Werte entwertet
publiziert: Freitag, 3. Feb 2006 / 10:00 Uhr / aktualisiert: Freitag, 3. Feb 2006 / 10:57 Uhr

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Es ist tragisch, dass es eine Kontroverse gibt. Nämlich darüber, ob man eine Religion karikieren dürfe. Die Frage wird in praktisch allen Verfassungen Europas klar beantwortet. Natürlich darf man das! Dabei spielt die Qualität der Karikaturen aus dem 'Jyllands-Posten' keine Rolle: auch wenn jemand eine krude Ansicht vertritt, ist er immer noch frei, diese auszudrücken.

Was diese Sache losgetreten hat, wirft ein Licht auf ein intolerantes Gesicht der muslimischen Welt, das dem Westen Angst machen sollte. Die Proteste, Drohungen und Gewalttätigkeiten, die Boykotte und Schmähungen sind von einem Ausmass, das einen nur noch die Augen reiben und den Kopf schütteln lässt.

Nach der ersten Verwirrung stellen sich dann aber Fragen zu den Protagonisten in diesem Trauerspiel.

Zum Beispiel zu der Gruppe in Dänemark predigender Imame, denen man im demokratischen Dänemark korrekterweise gesagt hat, dass Karikaturen unter die verfassungsmässige Redefreiheit fallen. Eine Freiheit, genau so wichtig wie die Religionsfreiheit, ja sogar noch höher eingestuft, da Religionen diese Redefreiheit nicht einschränken dürfen. Diese Leute konnten sich scheinbar nicht mit den Gesetzen des Landes, dass ihnen ein sicheres Leben garantiert, abfinden, und reisten mit den Karikaturen im Handgepäck in Länder, in denen man nicht frei reden kann, in denen gefoltert wird, wo Leute nach getürkten Prozessen hingerichtet und die Menschenrechte mit Füssen getreten werden. In diesen Ländern fanden sie Unterstützung und endlich die solidarische Empörung, die ihnen in der Freiheit versagt geblieben war. Na toll!

Oder die Frage nach dem Rückgrat der europäischen Regierungen. Wo fand die Solidarisierung mit Dänemark statt? Wer stand auf und sagte: Wenn ihr Dänemark boykottiert, werden auch wir nichts mehr liefern. Keine Milch, keine Maschinen, keine Schraube! Denn die Redefreiheit haben wir teuer erkämpft. Es sind Millionen Leute in Kriegen gestorben, damit wir heute dieses Recht haben! Stattdessen scheinen einfach jene Länder froh zu sein, in denen die Karikaturen nicht veröffentlicht worden waren, dass sie nicht auch in die Schusslinie radikaler islamischer Länder geraten sind.

Oder Kofi Annan. Er findet, dass «die Pressefreiheit immer in einer Weise angewendet werden sollte, die den Glauben und die Lehren aller Religionen vollständig respektiert». Aha. Und was bedeutet das? Dass man Religionen, die Attentate, Morde und Verstümmelungen propagieren, unkommentiert lassen muss? Dass man sich nicht über Kulte und absurde Auswüchse lustig machen darf? Und wie war das? 'Alle Religionen vollständig'? War das Nazitum denn nicht auch eine Art Religion? Besass der Hitlerkult doch alles, von der Heilsversprechung (Tausendjähriges Reich) über die heilige Schrift (mein Kampf) bis zum Erlöser (Hitler selbst). Annan hat bei seinem Rundumschlag offenbar vergessen, dass 'Religion' an sich keine Qualität ist und sich die Stärke einer solchen daran zeigt, wie souverän sie mit Kritikern umgehen kann.

Es ist jedenfalls offensichtlich, dass von der Seite der islamischen Ländern uns 'Ungläubigen' ungleich weniger Respekt zukommt als umgekehrt. Während hier eine Diskussion über die Werte geführt wird, ist auf der anderen Seite kein einziges Wort der Moderation oder gar Zweifels an der eigenen Position zu hören (zumindest drang noch keines bis zum Autor durch).

Wenn wir in dieser Sache einknicken – und es sieht danach aus – fragt sich nur: Was kommt als Nächstes? Wird bald nicht mehr erlaubt sein, kritisch über islamische Länder zu berichten? Werden im Westen auf einmal keine kritischen Bücher über den Koran publiziert werden dürfen? Wird es uns verboten sein, unsere Meinungen in unseren Zeitungen in unseren Ländern zu veröffentlichen, weil sich jemand beleidigt fühlt? Müssen wir uns von Leuten wie dem Autokraten Hosni Mubarrak oder den Terroristen der Hamas in Zukunft die Definition von Pressefreiheit geben lassen? Wenn wir nicht endlich lernen, konsequent für unsere Werte einzustehen, könnte dies bald einmal der Fall sein... oder ist es bereits soweit?

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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