Wegen Polizeitaucher-Unglück in Thun Einsatzleiter verurteilt
publiziert: Mittwoch, 13. Nov 2002 / 19:30 Uhr

Thun - Der Einsatzleiter und der Leinenführer einer Suchaktion bei der Thuner Scherzligschleuse sind vom Gericht wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen worden.

Zwei Polizeitaucher sollten im August 2000 bei der Schleuse nach einem vermissten Bootsführer suchen.

Einer der Taucher wurde durch den Sog eines offenen Schleusentores in der Schleuse eingeklemmt.

Sein Kollege eilte ihm zu Hilfe und wurde ebenfalls eingeklemmt.

Der Einsatzleiter und der Leinenführer wurden nun von der Strafeinzelrichterin des Gerichtskreises Thun zu Bussen von 2000 respektive 1000 Franken verurteilt.

Der 51-jährige Einsatzleiter wurde jedoch von der fahrlässigen Tötung des zweiten tödlich verunglückten Polizeitauchers frei gesprochen.

Wie Richterin Antonie Meyes ausführte, habe die Zeit nach dem Unfall des ersten Tauchers gedrängt.

Deshalb mussten grössere Risiken in Kauf genommen werden. Ausserdem herrsche unter Berufskollegen ein sogenannter Ehrenkodex, der zur Hilfe verpflichte.

Der zweite Taucher wäre wohl auch ohne Aufforderung zu seinem verunglückten Kameraden getaucht, folgerte Meyes.

Weniger Verständnis zeigte Meyes für die ganze Suchaktion.

Obwohl davon ausgegangen werden musste, nur noch die Leiche des vermissten Bootsführers bergen zu können, sei mit dem Tauchgang oberhalb der Schleuse ein grosses Risiko eingegangen worden.

Zusätzlich habe sich der Einsatzleiter beim Briefing zu wenig deutlich ausgedrückt, so dass Befehle nicht richtig interpretiert wurden.

Der Einsatzleiter hatte vor dem Tauchgang auch nicht geprüft, ob alle Schleusentore geschlossen waren. Damit verletzte er laut Meyes seine Sorgfaltspflicht.

(bsk/sda)

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