Dicke Europäer
Weltgesundheitsorganisation warnt vor Übergewichts-Krise
publiziert: Mittwoch, 6. Mai 2015 / 07:20 Uhr
'Regierungen müssen mehr tun, um das Marketing für ungesundes Essen zu begrenzen und gesundes Essen erschwinglicher zu machen'.
'Regierungen müssen mehr tun, um das Marketing für ungesundes Essen zu begrenzen und gesundes Essen erschwinglicher zu machen'.

Kopenhagen - Zuviel billiges Fastfood, zu wenig Bewegung: Die Europäer werden immer fetter. Nun schlägt die WHO Alarm. Demnach ist in manchen Ländern 2030 kaum noch jemand normalgewichtig.

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In Europa werden 2030 viel mehr Menschen als bisher mit Fettleibigkeit kämpfen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Europäische Region in Kopenhagen warnt vor einer «Übergewichts-Krise enormer Ausmasse».

Besonders dramatisch könnte diese Irland treffen: Hier werden bis 2030 nach Annahmen der Gesundheitsexperten fast alle Erwachsenen übergewichtig sein. Doch auch in Ländern, in denen Fettleibigkeit bisher weniger ein Problem war - etwa Schweden -, sollen die Zahlen steigen.

In der Untersuchung verglichen die Forscher Daten zu Übergewicht (Body-Mass-Index ab 25) und Fettleibigkeit (BMI ab 30) von europäischen Männern und Frauen von 2010 mit Projektionen für 2030. Die Zahlen aus allen 53 Ländern der Europäischen Region präsentierte die WHO anlässlich des Europäischen Kongresses zu Übergewicht in Prag.

Zahlreiche Fettleibige

Demnach sind 2030 fast alle erwachsenen Iren nicht nur übergewichtig, sondern nahezu die Hälfte der Männer (48 Prozent) und mehr als die Hälfte der Frauen (57 Prozent) in dem Land wird sogar fettleibig sein. In Grossbritannien trifft dies auf ein Drittel aller Frauen zu.

Auch Griechenland, Spanien, Schweden, Österreich oder Tschechien müssen sich auf viel mehr Übergewichtige einstellen. Im Jahr 2030 könnten doppelt so viele Griechen adipös sein wie noch 2010. Und während 2010 nur 14 Prozent aller schwedischen Männer fettleibig waren, sollen es 2030 mehr als ein Viertel aller Schweden sein. Der Trend zu mehr Pfunden verschont demnach kaum ein Land.

«Regierungen müssen mehr tun, um das Marketing für ungesundes Essen zu begrenzen und gesundes Essen erschwinglicher zu machen», forderte Laura Webber vom britischen Gesundheitsforum, das das Projekt gemeinsam mit der WHO in Europa durchgeführt hatte.

Vorurteile und Diskriminierung

Doch nicht nur gesundheitliche Probleme belasten die Betroffenen. Gerade stark fettleibige Menschen (BMI ab 35) sind zudem oft Vorurteilen und Diskriminierung ausgesetzt - etwa doppelt so häufig wie andere Übergewichtige, wie eine Untersuchung von Forschern der Universitätsklinik Leipzig zeigt.

Dafür werteten die Autoren mehr als zwei Dutzend internationale Studien aus - auch aus Deutschland. «Die Ergebnisse beweisen, dass die Diskriminierung wegen Fettleibigkeit und ihre negativen Folgen höchst relevante Probleme in der Gesellschaft sind», erklärte Hauptautorin Jenny Spahlholz.

In den Daten der WHO steckt aber zumindest auch eine gute Nachricht: In den Niederlanden werden die Menschen den Annahmen zufolge schlanker. Weniger als die Hälfte der Männer dort soll in 15 Jahren noch übergewichtig sein (2010: 54 Prozent), nur 8 Prozent adipös (2010: 10 Prozent). Statt 13 Prozent kämpfen 2030 demnach nur noch 9 Prozent der Niederländerinnen mit Fettleibigkeit.

(jbo/sda)

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