Wie das Frauenstimmrecht gegen Cellulite kämpft
publiziert: Mittwoch, 26. Jan 2011 / 09:00 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 26. Jan 2011 / 09:32 Uhr
«So ein Wellness-Trip ist das Ideale, um das Frauenstimmrecht zu feiern, hihi!»
«So ein Wellness-Trip ist das Ideale, um das Frauenstimmrecht zu feiern, hihi!»

Das Ende der Geschichte (Fukuyama) produziert laufend neue historische Verunstaltungen in Jubiläumsform. Die schweizerische Frauenzeitschrift Annabelle, welcher die Emanzipation ebenso wichtig ist wie der Kampf gegen Cellulite, feiert «40 Jahre Frauenstimmrecht».

4 Meldungen im Zusammenhang

Dies tut sie (neben Werbung gegen Falten einer 40jährigen) stil- und artgerecht in schwarz-weiss, mit Bundesrätinnenfotos, die von einer Starfotografin, der Freundin der Chefredkatorin (beeindruckend!) geschossen wurden. Die Mamis der aktuellen Annabelle-Redaktorinnen haben je eine Spalte, in welcher sie über ihr «erstes Mal» berichten dürfen: «Wie war es denn, damals, ja, als das Frauenstimmrecht eingeführt wurde?» Es fehlt nur noch die Vertonung à la «Sex and the City»: (hohe Piepsstimme auf Stöckelschuhen): «Mädels, wie süss, stellt Euch vor, vor 40, ja vor 40 Jahren durften in der Schweiz die Frauen zum ersten Mal. Hihi, süüüüüsss, super! Ob sie wohl auch ein Rosa Bändchen um ihr erstes Abstimmungsformular kriegten? Kicher, let’s celebrate, Mädels, am besten in einer Beauty Farm, wir müssen Wellnessen, das muss doch gefeiert werden. Hihi, vielleicht ist ja auch der gut bepackte Carlos da, kicher, den stellen wir dann an, um 40 Jahre Emanzipation zu feiern, kicher, Ihr wisst, was ich meine...hihi.»

Gestern stand im Facebook die resigniert klingende Frage: «Und, ist die Politik nach vierzig Jahren Frauenstimmrecht besser geworden?»

Die Antwort ist Nein. Die Frage ist aber auch falsch. Es spielt keine Rolle, ob Frauen eine bessere Politik machen oder nicht. Das allgemeine Wahlrecht ist eine Frage der Gerechtigkeit und keine der Gefälligkeit.

Trotzdem zeigt die Annabelle-Geschichte, wie gross die Enttäuschung über 40 Jahre Frauenstimmrecht sein muss. 1971 meinten die wunderbaren Kämpferinnen für die Menschwerdung der Frau, endlich die Welt nicht nur mitzugestalten, sondern auch verändern zu können.

Tatsächlich. Die Welt hat sich verändert – aber ganz anders als dies die damaligen Frauenstimmrechtlerinnen dachten. Die Mehrheit der Männer erteilte den Frauen das Wahlrecht selbstverständlich erst dann als die Frauen schon längst vergessen hatten, wie es wohl sein könnte, Subjekt zu sein. «Der Mann sieht, die Frau wird gesehen» beschrieb dies die Philosophin Simone de Beauvoir.

Nein. Die Politik ist in den letzten vierzig Jahren nicht besser geworden. In den letzten vierzig Jahren wurde die Demokratie so entpolitisiert, dass peinliche Jubiläumsgeschichten wichtige historische Freiheitskämpfe totschlagen. 40 Jahre Frauenstimmrecht ist wie koffeinfreier Kaffee, fleischloses Fleisch oder zuckerfreie Vermicelles... schlechter Geschmack und reine Simulation. Wäre dem nicht so, würde der Militärminister Ueli Maurer während der Waffenverbotsinitiative die Schweizer Frauen nicht als «komisch» betiteln wollen.

Nein. Die Politik ist in den letzten vierzig Jahren nicht besser geworden. Die Chefetagen der Medienhäuser, Grossbanken, Universitäten, IT-Firmen, etc. bleiben momentan genauso frauenfreie Zonen, wie die Wartezimmer von Urologen. Falls sich das in Kürze ändern wird, wissen wir, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, dass die Frauen mittlerweile die besseren Männer sind, siehe Sarah Palin in den USA.

Wie hiess es einmal? «Die Zukunft ist weiblich». Frauen feierten damals sich, ihren Power und ihre Hoffnungen. Sie wussten wenig, dass «Die Zukunft ist weiblich» nicht von Simone de Beauvoir, sondern von einer Werbeagentur für Schönheitskliniken und Diäten gestaltet werden würde...alles perfekt schwarz-weiss fotografiert von ...Annabelle.

(von Regula Stämpfli/news.ch)

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Frau Stämpfli, ihre Kommentare sind amüsant zum lesen, manchmal etwas extravertiert. Haben sie ein Männerproblem? Die Politik ist nicht besser seitem die Frauen in Bern Einzug hielten. Mein Vorschlag: "Nach den Wahlen eine obligatorische, unabhängige Eignungsprüfung der Kanditaten, dann würden bestimmt einige gewählte Parlamentarier als "ungenügend" ausscheiden." Ältere Kaliber und Sesselkleber sollten einen obligatorischer WK mit Fähigkeitsausweis absolvieren, genau wie das von uns Rentnern verlangt wird mit dem Fahrausweis. Ich prognosziere:" Resultat peinlich!!"Vielleicht sollte man dieses Amt "ehrenamtlich" ausschreiben, damit die verlockenden Saläre und Nebeneinnahmen nicht zu einer Teilnahme motivieren.
Frauen können es auch nicht besser...
...Thatcher, Kirchner, Merkel, Kopp

Was haben die alle gemeinsam? Ja es sind Frauen.

Ansonsten ist alles gleich wie bei Männer.
Illegale Machenschaften, Korruption, Machtgeilheit, Teamunfähigkeit etc.
Das sind nicht männliche oder weibliche Attribute.
Das ist menschlich.

Wenn der BR von 4 Frauen "dominiert" wird, ist das etwa so egal als ob ich 5 oder 6 Tassen Kaffee trinke am Tag. Auch 7 weibliche BR würden keine Besserung bringen oder Verschlimmerung.

Man verstehe mich nicht falsch. Das Frauenstimmrecht war schon vor 40 Jahren längst überfällig.

Heute quälen uns aber andere Fragen. Sollen etwa langansässige Ausländer (C-Ausweis) etwa das Stimmrecht erhalten??
Nein ich bin nicht verrückt, diese Frage wurde schon von einzelnen Regionen/Städten tatsächlich aufgeworfen.

In 40 Jahren denken wir vielleicht 30 Jahre zurück und "feiern" das Ausländerstimmrecht.

Und wer jetzt glaubt die SVP werde das NIEEEEE zulassen....gerade die SVP versucht im Verdeckten die eingebürgerten "Ausländer" einzufangen und würde bei einem allfälligen Ausländerstimmrecht ungeahntes neues Wählerpotential ausmachen.

Oder dann die Altersfrage.
Vielleicht lacht man in 50 Jahren darüber, dass damals (heute) erst mit 18 abgestimmt werden durfte.

Oder mal eine andere Utopie: Vielleicht wird ganz im Gegenteil das Stimmrecht eingeschränkt werden. Man überlege: Sollte die Rechte hier irgendwann mal die Macht inne haben, ist ihr Interesse gross möglichst nur noch die Wählen zu lassen, die sie auch wählen würden.
Z.B: Jeder der vorbestraft ist, verliert das Wahlrecht oder jeder der weniger als ??? verdient pro Jahr verliert das Wahlrecht (Frauen die nicht arbeiten aber mind. ein Kind grossziehen ausgeschlossen).
.
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