Wegen Toiletten-Affäre zurückgetreten
publiziert: Montag, 3. Sep 2007 / 20:36 Uhr / aktualisiert: Montag, 3. Sep 2007 / 23:21 Uhr

Washington - Mit der Toilettenaffäre hat der 62-jährige Larry Craig das Kunststück fertiggebracht, innerhalb von nur fünf Tagen vom Moralhüter und einflussreichen US-Senator zur politischen Unperson zu werden.

Warf entnervt das Handtuch: Larry Craig.
Warf entnervt das Handtuch: Larry Craig.
3 Meldungen im Zusammenhang
Für den US-Senator war die öffentliche Moral stets Herzenssache. Im Sex-Skandal von Ex-Präsident Bill Clinton liess er die Nation wissen, was er von Clinton hält: «unanständig, schlecht und hemmungslos».

Nach einem anonymen Tipp wurde bekannt, dass der verheiratete Senator aus Idaho Anfang Juni von einem verdeckt arbeitenden Polizisten auf der Herrentoilette auf dem Flughafen von Minneapolis im Bundesstaat Minnesota wegen unzüchtigen Verhaltens festgenommen worden war. Der gläubige Christ bestritt zwar die Vorwürfe des Ermittlers, er habe mit in der Szene eindeutigen Zeichen den Wunsch nach sexuellem Kontakt signalisiert. Aber er bekannte sich schliesslich doch vor Gericht schuldig.

Der Senator wurde wegen einer Ordnungswidrigkeit zu einem Jahr Bewährung und 500 Dollar Strafe verurteilt. «Ich bin nicht schwul, ich mache solche Sachen nicht», sagte Craig dem Ermittler. Er warf dem Polizisten auch vor, er habe ihn in die Falle laufen lassen. Craig wollte einen öffentlichen Skandal vermeiden und sagte keinem Menschen etwas - weder seiner Frau noch Parteifreunden oder Wählern. Und dann holte ihn der Vorfall mit elf Wochen Verspätung doch noch ein.

Hohn und Spott

Nach Hohn und Spott in vielen Medien sowie nach massivem parteiinternen Druck, warf Craig am Samstag entnervt das Handtuch. Er gab seinen Abschied aus dem US-Kongress zum 30. September bekannt.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Toilettenaffäre in den US-Medien selbst die Berichterstattung über den Irak-Krieg in den Schatten gestellt. Tageszeitungen wie die «Washington Post» klärten auf, was man auf einem öffentlichen Herrenklo tunlichst unterlassen sollte, um nicht ins Fadenkreuz eines Ermittlers zu geraten.

Nicht mit Fussspitzen wippen!

Man sollte nicht mit den Fussspitzen wippen, die Füsse des Toilettennachbars nicht mit den eigenen berühren und nie die Hand mit Handfläche nach oben unter der Zwischenwand durchstecken. Auffällig ist auch, wer zur Notdurft nicht die erste freiwerdende Toilette ansteuert. Für Craig hätte der Zeitpunkt des Bekanntwerdens nicht schlimmer sein können. Am Montag begehen die USA den Labor Day. Der Feiertag signalisiert das Ende der Sommerpause und er ist der Startschuss in das Wahljahr 2008.

Welcher Republikaner will sich da zu einer Toilettenaffäre äussern? Immerhin müssen die schon wegen anderer Affären gebeutelten Republikaner bei der Wahl 2008 22 Sitze im Senat verteidigen - die Demokraten nur elf.

Wie ansteckende Krankheit

Als ob Craig unter einer ansteckenden Krankheit leidet, gingen Parteifreunde und führende Republikaner auf Distanz. Das Weisse Haus äusserte sich enttäuscht. Der republikanische Fraktionschef im Senat Mitch McConnell nannte den Vorfall nicht verzeihbar.

Während seine Sangesfreunde aus der Gruppe Singing Senators beharrlich schwiegen, forderten andere Senatoren öffentlich den Rücktritt. Im Kongress fackelte seine Partei auch nicht lange und löste ihn als Vorsitzenden von drei Komitees ab.

(Von Hans Dahne, dpa/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Washington - Die Demütigungen im Skandal um den republikanischen US-Senator Larry Craig nehmen kein Ende: Am Donnerstag (Ortszeit) spielten US-Fernsehsender den Mitschnitt der polizeilichen Vernehmung nach seiner Festnahme auf einer Flughafentoilette ab, wo er einem anderen Mann unsittliche Avancen gemacht haben soll. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Schon wieder ein Vorfall am Weissen Haus.
Schon wieder ein Vorfall am Weissen Haus.
USA  Washington - Ein Metallteil, das über den Zaun des Weissen Hauses in Washington geworfen wurde, hat vorübergehend einen Alarm in der Residenz des US-Präsidenten ausgelöst. mehr lesen 
Achtens Asien Mit seinem Besuch in Vietnam hat US-Präsident Obama seine seit acht Jahren verfolgte Asienpolitik abgerundet. Die einstigen Todfeinde USA und Vietnam sind, wenn auch noch nicht Freunde, so doch nun Partner. China verfolgt die Entwicklung mit Misstrauen. mehr lesen  
US-Wahlen  Washington - Der US-Republikaner Marco Rubio will nicht als Vize-Präsidentschaftskandidat unter Donald Trump antreten. «Ich wäre nicht die richtige Wahl für ihn», sagte Rubio dem ... mehr lesen
Mit 55,8 Prozent der Stimmen  Orlando - Im US-Wahlkampf hat die libertäre Partei den ehemaligen Gouverneur Gary Johnson zu ihrem Kandidaten für die Präsidentschaftswahl gekürt. Der 63-Jährige erhielt beim Parteitag am ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich -4°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Basel -2°C 11°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
St. Gallen -4°C 8°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Bern -4°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Luzern -3°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Genf -1°C 12°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Lugano 4°C 10°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten