Wie die Digitalisierung das Reisen verändert
publiziert: Montag, 2. Sep 2019 / 01:38 Uhr
Die Digitalisierung hat unser Reiseverhalten in den letzten Jahren verändert
Die Digitalisierung hat unser Reiseverhalten in den letzten Jahren verändert

Per Smartphone die nächste Traumreise buchen, per Tablet am Flughafen einchecken oder aber die schönste Sightseeing Route für das Urlaubsdomizil auskundschaften. Es ist nicht zu leugnen - die Digitalisierung hat unser Reiseverhalten in den letzten Jahren verändert.

Die Schweizer gelten als besonders reisefreudiges Volk, die Anzahl der Auslandsreisen steigt kontinuierlich an. Ein Grossteil der Urlaubstrips wird dabei online abgewickelt doch auch während des Urlaubs spielt das Online-Verhalten eine immer grössere Rolle:

  • nach ÖPNV-Verbindungen vor Ort suchen
  • per Street View schon mal vorab die wichtigsten Touristenrouten abgehen
  • oder einen Tagesausflug einer nahegelegenen Sehenswürdigkeit vorab planen


Google Maps ist für die meisten Reisenden zum unersetzlichen Tool geworden, ohne das die Orientierung am Urlaubsort kaum mehr vorstellbar ist. Spezielle Apps für Flugreisende lassen zudem das Speichern der Boardkarte zu und Bewertungsplattformen wie Tripadvisor werden zur Wahl der perfekten Urlaubsdestination herangezogen. Reisen ist längst digital geworden und doch stehen wir erst am Anfang einer spannenden Entwicklung.

Smartes Reisen 4.0

Bereits heute suchen 43 % aller Reisenden ihr Urlaubsdomizil online aus, lediglich 26 % planen ihre Reise offline. Bis vor wenigen Jahren war daher die Befürchtung gross, dass die Reisebürobranche durch die Digitalisierung komplett untergehen könnte. Zur Überraschung vieler Experten aber möchten die Schweizer auf die fachmännische Beratung im Reisebüro nicht komplett verzichten. Und das aus gutem Grund. Denn oft sind die Urlaubsangebote aus dem Reisebüro nicht teurer als jene aus dem Internet. Nicht selten erhalten Kunden im Reisebüro sogar bessere Konditionen als online. Vor allem bei komplexeren Reisen sind Kunden daher froh, einen kompetenten Ansprechpartner zu haben. Online heisst also nicht automatisch günstiger. Aber was ist es dann, was den Online-Boom in der Reisebranche so rasant ansteigen lässt?

Mobile Bezahlsysteme auf Reisen

Wer in ferne Länder vereist, für den kann das Bezahlen zur Herausforderung werden. Urlauber, die im Ausland mit EC-Karte bezahlen, können leicht in eine Kostenfalle geraten. Ausländische Banken verrechnen nämlich bis zu 13,7 % Aufschlag, wenn Geldautomaten die Landeswährung direkt in Euro umrechnen. Selbst bei Kreditkartenzahlungen in Fremdwährung können Auslandseinsatz-Entgelte anfallen. Oft stehen aber nicht einmal Geldautomaten zur Verfügung, um am Urlaubsort Bargeld abheben zu können. Etliche Hotels in skandinavischen Ländern lehnen mittlerweile sogar das Bezahlen mit Bargeld komplett ab.

Zum Glück macht das Smartphone Bargeld auf Reisen mittlerweile ohnehin fast überflüssig. Mobiles Bezahlen bietet sich in immer mehr Urlaubsländern an. Alles was man dazu braucht, ist ein Smartphone mit NFC-Schnittstelle (Near Field Communication), eine digitale Karte und die Möglichkeit, im Laden digital bezahlen zu können. Überall, wo das bekannte Wellensymbol zu sehen ist, kann mobil bezahlt werden. Die drei bekanntesten weltweiten Anbieter mobiler Bezahlsysteme sind:

Apple Pay

Apple Pay ist nur mit iPhone, iPad und der Apple Watch nutzbar. Apple Pay ermöglicht sichere und vertrauliche Transaktionen in Geschäften und im Internet weltweit. Es funktioniert bankenunabhängig, die Nutzer können die hinterlegte Kreditkarte, beispielsweise die Cornèrcard, direkt belasten oder der Betrag wird vom Girokonto abgebucht.

Google Pay

Hier sind Android-Nutzer gefragt. Google Pay ist seit 2018 verfügbar und funktioniert am einfachsten über das Bezahlsystem Paypal.

Samsung Pay

Mobiles Bezahlen per Samsung Smartphone oder Smartwatch. Überall da, wo mit Mastercard bezahlt werden kann, ist meist auch die Bezahlung per Samsung Pay möglich.

Vor allem auf Urlaubreisen heisst es also zukünftig: Handy statt Bargeld.

Digtaler Tourismus - eine Chance für abgehängte Regionen?

Regionale Akteure stehen vor der Herausforderung, potenzielle Urlaubsgäste auf sich aufmerksam zu machen. Alleine darauf zu hoffen, dass Erholungssuchende auf ihrer Homepage landen, reicht im Jahr 2019 nicht mehr. Vor allem - aber nicht nur - jüngere Urlauber fällen die Entscheidung über ihr Urlaubsdomizil aufgrund von Postings auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram. Dabei reicht es aber nicht aus, ab und an ein Bild zu posten und mit einem Hashtag zu versehen. Der Nutzen, den der Betrachter aus dem Angebot ziehen kann, sollte auf den ersten Blick erkennbar sein. Storytelling, Gewinnspiele, Medienberichte oder spezielle Apps für die jeweilige Region - je mehr regionaler Anreiz dem Gast von morgen auf den digitalen Kanälen geboten wird, umso besser.

Die Reisebranche im digitalen Wandel

Vor wenigen Jahrzehnten noch strebten Urlauber nur nach einem: vom Alltag entfliehen und ein paar Tage ausspannen. Es mag grotesk klingen, aber heute ist der Erholungsfaktor nicht mehr das Hauptaugenmerk einer Urlaubsreise, denn der Alltag reist mit dem Smartphone immer mit. Schnell ein paar E-Mails checken, die Followergemeinde auf Instagram am Urlaub teilnehmen lassen oder einfach nur die Nachrichten aus der Heimat im Live-Ticker mitverfolgen. Einfach abschalten, ohne mit der digitalen Welt verbunden zu sein, ist für viele Menschen unvorstellbar geworden.

Mittlerweile gibt es allerdings Hotels, die gestressten Urlaubern eine Auszeit von Smartphone und Internet anbieten. Ob Digital Detox oder smartes Reisen, fest steht: der digitale Fortschritt macht Reisen bequemer, intelligenter und effizienter.

(ps/pd)

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