen» Spieler, nämlich Nadal, den die leichte Bein-Verletzung, die ihn im Melbourne-Viertelfinal gegen Fernando Gonzalez am Ausspielen der Topform hinderte, nicht mehr stört. Der Weltranglisten-Zweite war 2004 beim zweiten Titelgewinn der Spanier der jüngste Spieler, der je die «hässlichste Salatschüssel der Welt» in die Höhe stemmen konnte (18 Jahre, 187 Tage).

Und der Mallorquiner hat ein grosses persönliches Interesse daran, dass Spanien den «Negativ-Hattrick» von drei aufeinanderfolgenden Erstrunden-Auswärtsniederlagen auf schnellen Hallenplätzen (nach der Sowakei 2005 und Weissrussland 2006) vermeiden kann. «Ich liebe den Davis Cup sehr und er zählt zu meinen absoluten Prioritäten. Er gibt mir spezielle Emotionen, mehr als jedes andere Turnier und wir haben in den nächsten Jahren ein grosses Potenzial. Aber wir müssen anfangen, nun auch auswärts zu gewinnen.»

Tatsächlich stellte dies für die Spanier zuletzt ein grosses Problem dar. Obwohl ihre Fortschritte auf schnellen Unterlagen in den letzten Jahren höchsten Respekt verdienen, sind sie fernab der heimischen Sandcourts weiter am Verwundbarsten. Darauf basierte auch ein Grossteil der Schweizer Hoffnungen: Auf dem schnellen Taraflex-Belag, der in die Palexpo-Halle verlegt wurde, springen die Bälle nicht hoch auf, die Spanier kommen so kaum dazu, ihren geliebten Spin effizient anzubringen. Marco Chiudinelli bringt es auf den Punkt: «Es ist zwar auch nicht unser Lieblingsbelag, aber die Spanier müssen viel grössere Abstriche in Kauf nehmen.»

Chiudinellis Unbeschwertheit

Von Chiudinelli, dem Jugendfreund von Federer, erwartete zumindest vor Wawrinkas Verletzung im heutigen Eröffnungsspiel niemand einen Sieg gegen den zweifachen Paris-Champion. «MC», der schon verschiedentlich bewiesen hat, dass er mental keine Probleme mit grossen Spielen hat, ist einiges zuzuztrauen. Und der 25-Jährige, der seit Mitte Mai von Platz 795 auf 137 vorgerückt ist, war denn gestern zumindest vor der Hiobsbotschaft auch locker.

Locker ja, aber sicher nicht zu locker. Chiudinelli hatte zwar nur eine reduzierte Vorbereitung -- auf dem Heimflug von Australien wurde er krank und lag dann mit 39,5 Grad Fieber flach -- ist nun aber bereit: «Ich werde zwar etwas nervös sein, freue mich aber sehr. Wichtig wird, dass ich gut in den Match steige. Ich werde wohl einen Tick aggressiver spielen als sonst.»

Bohlis Premiere

Stéphane Bohli kommt heute zu einer Premiere, auf die er wohl gerne verzichtet hätte. Der 23-Jährige, dessen bestes Ranking Platz 213 war, hat auf höchster Ebene keinerlei Erfahrung: Auf der ATP-Tour hat er bislang genau zwei Partien bestritten (Niederlagen gegen Nicolas Escudé und Andrei Pavel). «Ich bereite mich so vor, wie wenn ich spielen müsste», hatte Bohli in weiser Voraussicht geahnt. Er war am letzten Samstag mit einer sanften Anpassung militärischer Rituale ins Team aufgenommen worden: Man hatte ihm die Haare dunkel gefärbt und die Beine rasiert.

Allegros Vorteil

Von der Papierform her am offensten ist das Doppel, das Yves Allegro zusammen mit Chiudinelli bestreiten wird. Bei den Spaniern deutet alles auf eine Kombination Lopez/Verdasco hin. In der Vorwoche setzte sich der Walliser in Zagreb an der Seite von Fabrice Santoro gegen die iberische Kombination durch. «Man kann diese beiden Begegnungen nicht miteinander vergleichen. Aber mir ist es lieber, dass ich jene Partie gewinnen konnte», so Allegro.

Spanische «Verkehrtheit»

Für die Schweizer wird es in den nächsten Tagen auch buchstäblich darum gehen, sich nicht linken zu lassen. Mit Ausnahme von Ferrer stehen im Team von Emilio Sanchez nämlich nur Linkshänder, eine ungewöhnliche Massierung, wird doch der globale Tennis-Circuit mehrheitlich von Rechtshändern dominiert. Lüthi und Werner haben mit dem Einsatz der «Lefties» Michael Kurz (GC) und von Wawrinka-Manager Grégory Zavialoff als Sparringpartner auf diese seltene Konstellation reagiert.

Programm

Davis Cup. Schweiz - Spanien in Genf (Halle/Taraflex; 5400 Zuschauerplätze). Freitag, 13.30 Uhr: Marco Chiudinelli - Rafael Nadal, gefolgt von Stéphane Bohli (voraussichtlich, Alternative Yves Allegro) - David Ferrer. -- Samstag, 14.00 Uhr: Allegro/Chiudinelli - Feliciano Lopez/Fernando Verdasco. -- Sonntag, 13.30 Uhr: Bohli - Nadal gefolgt von Chiudinelli - Ferrer.

Teams

Schweiz: Marco Chiudinelli (Technisches Ranking: Einzel: 137/Doppel: 151), Yves Allegro (-/41), Stéphane Bohli (278/277). -- Captain: Severin Lüthi.

Spanien: Rafael Nadal (2/191), David Ferrer (15/187), Fernando Verdasco (33/314), Feliciano Lopez (92/165). -- Captain: Emilio Sanchez.

Head-to-Head: 1:3. -- Letzte Partie: 4:1 für Spanien 1998 im Viertelfinal in La Coruna.

(Marco Keller, Genf/Si)

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Enttäuschter Marco Chiudinelli.
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