Wer drei mal lügt...
publiziert: Montag, 2. Okt 2006 / 13:40 Uhr

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Eigentlich hat man es ja schon länger geahnt. Der Irak ist nicht so schlimm, wie man immer angenommen hat. Nein, es ist noch viel, viel schlimmer. Ausgerechnet im Vorfeld der Kongress- und Senat-Neuwahlen im November kommt der angesehene Journalist Bob Woodward mit einem Enthüllungsbuch auf den Markt, dass die ganze Hybris und Verbohrtheit der Bush-Administration, was den Irak angeht, gnadenlos enthüllt.

Nun bestätigt auch ein gemässigter, allgemein anerkannter Journalist, was bisher vor allem eher linke Medien behaupteten: Dass Bush und seine Regierungsmannschaft vor allem eines gut können: Die Realität ausblenden.

Schon kurz vorher hatte – mit weniger Aufsehen aber mindestens gleich explosivem Inhalt - die unabhängige Zeitschrift «Mother Jones» eine Zeitleiste publiziert, in der, «Lüge für Lüge», der Weg zum Irakkrieg aufgezeigt wird. Bei dieser auch online erreichbaren Dokumentation erschüttert vor allem, wie skrupellos die US-Regierung gelogen hat.

Viele Male verbreiteten Bush, Cheney, Rumsfeld und Colin Powell (was dieser danach zutiefst bereute) Informationen, von denen auf Grund eigener Geheimdiensterkenntnisse bekannt war, dass sie falsch waren. Unzuverlässige Informanten, die längst als notorische Lügner enttarnt worden waren, wurden als Kronzeugen angeführt. Wenn jemand aus dem eigenen «Team» vor unliebsamen Entwicklungen warnte, wurde diesen Warnungen nur insofern Beachtung geschenkt, als dass der Warner seines Postens enthoben und durch einen Ja-Sager ersetzt wurde.

Zusammen mit Woodwards Buch ergibt sich hier ein Arsenal von Wahlkampfmunition, mit dem nicht einmal die Demokraten daneben schiessen sollten. Vor allem auch, weil Bush eine entscheidende Wahlkampfwaffe abhanden gekommen ist.

Es wurde vielfach darüber spekuliert, dass Bush kurz vor dem Wahltermin die Spannungen mit dem Iran wieder anfachen würde oder dass sogar die Israelis einen Luftangriff auf Isfahan und die anderen Atomforschungszentren des Iran fliegen würden. Zumindest die Wahrscheinlichkeit für eine solche Konfrontation ist momentan sehr gering. Dies allerdings nicht, weil Bush plötzlich – wie er seit einiger Zeit immer betont – an die Diplomatie glauben würde.

Vielmehr hängt es mit den Ölpreisen zusammen. Seit dem vorläufigen Ende des Libanon-Feldzuges sind die Rohölpreise nämlich wieder gesunken. Die rapide Verteuerung des schwarzen Goldes war vor allem auf die Angst vor Hurricanes und nicht enden wollenden Kriegshandlungen im nahen Osten zurück zu führen gewesen. Die Preise von über $ 3.-- für die Gallone Benzin war Gift für die US-Wirtschaft, die Verbraucher und die Regierung, die dafür verantwortlich gemacht wurde.

Auch wenn nicht gerade Friede herrscht – Panik ist an den Märkten momentan nicht angesagt, die Hurricanes lassen auf sich warten und die gehorteten Vorräte kommen nun auf den Markt, was die Preise wieder sinken lässt.

Würde Bush einen Wahlkampf-Krieg vom Zaun brechen, würden die Ölpreise sofort wieder durch die Decke gehen – kein Patriotismus könnte da eine 4$-Gallone bei der Wahl vergessen machen können.

So wird der Wahlkampf sehr heiss werden. Dabei dürften nicht einmal die erschütternsten Zahlen zum Irak auf den Tisch kommen. Wie der Tod von über 5000 Zivilisten nur schon in Bagdad im Juli und August. Oder die Tatsache, dass der UN-Anti-Folter-Spezialist glaubt, dass die Folterungen im Irak schlimmer sind, als sie es unter Saddam je waren. Oder dass unterdessen 75% der Sunniten den Aufstand unterstützen (am Anfang waren es nur 14%).

Vielmehr werden Episoden aufgetischt werden, wie jene, in der Bush einen Abzug aus dem Irak ausschloss, selbst wenn nur seine Frau und sein Hund ihn noch unterstützten. Vor einigen Jahren hätte Bush dies noch als Entschlossenheit verkaufen können. Doch vor dem Hintergrund dieser brennenden Hölle bleibt hier nur der Eindruck von an Geisteskrankheit grenzendem Starrsinn zurück.

Doch entscheidend sind die Lügen. Bisher galt Bush als glaubhaft. Doch wie heisst es so schön: Wer dreimal log, dem glaubt man nicht...

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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