Wer verschuldete Kursk-Unglück?
publiziert: Samstag, 6. Aug 2005 / 09:57 Uhr

Moskau - Es sind nur wenige Hinterbliebene, die sich auch fünf Jahre nach der Katastrophe des russischen Atom-U-Boots "Kursk" nicht mit den offiziellen Erklärungen zufrieden geben. "Wir wollen, dass die Schuldigen bestraft werden", sagt ihr Anwalt.

Atom-U-Boot Kursk.
Atom-U-Boot Kursk.
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Die allermeisten Angehörigen der 118 getöteten Seeleute haben sich mit der Realität abgefunden: Das Wrack der "Kursk" ist gehoben und verschrottet, fast alle Matrosen fanden ein Grab an Land, und der Untersuchungsbericht zur Ursache des Desasters bleibt aus angeblichen Sicherheitsgründen für 25 Jahre geheim.

Wochenlange Tragödie

Am 12. August 2000 nimmt eine Tragödie ihren Lauf, die über Wochen die ganze Welt in Atem hielt. An jenem Samstag registrieren norwegische Seismologen gegen 9.30 Uhr MESZ zwei Explosionen unter Wasser in der Barentssee.

Dort hält die russische Nordflotte ein Manöver ab. Als sich das hochmoderne U-Boot K-141, die "Kursk", nach zwölf Stunden nicht zu einem vereinbarten Funkkontakt meldet, beginnt eine geheime Suchaktion.

Die russische Öffentlichkeit erfährt erst zwei Tage später, dass ein U-Boot in Not geraten ist. Mit ungeeigneter Technik misslingen die ersten Rettungsversuche. Wider besseres Wissen berichtet die Marineführung noch, die Mannschaft sei wohlauf.

Erst am vierten Tag überwindet die russische Marine ihren Stolz und die Angst vor Spionage und bittet ausländische Experten um Hilfe.

Eine Woche nach dem Unfall der "Kursk" treffen norwegische und britische Retter in der Barentssee ein. Tiefseetaucher finden das Wrack in 110 Meter Tiefe vollständig geflutet vor. Der Tod der gesamten Mannschaft wird bestätigt.

Vorwürfe gegen Putin

Der neue Präsident Wladimir Putin muss sich bei einem Treffen mit Angehörigen schwere Vorwürfe über den miserablen Zustand der Marine und ihrer U-Boote anhören. Die Medien kritisieren, dass er in der ersten Woche des Dramas seinen Urlaubsort am Schwarzen Meer nicht verlassen hat.

Lange Zeit beharrte die Marineführung auf ihrer Version, die 14 700 Tonnen schwere "Kursk" sei nach einer Kollision mit einem U-Boot der NATO gesunken.

Doch spätestens als das Staatsfernsehen Bilder von der völlig verwahrlosten Heimatbasis der "Kursk" zeigt, ahnen viele Russen, dass mit der eigenen Technik nicht alles in bester Ordnung sein kann.

Langes Warten auf Ursache

Es dauert fast zwei Jahre, bis die Ursache amtlich ist: Ein eigener defekter Torpedo habe an Bord eine Kettenreaktion aus Explosionen ausgelöst und die Katastrophe verursacht, heisst es im Abschlussbericht der Regierungskommission.

Weil nur die Schlussworte des Berichts veröffentlicht werden durften, sind die genauen Ursachen für die Explosion bis heute unklar. Einer der Offiziere soll bereits vor dem Auslaufen der "Kursk" einen defekten Torpedo an Bord gemeldet haben.

Die russische Justiz hatte noch vor dem ersten Jahrestag der Katastrophe das Strafverfahren gegen die Marineführung eingestellt. Posthum wurde allen 118 Mann der Besatzung ein Tapferkeitsorden verliehen.

(Stefan Voss/dpa)

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