Wicky - der unterschätzte «Ballkontrolleur»
publiziert: Donnerstag, 22. Jun 2006 / 00:04 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 22. Jun 2006 / 07:07 Uhr

Gegen Südkorea ist abermals ein kluges Risikomanagement gefordert. Blindlings werden die Schweizer nicht zum möglichen Gruppensieg stürmen. Es wäre zumindest nicht im Sinn von Raphael Wicky.

69 Länderspiele hat Raphael Wicky schon auf dem Buckel.
69 Länderspiele hat Raphael Wicky schon auf dem Buckel.
Neben Johann Vogel ist der 29-jährige Walliser am längsten im Nationalteam dabei. Er debütierte unmittelbar vor der EM 1996. 69 Länderspiele später ist Wicky ein wichtiger Bestandteil in Köbi Kuhns Auswahl. Sein Wert wird vor allem von den Kommentatoren oft unterschätzt. Nicht nur das verbindet ihn mit Captain Vogel. Beide haben im taktischen Konzept eine ähnliche Rolle zu erfüllen; fürs publikumswirksame Spektakel sind andere zuständig.

In ihrem Territorium ist die tiefe Fehlerquote entscheidender als in anderen Zonen des Spielfelds. «Johann und ich müssen den Ball kontrollieren können. Es geht nicht nur immer vorwärts. Ab und zu hat die Ballsicherung Vorrang», beschreibt Wicky sein «Jobprofil» ziemlich exakt. Ihn stört keinesfalls, dass andere Co-Equipiers bedeutend mehr ins Scheinwerferlicht drängen. Der HSV-Professional weiss, «dass es in einer funktionierenden Equipe alle Elemente braucht».

Noch verläuft im Schweizer Team nicht alles programmgemäss. Wicky hat in den Spielen gegen Frankreich (0:0) und Togo (2:0) Potenzial zur Steigerung erkannt. Gemessen am Niveau der Mannschaft hätten sie sich ungewohnt viele Ballverluste geleistet. «Natürlich ist es nicht immer einfach, sich fürs Richtige zu entscheiden. Soll ich den Ball steil spielen, soll ich ihn halten?» Aber im Grundsatz sei anzustreben, die überhöhte Fehlerzahl spürbar zu reduzieren.

Der selbstkritischen Analyse zum Trotz erkennt Wicky im Schweizer WM-Team aber eine erhebliche Qualität. Ohne restlos zu überzeugen, bieb es ohne Gegentor. «Wir haben vier Punkte gewonnen. Das ist keine schlechte Bilanz. Es spricht doch fürs Team, dass wir trotzdem gewonnen haben. Oder?» Wicky kennt das internationale Fussball-Business seit bald neun Jahren. Deshalb läge es ihm fern, das 0:0 gegen die Franzosen als leise Enttäuschung zu werten, ebenso sehr vermag er auch das 2:0 gegen Togo richtig einzuordnen.

«Wir wissen genau, dass wir viel besser spielen können.» Er selber will seinen Beitrag zur Perfektionierung des Schweizer Stils beitragen; in seiner Lesart heisst das: «Ein bisschen einfacher spielen.» Man könnte es auch so formulieren: Das Ziel der Schweizer müsste sein, den physisch gut vorbereiteten Südkoreanern mit einer schnörkellosen Haltung zu begegnen, ihren Bewegungsspielraum von Beginn weg einzuschränken.

Einschneidende Änderungen sind in der Startformation gegen Korea nicht zu erwarten. Köbi Kuhn ist (ohne Grund) kein Mann umfassender Umstellungen. Wicky schätzt den Stil des Zürchers sehr. «Er vertritt zwar eine klare, aber auch menschliche Linie. Vom System und den Spielern weicht er nicht so schnell ab. Das schafft Vertrauen.» Kuhn, das ist bei den Ausführungen Wickys unschwer festzustellen, geniesst beim langjährigen Bundesliga-Crack höchsten Respekt.

Kuhn habe ein optimales zwischenmenschliches Klima geschaffen. «Früher war das sicher anders. Wir Jungen sind gekommen und haben zuerst einmal geschwiegen», erinnert sich der «Hamburger» an seine ersten Tage im Kreis der Nationalmannschaft. «Heute finden die jungen Spieler sofort den Zugang. Das spricht zum einen für den Zusammenhalt im Team, andererseits kommen sie auch mit einer ganz anderen Siegermentalität an. Und das ist gut so.»

(Sven Schoch, Bad Bertrich/Si)

 
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